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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5836 vom 21.10.2011, Kategorie Kolumne

Carlsen gewinnt Grandslam

Im ersten Teil des doppelrundigen Turniers in Sao Paolo putzte der Veteran des Turniers, Vassily Ivanchuk, seine Gegner buchstäblich weg: Drei Siege hintereinander gegen Vallejo Pons, Anand und Aronian. Mit der Dreipunkteregel (Sieg-3 Punkte, Remis-1, Niederlage-0) bedeutete das satte zehn Punkte und eine klare Führung für den Ukrainer. In Runde 5 konnte ihn Magnus Carlsen mit Schwarz gerade noch stoppen. Das war aber leider nicht das letzte Unglück für Ivanchuk. Bei der Abreise wurden er und seine Gattin vor dem Hotel überfallen und ausgeraubt! Seine Frau verlor dabei Pass und Visum und konnte ihn nicht nach Bilbao begleiten. Der Turnierabbruch wäre die menschliche und logische Konsequenz, aber nicht für Ivanchuk! Er flog nach Bilbao und schon in der ersten Runde demolierte er voller Wut Nakamuras Königsstellung. Es folgte eine unnötige Niederlage gegen Vallejo Pons. In der entscheidenden Partie gegen die Nummer 1 der Welt, Carlsen, zeigte dieser seine Extraklasse und holte Ivanchuk mit einem Sieg ein. In der Schlussrunde wollte keiner der Führenden riskieren. Der Sieger wurde schließlich durch einen Stichkampf von 2 Blitzpartien ermittelt, wo sich der junge Carlsen mit 1,5-0,5 gegen Ivanchuk durchsetzte.

Carlsen (2823) - Ivanchuk (2765)

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.Sf3 b6 5.Dc2 Lb7 6.a3 Lxc3+ 7.Dxc3 Se4 8.Dc2 f5 9.g3 Sf6 10.Lh3!? 0-0 11.0-0 a5 12.Td1 De8 13.d5 Sa6 14.Lf4 exd5? Fragwürdige Entscheidung!

15.Lxf5 dxc4 Schwarz steht im Endspiel nach 15...Se4 16.Sd4 16...c5 17.Lxe4 Dxe4 18.Dxe4 dxe4 19.Sb5 sehr passiv.

16.Sg5 Dh5 16...g6 führt forciert zu einem schlechten Endspiel: 17.Lxd7 Sxd7 18.Dxc4+ Kg7 (18...Kh8?? 19.Txd7 Dxd7 20.Le5+) 19.Se6+ Kh8 20.Txd7 Dxd7 21.Sxf8 Dd5 22.Dxd5 Lxd5 23.Sd7.

17.Txd7 Kh8 Nach 17...Sxd7 18.Lxh7+ Kh8 19.Lg6 Dg4 20.f3 ist die Dame weg!

18.Te7 Sd5 19.Lg4!?

Diagramm

Start einer lang forcierten Variante! Die andere Option wäre 19.Te5 Sc5 20.f3.

19...Dg6 20.Sf7+! Kg8 20...Txf7 21.Dxg6 hxg6 22.Txf7 kostet einfach die Qualität.

21.Lf5 Dxf5 Erzwungen. 21...Dh5 22.g4 Dh4 23.Lg3 Dh3 24.Sg5 Dh6 25.Te5 wäre unspielbar für Schwarz.

22.Dxf5 Sxe7 23.Sh6+! gxh6 24.Dg4+ Sg6 25.Lxh6 Tf7 26.Td1 Schwarz hat genug Material für die Dame, aber die Figuren stehen schlecht, insbesondere der König!

26...Te8 27.h4 Sc5 28.h5 Lc8 29.Dxc4 29.Dg5 bringt wegen 29...Tf5 wenig.

29...Se5 30.Dh4 Sc6 31.Td5 Se6 32.Dc4 Scd8 Auf 32...Se7 ist 33.Da4 sehr unangenehm.

33.Dg4+ Sg7 33...Kh8 hilft auch wenig: 34.Ld2 Sb7 35.h6 nebst Ld2-c3.

34.Dxc8 1-0


Aronian (2807) - Anand (2817)

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 dxc4 5.e4 Lb4 6.Lxc4 Echte Überraschung! Diese Gambitvariante ist eine Rarität.

6...Sxe4 7.0-0 Sf6 8.Da4+ Sc6 9.Lg5N 9...Le7 10.Lxf6! Lxf6 11.d5 exd5 12.Tfe1+ Le6 13.Lxd5 0-0 14.Lxe6 fxe6 15.Tad1 De8 16.Se4 De7 Vielleicht die erste Ungenauigkeit. Das Vereinfachen mit 16...Td8 wäre präziser. Zum Beispiel: 17.Db5 Txd1 18.Txd1 Dc8 und Schwarz stünde sicher.

17.Db3 Tab8 18.Sxf6+ Txf6 19.Sg5 Aronian erhöht den Druck auf e6.

19...Db4 20.Dc2 Tg6? Sieht natürlich aus, ist aber fehlerhaft! Deckung war angesagt: 20...g6 21.Te4 De7 22.Dc4 (22.Db3 Dc5!) 22...Te8 23.Tde1 Sd8.

21.Te4 Da5 Auf 21...De7 22.h4 Td8 folgt 23.Td3! und Schwarz wäre in einem zugzwang-ähnlichen Zustand.

22.h4 Es droht Te4-e6!

22...Te8 Auf 22...Df5 kommt die Antwort 23.g4!

23.Td7 h6 24.b4!? 24.Te2 Txg5 25.hxg5 Dxg5 26.Db3 war die einfache Lösung.

24...Df5? Verliert sofort.

25.Txe6! Nach 25.Txe6!! Dxe6 (25...Dxc2 26.Txe8 matt) 26.Sxe6 Tgxe6 27.b5 Se5 28.Txc7 T6e7 29.Dc5 wäre der weitere Widerstand zwecklos 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog