Wiener Zeitungs Schachergebnisserver - Kolumne
Schach Homepage Swiss-Manager Homepage Österreichischer Schachbund Homepage Wiener Zeitung Homepage CMS-Version 10.06.2017 12:15, Logged on: Gast Suche Impressum Sitemap Login Logoff Kontakt
 Home   Österreich   Welt   Kolumne   Meisterschaft   Turnier-DB   Archiv   Turnierkalender   Links   Datenpflege 

Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5758 vom 17.06.2011, Kategorie Kolumne

Deutsche Meisterschaft mit Problemen

Für das Land mit den meisten gemeldeten Schachspielern und einer Zahl von über 70 Großmeistern war die 82. Deutsche Einzelmeisterschaft vom 26. Mai bis 03. Juni in Bonn nicht gerade repräsentativ! Magere 34 Teilnehmer, darunter nur 7 Großmeister, nahmen daran teil. Deutschlands Nummer 1, GM Naiditsch, bevorzugte beispielsweise die französische Liga.

Als Favorit für den Titel galt das erfahrene Großmeistertrio Fridman, Gustaffson und Khenkin. Das Trio wurde indirekt durch eine Schiedsrichterentscheidung aus der vierten Runde unterstützt. Der Turnierdirektor Dr. Ralph Alt erteilte GM Falko Bindrich, der 2 Minuten in der vierten Runde zu spät erschienen ist, eine Null! Der junge Bindrich zog die Konsequenzen und verließ das Turnier. In der zweiten Runde gab der erwähnte Schiedsrichter den Start aber erst frei, nachdem der fehlende Spieler Natsidis im Spielsaal erschien ist. Eine etwas widersprüchliche Auslegung der Regeln. In der Schlussrunde kam es zu einer weiteren Panne. Der aufstrebende Spieler Christoph Natsidis frequentierte zu oft die Toilette, sogar kurz vor der Zeitnotphase! Nach einem Hinweis von seinem Gegner GM Siebrecht wurde er kontrolliert und es wurde festgestellt, dass der verdächtige Spieler nicht allein unterwegs gewesen sei. Ein Handy mit installiertem Schachprogramm hatte ihm während der WC-Besuche gute Dienste geleistet! Grund genug für eine Disqualifikation.

Zurück zum Hauptwettbewerb. Hier setzte sich nach Zweitwertung und solidem Spiel GM Khenkin vor dem enttäuschten GM Gustaffson durch.

Endstand nach 9 Runden:
1.GM Khenkin 6,5 Punkte.
2.GM Gustafsson 6,5.
3.GM Fridman 6.
4.GM Buhmann 6.
5.IM Gschnitzer 5,5.

Huschenbeth (2502) - Gustafsson (2646)

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Der Titelverteidiger von 2010 IM Huschenbeth neigt zu scharfen Varianten. Das Evans-Gambit passt gut in dieses Bild.

4...Lxb4 5.c3 Le7 Die Hauptvariante ist 5...La5 Hier eine Beispiel: 6.d4 Lb6 7.0-0 d6 8.dxe5 dxe5 9.Db3 Df6 10.Lg5 Dg6 11.Ld5 f6 12.Lxg8 fxg5 13.Sxg5 Kf8 14.Se6+ Kxg8 15.Sxc7+ Kf8 16.Sxa8 Lh3 17.g3 Dxe4 18.Da3+ Se7 0-1, Kogan (2580) - Anand (2788), Venaco 2005.

6.d4 Sa5 Weiß erlangt nach 6...d6 7.Db3 Sa5 8.Lxf7+ Kf8 9.Da4 Kxf7 10.Dxa5 exd4 11.Dd5+ Le6 12.Dxb7 dxc3 13.Sxc3 Lf6 14.Sg5+ Lxg5 15.Lxg5 Sf6 16.0-0 Vorteil.

7.Le2 7.Sxe5 Sxc4 8.Sxc4 d5 9.exd5 Dxd5 10.Se3 Dd8 11.0?0 Sf6 12.c4 0-0 13.Sc3 c6 14.Tb1 Te8 15.Lb2 Dc7 16.Df3 Ld7 17.Se2 Tad8 18.Sg3 Lc8 mit dynamischem Gleichgewicht, remis, Kasparov (2805) - Short (2655), London 1993.

7...exd4 8.Dxd4 Schwarz hat mit 8.cxd4 Sf6 9.Sc3 d5 kaum Probleme.

8...d5!? 9.Dxg7 Lf6 10.Dg3 dxe4 11.Sd4 Se7 12.Sb5 Sd5?! Nun wird es wirklich kompliziert! Schwarz verfügte hier über eine elegante Lösung: 12...Sac6! 13.Sxc7+ Dxc7! 14.Dxc7 Le5 15.Dxe5 Sxe5 16.Sa3 a6 mit Ausgleich.

13.c4 a6 14.cxd5 axb5 15.Sc3 Dd6?

Diagramm

Ein Fehler in schwieriger Stellung. Auf 15...c6 folgt 16.0-0 Sc4 und 17.Sxe4 mit starker Initiative. 17...Lxa1? geht wegen 18.Lxc4 bxc4 19.Te1! nicht. Oder 15...Sc4 16.0-0 Sd6 17.Lxb5+ Ld7 18.Te1 mit Angriff. 18...Lxb5? wäre wegen 19.Sxe4 schlecht. Beachtung verdient 15...De7!? und auf 16.0-0 Ld7. Es könnte zB folgen: 17.Tb1 b4 18.d6 De5 19.Dxe5+ Lxe5 20.Sxe4 b3 21.axb3 cxd6 22.Lb2 Ke7 23.Tfe1 Le6 und Schwarz hält die Balance.

16.Lf4 16.Lxb5+ Ld7 17.Lf4 Db4 18.Le5 sieht ebenfalls gut aus.

16...Db4 17.Le5 De7 18.Lxf6 Dxf6 19.0-0 Der Rest läuft von allein!

19...Ld7 20.Sxe4 Dd4 21.Df4! Kd8 22.Tac1 Sc4 23.Lxc4 bxc4 24.Txc4 Dxc4 Auf 24...Db6 folgt 25.d6!

25.Df6+ Ke8 26.Te1! Tf8 27.Sd6 matt.1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog