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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 584 vom 06.02.1998, Kategorie Kolumne

Anand und Kramnik siegen in Wijk aan Zee - Karpow erreicht nur 50% der möglichen Punkte (6. Februar 1998)

Nach fulminantem Start - 4 Punkte aus 4 Partien - schien Wladimir Kramnik der neben Garri Kasparow zweite große Abwesende der KO-Schach-WM in Groningen und Lausanne - dem Feld mit Riesenschritten zu enteilen, bis er in der 5. Runde von Schirow gestoppt wurde und etwas aus dem Rythmus kam, am Ende aber doch den Siegerscheck mit Vizeweltmeister Anand teilte.

Einen völlig mißglückten Start verzeichnete hingegen FIDE-Weltmeister Anatoli Karpow, der mit viel Glück gegen Anand um die dritte Niederlage hinweg kam, dann aber doch noch auf 50% der möglichen Punkte kam.

Die Ehre der Gastgeber rettete Turniersenior Jan Timman, der sich überraschend im Spitzenfeld placieren konnte.

Rg. Name 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Pkt. Wtg.
1 Kramnik * ½ 0 ½ 1 ½ 1 1 1 ½ ½ 1 0 1 53.25
2 Anand ½ * ½ ½ ½ ½ 0 ½ ½ 1 1 1 1 1 50.75
3 Schirow 1 ½ * 1 1 ½ 0 ½ 1 ½ 0 ½ ½ ½ 50.75
4 Timman ½ ½ 0 * 1 ½ ½ ½ ½ ½ 1 ½ ½ 1 46.50
5 Adams 0 ½ 0 0 * ½ ½ ½ ½ 1 1 1 1 1 42.75
6 Karpow ½ ½ ½ ½ ½ * 1 ½ ½ 0 0 ½ ½ 1 41.50
7 Polgar 0 1 1 ½ ½ 0 * 0 ½ ½ ½ ½ ½ 1 41.50
8 Gelfand 0 ½ ½ ½ ½ ½ 1 * ½ ½ 0 1 ½ ½ 41.00
9 Piket 0 ½ 0 ½ ½ ½ ½ ½ * 1 ½ 0 1 1 39.25
10 Topalow ½ 0 ½ ½ 0 1 ½ ½ 0 * 1 ½ 1 ½ 39.25
11 Salow ½ 0 1 0 0 1 ½ 1 ½ 0 * ½ ½ 0 36.00
12 Nijboer 0 0 ½ ½ 0 ½ ½ 0 1 ½ ½ * ½ ½ 5 30.75
13 Van Wely 1 0 ½ ½ 0 ½ ½ ½ 0 0 ½ ½ * 0 31.00
14 Van der Sterren 0 0 ½ 0 0 0 0 ½ 0 ½ 1 ½ 1 * 4 22.75


Die Handschrift der Sieger

Judit kann gegen Wladimir spielen was sie will, stets kommt sie gegen ihn unter die Räder. Die Nr. 2 der Weltrangliste riskierte in der nachstehenden Partie alles um nach Niederlagen gegen Schirow und Van Wely das verlorene Terrain wieder gutzumachen.


Weiß: GM J. Polgar

Schwarz: GM W. Kramnik

Sizilianisch [B33]

Anm. I. Balinov

1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 e5 6. Sdb5 d6 7. Lg5 a6 8. Sa3 b5 9. Sd5 Le7 10. Lxf6 Lxf6 11. c3 0–0 12. Sc2 Lg5 13. a4 bxa4 14. Txa4 a5. Ein Verbesserungsversuch gegenüber der Partie Ljubojevic-Salow, Barcelona 1989, in der Weiß nach 14. ... Lb7 15. Lc4 Sa5 16. La2 Lc6 17. Ta3 Lb5 18. h4 Lh6 19. Sce3 Lxe3 20. Sxe3 Tc8 21. f3 das etwas bessere Spiel erlangte.

15. Lc4 Tb8. Elastischer erscheint 15. ... Ld7!?

16. b3 Kh8 17. 0–0 g6. Nicht bewährt hat sich sofort 17. ... f5, wegen 18. exf5 Lxf5 19. Sce3 Le6 20. Dd3 Dd7 21. Ta2 Df7 22. De4 Db7 23. Td1 Lf6 24. Sb6! und Weiß hatte deutliches Übergewicht, Krasenkow-Kalinitschew, Tiflis 1985.

18. Kh1. In der Partie Lutz-Kramnik, Deutschland 1995, folgte an dieser Stelle 18. De2 Ld7 19. Tfa1 Lh6 20. g3 f5 mit unklaren Verwicklungen.

18. ... Lh6 19. De2 Ld7 20. Taa1 f5 21. exf5 gxf5 22. f4 Lg7 23. Tad1 Se7! 24. Sce3. Im Ausgleichssinne war 24. Sxe7 Dxe7 25. Dd2 Le6 26. Se3 exf4 27. Txf4 Le5 28. Tf3 Lxc4 29. Sxc4 Txb3 30. Sxa5 Tb6 31. Sc4 Dh4 32. Sxe5 dxe5 zu erwägen.

24. ... Sg6! 25. Dh5 De8. Weniger genau war 25. ... exf4 26. Sxf4 Sxf4 27. Txf4 De8 28. Dh3 Dg6 29. Sd5 Le5 30. Tf2 Dg4 (Gut für Weiß war hingegen 30. ... Dg7 31. Ta2) 31. Dxg4 fxg4 und Weiß hat die etwas besseren Chancen.

26. fxe5 Dxe5 27. Le2. 27. Dh3!? pariert Schwarz mit 27. ... Tb7!?. Hingegen verbietet sich 27. ... f4 (Nicht empfehlenswert ist auch 27. ... Tbd8 28. Sb6) wegen 28. Dxd7 fxe3 29. Tfe1 Lh6 30. Dh3 Lg5 31. Sxe3 Dxc3 32. Ld3 Sh4 (Nicht besser ist 32. ... Lxe3 33. Lxg6 Dg7 34. Lxh7.) 33. Sc4 Txb3 34. Sxd6 Tb2 (Oder 34. ... Ld2 35. Dxh4 Dxd3 36. De7 und Weiß gewinnt.) 35. g3 Ld2 36. Dd7 Sg6 37. Te8 und Schwarz steht vor einer unlösbaren Aufgabe.

27. ... f4 28. Sc4 Dxh5 29. Lxh5 Lb5!?. Objektiv besser war 29. ... Txb3 30. Sxa5 (30. Lxg6 sieht nach 30. ... hxg6 31. Sxf4 Kh7 den Nachziehenden aufgrund des Läuferpaars etwas in Vorteil.) 30. ... Tb5 31. Sc4 Le6 32. Scb6 Lxc3 33. Lxg6 hxg6 34. Sc7 Txb6 35. Sxe6 Tf6 36. Sxf4 mit Ausgleich.

30. Lxg6 hxg6 31. Tf3?!. Besser und notwendig war 31. Se7!, obwohl Schwarz nach 31. ... Kh7 (nicht aber 31. ... Tf6? wegen 32. Txf4 ) 32. Txd6 und nun 32. ... Tfe8 33. Sxg6 a4 über das etwas freiere Spiel verfügt hätte.

Hingegen wäre der Sprengungszug 32. ... a4? an dieser Stelle wegen 33. Tf3 Lh6 (33. ... Lxc4 34. Th3+ Lh6 35. Txg6) 34. Th3 Tfd8 35. Sf5 nach hinten losgegangen.

31. ... Le5. Typisch für Kramnik. Schwarz möchte das Läuferpaar am Brett behalten, sonst hätte er wohl 31. ... Lxc4 32. bxc4 g5 33. Se7 g4 34. Txf4 Txf4 35. Sg6+ Kg8 36. Sxf4 Lxc3 den Vorzug eingeräumt.

32. Sxe5 dxe5 33. c4 Lc6 34. Te1 Tfe8 35. g3 g5 36. gxf4 exf4. Nach 36. ... gxf4 37. Th3+ Kg7 38. Tg1+ Kf7 39. Th7+ Kf8 40. Th8+ Kf7 41. Th7+ Ke6! (Nur Ausgleich ergibt 41. ... Kf8 ) 42. Tg6+ Kf5 43. Txc6 Txb3 44. Th5+ Ke4 45. Sf6+ Ke3 46. Sxe8 Kf2 47. Tb6 Txb6 48. h4 scheint das schwarze Freibauernpaar gefährlicher als der im Abseits befindliche Rappe.

37. Txe8+. Zu 37. Ta1 hat Weiß wegen 37. ... a4! 38. bxa4 Te4 39. Kg1 Txc4 40. Td3 Tb2, bzw 39. Tg1 Te5 40. Td3 Tb4 41. Tc1 Txa4 42. Kg1 Ta2, und Schwarz gewinnt, keine Zeit.

37. ... Txe8 38. h4 a4!!.

39. bxa4. Auch 39. hxg5 a3 40. Tf2 Te3 41. Kg1 Txb3 vermag den Tag für Weiß nicht zu retten.

39. ... Te4 40. Kg1 Txc4 41. Td3 g4 42. a5 g3 43. Td1. Oder 43. a6 Tc1+ 44. Kg2 Tc5 und Weiß muß das Handtuch werfen.

43. ... f3 44. Se7 f2+ 45. Kf1 Lb5 46. Kg2 Tc2 und Weiß strich die Segel.

 

Kampf der Kronprinzen

Im Kampf der Kronprinzen überzeugten in Wijk aan Zee lediglich Kramnik und Anand, während der Bulgare Topalow sein Disaster von Groningen noch nicht verdaut hat.

 

Weiß: GM V. Anand

Schwarz: GM W. Topalow

Spanisch [C78]

Anm. I. Balinov

1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. 0–0 b5 6. Lb3 Lc5. Diese Fortsetzung steht derzeit hoch im Kurs.

7. a4 Tb8 8. c3 d6 9. d4 Lb6 10. axb5 axb5 11. h3. 11. Sa3 0–0 12. Sxb5 Lg4 13. Le3 exd4 14. cxd4 Sxe4 15. Ld5 De8 16. h3 Lf5 17. Te1 Sb4 18. Lc4 c6 19. Sa3 d5 20. Lf1 mit etwas besserem Spiel für Weiß, stand in der Drittrundenbegegnung Nijboer-Piket, am Prüfstand.

11. ... 0–0 12. Te1. Geübt wurde in Wijk aan Zee auch 12. Le3 Sa5 13. Lc2 Sc4 14. Lc1 Lb7 15. b3 Sa5 16. Sbd2 Sc6 17. Lb2 Ta8 18. Ld3 b4 19. d5 bxc3 20. Txa8 Lxa8 21. Lxc3 Se7 22. Sc4, ebenfalls mit etwas besserem Spiel für Weiß, 6. Runde, Nijboer-Schirow.

12. ... Te8. In der Schlußrunde setzte Schirow gegen Anand mit 12. ... Lb7 13. Sa3 exd4 14. cxd4 Sa5 15. Lc2 b4 16. Sb1 c5 17. Lg5 h6 18. Lh4 cxd4 und etwa gleichem Spiel fort.

13. Sa3 b4 14. Sc4 bxc3 15. bxc3 exd4 16. Sxb6 Txb6 17. cxd4 Sxe4 18. Lxf7+ Kxf7 19. Txe4 Txe4 20. Sg5+ Kg8 21. Sxe4. Die weißen Figuren wirken harmonischer.

21. ... Lf5. Auch nach 21. ... Tb4 22. Le3 Lb7 steht Weiß etwas freier.

22. Sg5 Se7. Zu erwägen war auch 22. ... h6 23. d5, während 22. ... d5 nach 23. Dh5 Lg6 24. Dg4 günstig für Weiß gewesen wäre.

23. g4! Lg6 24. Se6 Dc8 25. d5 Lf7 26. Sxg7!!.

26. ... Kxg7 27. Dd4+ Kf8. Falls 27. ... Kg8, so entscheidet ebenfalls 28. Lh6.

28. Lh6+ Ke8 29. Te1 und Schwarz streckte wegen 29. ... Kd7 30. Txe7+ Kxe7 31. De4+ Le6 32. Dxh7+ Lf7 33. Lg5+ die Waffen.

ÖM Lothar Karrer