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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 591 vom 20.02.1998, Kategorie Kolumne

Matthew Sadler - der Terminator von Hastings (20. Februar 1998)

Partiennachlese von Hastings

Wie wir Ihnen an dieser Stelle bereits berichteten, ging der Sieg des zur Jahreswende ausgegtragenen ältesten Traditionsturniers der Welt an den englischen GM Matthew Sadler, der damit seiner Favoritenstellung gerecht wurde.


Die Handschrift des Siegers

Weiß: IM E. Relange

Schwarz: GM M. Sadler

Sizilianisch [B99]
Anm. I. Balinov

1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 a6 6. Lg5 e6 7. f4 Le7. Gegen 7....Db6 hat Weiß noch keine Wiederlegung gefunden.

8. Df3 Dc7 9. 0–0–0 Sbd7 10. g4 b5 11. Lxf6 Sxf6 12. g5 Sd7 13. f5 Lxg5+. 13. ... Sc5 führt nach 14. f6 gxf6 15. gxf6 Lf8 16. Tg1 Ld7 17. Tg7! zum Pereny-Angriff mit sehr scharfem Spiel.

14. Kb1 Se5 15. Dh5 Dd8. Oder 15. ... De7 16. Sxe6 (16. fxe6 g6 17. exf7+ Kxf7 18. De2 Lg4 19. Df2+ Df6 20. Dxf6+ Lxf6 21. Le2 Lc8!, mit geringfügig besserem Spiel für Schwarz, Schabalow-Hellers, New-York 1993) 16. ... Lxe6 17. fxe6 g6 18. exf7+ Kxf7 19. De2 Kg7 20. Sd5 Dd8 21. De1 Lh4 22. Dc3 Ta7 23. Da3 Lf2 24. Sf4 Df6 25. Sd5 Dd8 mit unklaren Verwicklungen, Hellers-Howell Groningen 1984.

16. Sxe6. Unergiebig ist hingegen 16. Tg1 Lf6 17. fxe6 0–0 18. Lh3 g6 19. Sd5 Kh8 20. De2 fxe6 21. Lxe6 Ta7 22. Sxf6 Txf6 23. Ld5 Te7 24. h4 Df8 25. a3?! Lg4 26. Txg4 Tf2, mit etwas besseren Chancen für Schwarz, Psakhis-Cvitan, Genf 1992.

16. ... Lxe6 17. fxe6 0–0. Bekannt ist auch 17. ... g6 18. exf7+ Kxf7 19. Dh3 Kg7 20. De6 Sf7 21. h4 Lf6 22. h5?! Dc8? 23. h6+?! (23. Dxc8!) 23. ... Sxh6 24. Dxd6 Sf7 25. Dg3 Lxc3 26. bxc3 Td8, De Firmian-Browne USA 1987.

18. Tg1 Lf6 19. exf7+ Kh8! 20. Sd5. 20. Lh3 führt nach 20. ... g6 21. De2 Txf7 zu kompliziertem Spiel mit Chancen für beide Seiten.

20. ... g6 21. Dh3 Txf7 22. Sf4. Möglich war auch 22. Le2 Lg7 23. Tdf1 Txf1+ 24. Txf1 Da5 25. De6 Dd2 26. Sc3 b4 27. Dd5 Dxd5 28. Sxd5 a5, mit etwa gleichen Chancen.

22. ... Dd7. Zu erwägen war auch 22. ... Da5 23. Sxg6+ (Etwas besser war vermutlich 23. Db3 Lg7 24. Se6 Sf3 25. Dd5 Te8 26. Tg2 Tf6 27. Sxg7 Kxg7) 23. ... Sxg6 24. Txg6 Db4 25. Txf6 Txf6 26. Ld3 Tf7 27. De6 Tg7 28. Df6, mit etwa gleichen Chancen.

23. Db3?!. Richtig war 23. Dxd7 Txd7 24. Lh3 Tf7 25. Le6 Tff8 26. Ld5, mit etwas besserem Spiel für Weiß, nicht aber 26. Txd6? Sf3 27. Tf1 Le5 28. Td5 Txf4 29. Txe5 Sd2+ und Schwarz gewinnt.

23. ... Dc6 24. Lh3 Lg7 25. Tgf1 Taf8 26. Se6 Txf1. 26. ... Tf3 pariert Weiß mit 27. Db4!.

27. Lxf1. Das geringere Übel bestand in 27. Txf1 Txf1+ 28. Lxf1 Dxe4 29. Dc3 h6 30. a3 Dg4 31. Lh3 Dd1+ 32. Ka2 Dd5+ 33. Kb1 Dc6, mit nur wenig besserem Spiel für Schwarz.

27. ... Tf2 28. a4. Bis hierher folgten die beiden Kontrahenten der Partie Oll-Sadler, Koge 1997.

28. ... bxa4!. Die offenbar vorbereitete Verbesserung gegenüber der vorerwähnten Partie, in der der Engländer nach 28. ... b4? 29. h3 h6 30. Sd4 Dc8 31. De6 Db7 32. Dd5 Dc8 33. Dxd6 b3 34. cxb3 Sf3 35. Lc4 Sd2+ 36. Txd2 Txd2 37. e5 nur wenig besser stand. Wenig erfolgversprechend war auch 28. ... dxe4 29. axb5 Sf3 30. bxa6 Sd2+ 31. Txd2 De1+ 32. Ka2 Dxd2 33. a7 und Schwarz kann nicht gewinnen.

29. Db8+ Lf8 30. Sxf8?. Mit dem Textzug kommt Weiß vom Regen in die Traufe, doch selbst nach dem besseren 30. Tc1 Kg8 stand der schwarze Vorteil außer Zweifel.

30. ... Dxc2+ 31. Ka2 Sc6!. Selbstredend verbietet sich 31. ... Dxd1?? 32. Se6+ wegen 32. ... Tf8 33. Dxf8 matt.

32. Sxg6+ Kg7 33. Dc7+ Tf7 34. Db6. Nicht besser ist 34. Dxd6 Txf1!! 35. Txf1 Dc4+ und nun hilft weder 36. b3 Sb4+ 37. Dxb4 Dxb4, noch 36. Kb1 Dxf1+ 37. Kc2 Dc4+ 38. Kd2 hxg6.

34. ... a5!? und Weiß gab auf.

 

Weiß: GM E. Rozentalis

Schwarz: GM M. Sadler

Sizilianisch [B22]

Anm. I. Balinov

1. e4 c5 2. c3. Eine Spezialität des litauischen Großmeisters!

2. ... Sf6 3. e5 Sd5 4. d4 cxd4 5. cxd4. Die Hauptvariante fährt mit 5.Sf3 fort.

5. ... d6 6. Lc4 Sb6 7. Lb5+. 7. Lb3 führt nach 7. ... dxe5 8. Dh5 e6 9. Dxe5 Sc6 10. Sc3 g6 11. Dg5 Dxg5 12. Lxg5 Lg7 zu unklaren Verwicklungen.

7. ... Sc6. Etwas günstiger für Schwarz ist 7. ... Ld7 8. e6 Lxb5 9. Dh5 Dc8 10. Dxb5+ Kd8 (Etwas weniger genau ist 10. ... Dc6 11. exf7+ Kd8 12. Sc3 Dxb5 13. Sxb5 Kd7 14. Sf3 Sc6 15. Le3 e6 16. 0–0 Le7 17. Tfe1 Thf8 18. Te2 Txf7 19. Tae1 Sd5 20. Sc3 Tf5 und Schwarz muß sich um den Ausgleich noch bemühen, Rozentalis-Arbakow, UdSSR 1987.) 11. Le3 Dxe6 12. d5 Dd7 13. Lxb6+ axb6 14. Dxb6+ Dc7 15. De3 Dc5 16. Dd2 g6 17. Se2 Lg7 18. 0–0 Sa6 19. Sbc3 h5! 20. a3 Sc7 21. Dd3 h4 22. b4 Db6 23. h3 Th5 24. a4 Dxb4 25. Tab1 Da5, Rozentalis-Asejew, Klajpeda 1988.

8. Sc3. Ungefährlich für Schwarz ist 8. d5 a6 9. Lxc6+ bxc6 10. Dxc6 dxe5 11. Dxd8+ Kxd8 12. Sf3 f6 13. Le3 Kc7 14. 0–0 Kxc6 15. Sbd2 Sd5 16. Sb3 Lg4 17. Tac1+ Kd7 18. Sc5+ Ke8 19. Sd2 e6.

8. ... dxe5 9. d5 a6 10. La4 Sxa4 11. Dxa4 b5 12. Sxb5 Ld7 13. Sc3 Sd4 14. Dd1 Lf5. Ein neuer Zug, mit der Idee, das schwarze Spiel gegenüber der Partie Rozentalis-Tukmakow, Lwow 1990, in der sich das Spiel nach 14. ... g6 15. Sge2 Lg7 im Gleichgewicht befand, zu verbessern.

15. Kf1. Auch nach 15. Da4+ Dd7 16. Dxd7+ Lxd7 17. Kd1 e6, oder 15. ... Ld7 16. Dd1 Lf5, hat Schwarz das etwas freiere Spiel.

15. ... g6. Keinen Vorteil verspricht auch 15. ... Sc2 16. Tb1 Sd4 17. Ta1.

16. Sge2. Möglich war auch 16. Le3 Lg7 17. Sge2 Db6 18. Da4+ Ld7 19. Da3 Tb8 20. b3.

16. ... Lg7 17. Sg3?!. Besser war 17. Le3!?.

17. ... Lc2! 18. Dd2. Auch nach 18. Dg4 f5 19. Dg5 0–0 hat Schwarz das etwas bequemere Spiel.

18. ... e4!? 19. Sgxe4 Lxe4 20. Sxe4 Dxd5 21. Dd3. Nicht aber 21. Sc3? wegen 21. ... Dc4+ 22. Kg1 Td8 und Schwarz gewinnt rasch.

21. ... 0–0 22. h4 Tfd8 23. Th3 Tac8 24. Sc3. Erzwungen, denn auf 24. Te3 folgt entscheidend 24. ... Sc2.

24. ... De6 25. Tb1. Oder 25. Te3 Dc6 26. De4 Dxe4 27. Txe4 Sc2 28. Tb1 Lxc3 29. bxc3 Td1+ 30. Ke2 Te1+ 31. Kf3 Txc3+ 32. Kf4 f5 33. Txe1 Sxe1 und Schwarz gewinnt.

25. ... Sb5!. Entscheidend!

26. Dc2 Lxc3 27. bxc3 Txc3! und Weiß streckte wegen 28. Txc3 Sxc3 29. Le3 Sxb1 die Waffen.


Super-GM-Turnier in Linares:

Sieben der Top-Ten am Start

Die heurige Auflage des Super-GM-Turniers von Linares (21.2.-9.3.; Spielfreie Tage sind der 27.2. und 5.3.) wird als doppelrundiges Turnier der FIDE-Kategorie 21 (!) mit einem Eloschnitt von 2752 zur Austragung gelangen. Eingeladen sind sieben der besten acht Spieler der Welt. Von einer Einladung Karpows haben die Veranstalter abgesehen, weil der alte und neue FIDE-Weltmeister im Vorjahr eine Einladung mit der Begründung ausgeschlagen hatte, daß er wegen der russischen Parlamentswahlen unabkömmlich wäre.

Das Teilnehmerfeld:

GM G. Kasparow RUS 2825
GM W. Kramnik RUS 2790
GM V. Anand IND 2770
GM V. Iwantschuk UKR 2740
GM W. Topalow BUL 2740
GM A. Schirow ESP 2710
GM P. Swidler RUS 2690

ÖM Lothar Karrer