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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5637 vom 12.11.2010, Kategorie Kolumne

3. Pearl Spring Turnier in Nanjing

Die dritte Auflage des Pearl Spring-Turniers in Nanjing (China) fand heuer vom 20. bis 30. Oktober statt. Nach schwachen Leistungen von Magnus Carlsen bei der Olympiade und beim Grand Slam-Finale in Bilbao meldet er sich wieder in Topform zurück. Mit souveränem Spiel (4 Siege, 6 Remisen und keiner Niederlage) sicherte er sich bereits eine Runde vor Schluss den überlegenen Turniersieg. Weltmeister Anand präsentierte sich in guter Form und wurde locker Zweiter. Der dritte Platz von Bacrot (er startete mit 3 Siegen!) war die Überraschung des Turniers.

Endstand nach 10 Runden:
1.Carlsen 7. Punkte,
2.Anand 6.
3.Bacrot 5.
4.Gashimov 4,5.
5.Topalov 4,5.
6.Wang Yue 3.

Carlsen (2826) - Bacrot (2716)

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 Vielleicht Kasparov''s Einfluß? Die Schottische Partie ist zurzeit ein eher seltener Gast in der Großmeisterpraxis.

3...exd4 4.Sxd4 Lc5 Die andere Hauptvariante 4...Sf6 5.Sxc6 bxc6 6.e5 De7 7.De2 Sd5 verspricht dem Schwarzen gleichwertiges Spiel.

5.Sb3!? Das ist eine uralte Fortsetzung, die Schwarz bis jetzt vor keine großen Probleme stellte. Ob diese Partie daran etwas ändert? Die Praxis zeigte, dass die Stellung nach 5.Le3 Df6 6.c3 Sge7 7.Lc4 Se5 8.Le2 Dg6 9.0-0 d6 ausgeglichen ist: 10.f3 0-0 11.Sd2 d5 12.Kh1 dxe4 13.Sxe4 Lb6 14.Te1 Lf5 15.Lf4 Lxe4 16.Lxe5 Sc6 17.Sxc6 Lxc6 18.Ld3 Dh5, remis, Rublevsky (2680) - Grischuk (2717), Elista 2007.

5...Lb6 6.Sc3 Sf6 7.De2!? Präzise Reihenfolge: Weiß bereitet die lange Rochade vor und beginnt dabei mit dem Abzug der Dame. Der Läufer von c1 wartet ab. Für ihn gibt es die Möglichkeiten g5 oder e3.

7...0-0 8.Lg5 h6 9.Lh4 9.h4?! wurde ohne Erfolg im Aktivschach ausprobiert: 9...d6 10.f3 hxg5 11.hxg5 Sg4 12.fxg4 Dxg5 13.Df3 Lxg4 14.Dg3 Se5 15.Le2 f5 16.exf5 Dxf5 17.0-0-0 Lxe2 18.Sxe2 Df2 19.Dh2 Dxe2 20.Dh8+ Kf7 21.Tdf1+ Lf2 22.Dh7 Ke6 23.Kb1 Dg4 0-1, Rublevsky (2649) - Anand (2781), Bastia 2004.

9...a5 Mit der Drohung a5-a4, was die folgende Antwort von Weiß erzwingt.

10.a4 Sd4 GM Bacrot sucht die Vereinfachung mittels Figurentausch. Gegen einen anderen (schwächeren) Gegner hätte er wahrscheinlich 10...d6 gewählt: 11.0-0-0 (11.Sd5 bringt wenig: 11...g5 12.Sxb6 cxb6 13.Lg3 Sxe4 14.0-0-0 Lf5) 11...Le6.

11.Dd3 11.Sxd4 Lxd4 12.0-0-0 wäre spielbar, aber nach 12...Lxc3 13.bxc3 entstehen im weißen Lager Bauernschwächen.

11...Sxb3 12.cxb3 Te8 13.0-0-0 d6 14.Dc2 Ld7 Nach 14...c6 15.Lc4 De7 16.The1 hängt e4-e5 schon in der Luft.

15.Lc4 Le6 Auf 15...Lc6 16.The1 Te5 folgt 17.g4

16.The1 De7 Der Versuch, die Fesselung auf f6 zu lösen, schwächt natürlich die Königsstellung: 16...g5 17.Lg3 Dc8 18.e5 Lf5 19.Dd2 dxe5 20.Lxe5.

17.e5 dxe5 18.Txe5 Df8 19.Lxf6 gxf6 20.Te2 Ohne eindeutige Fehler begangen zu haben, hat Schwarz Probleme.

20...Dg7 21.Lxe6 Txe6 22.Txe6 fxe6 23.Td3 Kh8 Auf 23...Kf8 könnte 24.Tg3 Df7 25.Dd2 Dh7 26.Df4 Ke7 27.Th3 folgen.

24.Tg3 Dh7 Wenn 24...Df8 dann 25.Tg6

25.Dd2 Lc5 25...Tg8 kostet zumindest einen Bauern. 26.Txg8+ Kxg8 27.Dd8+ Kf7 28.Dd7+ Kg8 29.Dxe6+.

26.Se4! Le7 26...Dxe4?? 27.Dxh6+ Dh7 28.Dxf6+

27.Th3 Kg7? Der erste klare Fehler und schon ist die Partie zu Ende. Richtig war 27...Kg8 28.Df4 (28.Dd7 Dxe4 29.Dxe7 De1+ 30.Kc2 De4+ 31.Kd2 Df4+ 32.Ke2 Kh8) 28...f5 29.Txh6 Dg7 30.Th3 Kf7 31.Tg3 Dd4 32.Sg5+ Lxg5 33.Dxg5 Th8 mit praktischen Chancen auf ein Unentschieden.

28.Dd7 Kf7

Diagramm

29.Sg5+!! Das trojanische Pferd! 29...fxg5 30.Tf3+ Kg8 31.Dxe6+ Kh8 32.Tf7 Ld6 33.Txh7+ Kxh7 34.Df7+ Kh8 35.g3 Ta6 35...Tf8 36.Dg6 36.Kb1 Lb4 37.f4 gxf4 38.gxf4 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog