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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5933 vom 23.03.2012, Kategorie Kolumne

GM Fridman wird deutscher Meister!

Zum zweiten Mal, nach 2008, wurde GM Daniel Fridman deutscher Meister. Er gewann das relativ schwach besetzte Turnier vom 2. bis 10. März in Osterburg locker mit 7,5 Punkten aus 9 Partien. Sein einziger echter Herausforderer GM Khenkin wurde Zweiter mit 7 Punkten und einem ganzen Punkt Vorsprung auf die Verfolgergruppe. Entschieden wurde der Titel in der Schlussrunde. Während GM Khenkin sich schnell mit Schwarz auf Remis einigte, versuchte GM Fridman mit Weiß gekonnt (unsere heutige Partie) und ohne viel Risiko einen kleinen Vorteil herauszuspielen und diesen dann in weiterer Folge langsam auszubauen. In der Regel funktioniert so eine Strategie gegen schwächere Gegner recht gut. Die folgende Partie ist da keine Ausnahme:

Fridman (2653) - Jorczik (2391)

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.g3 Lg7 4.Lg2 0–0 5.Sc3 d6 6.Sf3 Sbd7 7.0–0 e5 8.e4 c6 9.h3 Te8 Die andere wichtige Variante fängt mit 9...Db6 an.

10.Te1 a5 11.b3 Die Alternativen sind: 11.Le3 und 11.Tb1.

11...Db6?! Schwarz ist mit der Stellung nicht vertraut! GM Fridman nutzt dies sofort aus!

12.Sa4 Dd8?! Warum nicht 12...Dc7?

13.dxe5! Sxe5 14.Sxe5 dxe5 15.c5! Nun ist a5 chronisch schwach. Und der Punkt d6 natürlich auch. Die präzisere Reihenfolge war vielleicht: 15.Dxd8 Txd8 16.Lb2 Sd7 17.c5 und der Läufer bleibt noch auf c8.

15...Le6 16.Sb6 Dxd1 17.Txd1 Tad8 18.Ld2 Auf 18.Lg5 folgt 18...Td4.

18...Lf8 19.Sa4 Ta8 20.Le3 Tad8 21.Ld2 Zeitgewinn durch Zugwiederholung. Im digitalen Zeitalter werden für jeden Zug Bonussekunden gutgeschrieben.

21...Ta8 22.Tac1 Sd7 22...Ted8 bzw. 22...Le7 23.Lc3 Sd7 ändern die Situation nicht wesentlich.

23.Le3 Le7 24.Lf1 Tad8 24...Ted8 könnte genauer sein.

25.Kg2 f6 Jetzt wäre es an der Zeit mittels 25...f5!? für ein bisschen Gegenspiel zu sorgen. Immerhin steht der weiße Springer leicht im Abseits!

26.Ld2 Ta8 27.f4 Die a5-Schwäche alleine reicht nicht aus um die Partie zu gewinnen. Weiß eröffnet eine zweite Front im Zentrum.

27...Kf7 Die d-Linie hätte Priorität: 27...Ted8.

28.Lc4 Lxc4 Auch hier wäre 28...Ted8 besser.

29.Txc4 Ke6?

Diagramm

Schwarz verschläft auch die kommende Taktik. Richtig war 29...exf4 30.gxf4 (30.Lxf4 Se5 31.Tcd4 Tad8 32.Lxe5 fxe5 33.Txd8 Txd8 34.Txd8 Lxd8) 30...Sf8 31.Le3 Tad8 32.Tcd4 Txd4 33.Txd4 f5 34.e5 Ke6 und Schwarz hat in beiden Varianten gute Remischancen.

30.Lxa5 Txa5? Schwach gespielt. Zuerst sollte getauscht werden: 30...exf4 31.gxf4 und dann 31...Txa5.

31.f5+ gxf5 32.exf5+ Kxf5 33.Txd7 Ke6 Beachtung verdient 33...Ta7 34.Tb4 Ke6 35.Tbxb7 Txb7 36.Txb7 f5.

34.Txb7 Td8 35.Tc2 Td5 Interessant war 35...h5 und auf 36.Tc7 Ta6 37.Sb6 Lxc5 38.Txc6+ Td6 39.T6xc5 Taxb6.

36.Tc7 Lxc5 37.Txc6+ Ld6 38.g4 Weiß hätte die Partie mit 38.Sc3 Td3 39.b4 Ta8 40.Sb5 Ke7 41.Sxd6 Txd6 42.Tc7+ Ke6 43.b5 forcieren und langsam die Freibauern in Bewegung setzen können.

38...e4? Schwarz ist plötzlich aus der Statistenrolle erwacht und sucht Gegenspiel! Leider der falsche Bauer. So liefert er nur noch ein weiteres Angriffsziel. Besser war 38...f5.

39.Sc3 Td4 40.Se2 Der andere Gewinnweg wäre 40.a4 Te5 41.Sb5 Td3 42.Tb6 Kd7 43.Tb7+ Ke6 44.Tc6 e3 45.Sxd6 Txd6 (45...e2 46.Sf5+ Kd5 47.Td6+ Kc5 48.Tb5 matt) 46.Txd6+ Kxd6 47.Kf1.

40...Td1 41.Sc3 Td4 42.Se2 Td1 43.Sg3 Kd5 43...Td4 wäre besser, aber nach 44.Sf5 Td3 45.Tf2 Tad5 46.Tc4 Te5 47.Te2 Kd5 48.Ta4 wären die Probleme für Schwarz kaum zu lösen.

44.Sf5 Lf4 Einleitung zum Selbstmatt! Auf 44...Ke6 folgt 45.Tf2! mit Materialgewinn.

45.b4! Die Partie gehört zur Kategorie: Einer spielt, der andere sieht zu! Tb5 46.a4 Txb4 47.T2c5 matt. 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog