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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5757 vom 10.06.2011, Kategorie Kolumne

Gelfand gewinnt Kandidatenturnier!

Die Erfahrung setzte sich durch! Der älteste Teilnehmer im Feld, der 43-jährige Boris Gelfand aus Israel, gewann das Kandidatenturnier in Kazan und wird nächstes Jahr den Weltmeister Vishvanathan Anand herausfordern. Das Finale gegen Grischuk verlief friedlich bis zur sechsten Partie (unsere heutige Analyse), wo Grischuk mit Schwarz die Stellung überschätzte. Gelfand verteidigte präzise und übernahm dann selbst die Initiative. Endergebnis: Gelfand-Grischuk 3,5-2,5.

Gelfand (2733) - Grischuk (2747)

1.d4 In den ersten beiden Weißpartien fing Gelfand mit 1.c4 an, konnte aber aus der Eröffnung keinen Vorteil erlangen.

1...Sf6 2.c4 g6 3.Sf3 Lg7 4.g3 Das Fianchetto-System gegen die Grünfeld-Verteidigung ist nicht gerade eine Kampfansage. Der Gedanke dahinter wäre vielleicht auf ein minimales Plus spielen und abwarten.

4...d5 5.cxd5 Sxd5 6.Lg2 Sb6!? Die Idee, warum der Springer freiwillig zurückgezogen wird, ist sofort mit Sb8-c6 Druck auf d4 auszuüben.

7.Sc3 Sc6 8.e3 0-0 Schwarz könnte gleich mit 8...e5 kontern: 9.d5 Se7 10.e4 Lg4 11.h3 Lxf3 12.Dxf3 c6 13.0?0 cxd5 14.Sxd5 Sexd5 15.exd5 mit leichtem Plus für den Anziehenden, 1-0, Grischuk (2715) - Avrukh (2645), Kemer 2007.

9.0?0 Te8 Die andere Hauptvariante ist 9...e5 10.d5 Sa5 11.e4 c6.

10.Te1 Die Alternative ist 10.d5 Sa5 11.Sd4 Ld7 12.e4 c6 13.Te1 cxd5 14.exd5 Tc8 15.Lf4 Sac4 16.b3 Sd6 17.Dd2 mit offenem Spiel.

10...a5 Grundsätzlich sollte immer das Zentrum attackieren werden. Z.B. 10...e5 11.d5 Sa5 12.e4 c6 13.Lg5 f6 14.Le3 Sac4 15.dxc6 Sxe3 16.Dxd8 Txd8 17.cxb7 Lxb7 18.Txe3 Lh6 19.Tee1 Sc4 20.Tad1 Kf8 21.h4 Tac8 22.Lh3 Txd1 23.Txd1 Sxb2 24.Td7 Txc3 25.Txb7 Sc4 26.Sh2 Sd6 und die Partie endete bald remis, Karpov (2715) - Kasparov (2750), Amsterdam 1988.

11.De2 Lg4 12.h3 Le6 13.b3N Dieser natürliche Zug scheint eine Neuerung zu sein.

13...a4 14.Tb1 axb3 15.axb3 Dc8 16.Kh2 Ta5!? Sieht verlockend aus, ist aber mit gewissen Risiken verbunden. Ruhiger wäre 16...Td8.

17.Td1 Th5 18.Sh4! Nur so! Auf 18.h4 folgt 18...Lg4 und g6-g5 hängt in der Luft.

18...Lf6 19.f4 Td8 20.Df2 Lxh4 Ambitioniert gespielt. Schwarz könnte mit 20...Ta5 21.Sf3 Sd5 22.Ld2 Lf5 23.Ta1 Da8 leicht die Balance halten.

21.gxh4 Sd5 22.Sxd5 Thxd5!?

Diagramm

Das ist Grischuks Idee! Für die Qualität erhält Schwarz Dominanz über die weißen Felder.

23.Lb2! Gelfand setzt nicht auf Material, sondern auf das Läuferpaar und Zentrum -klassisch! Nach 23.Lxd5 Lxd5 24.Ld2 Df5 25.b4 Sa7 26.Ta1 (26.b5 Le4) 26...Sb5 27.Tg1 h6 hätte Schwarz volle Kompensation für die Qualität.

23...Tb5 24.De2! Th5 24...Txb3?? 25.d5.

25.e4 Lxb3 26.Tdc1 Sa5 27.d5 b6 Das Läuferpaar ist stärker als der Turm: 27...La2 28.Ta1 Sb3 29.Txa2 Sxc1 30.Lxc1 c6 31.Tc2 Dd7.

28.Le5 c5 29.dxc6 f6 Ein Qualitätsopfer macht die schwierige schwarze Lage nicht besser: 29...Txe5 30.fxe5 De6 31.Dg4 Dxe5+ 32.Dg3 De6 33.c7 Tc8 34.h5.

30.La1 Das Endspiel nach 30.c7 Td7 31.Db5 fxe5 32.Dxd7 Dxd7 33.c8D+ Dxc8 34.Txc8+ Kg7 35.fxe5 Txe5 36.Tc3 Lf7 37.Txb6 Sc4 38.Tc6 Sd6 ist, trotz einer Qualität mehr, nicht einfach zu gewinnen.

30...Tc5 30...Lf7 31.Txb6 Dc7 32.Df2 Sb3 33.Tb7 Dc8 34.c7 Sxc1 35.cxd8D+ Dxd8 36.e5 Sb3 37.Da7 und Weiß gewinnt.

31.Txc5 bxc5 32.Db5 Dc7 Vielleicht die letzte praktische Chance auf Remis bot 32...La2: 33.Tb2 Dc7 34.e5 Le6 35.Db6 Dxb6 36.Txb6 Tc8 37.exf6 exf6 38.Lxf6.

33.Txb3 Sxc6 Oder 33...Sxb3 34.Dxb3+ Kf8 35.e5.

34.e5 Sd4 35.Dc4+ Auf jeden Königszug folgt 36.Tb7. 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog