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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 5952 vom 27.04.2012, Kategorie Kolumne

Siebenter Titel für OSG Baden-Baden

Am Wochenende (14. und 15. April) ging die deutsche Bundesliga zu Ende. Zum siebenten Mal in Folge (!) gewann die Super-Truppe (Anand, Shirov, Svidler, Adams und Co) aus Baden-Baden den Meistertitel! Zweiter blieb der einzige ernstzunehmende Konkurrent Werder Bremen. SG Solingen wurde, dank auch einer starken Leistung von Markus Ragger am Spitzenbrett, Dritter. Er trug 8,5 Punkte aus 15 Partien bei, mit einer Eloperformance von 2709. Der andere österreichische Legionär Martin Neubauer spielte im Bereich der GM-Norm (5 aus 10) und wurde mit Hockenheim Achter. Entscheidend für die verpasste GM-Norm war seine unglückliche Niederlage gegen GM Schmittdiel in der 14. Runde.

Ragger (2655) - Vachier-Lagrave (2715)

1.Sf3 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.g3 Lg7 6.Lg2 0–0 7.0–0 Sc6 8.d4 Lf5 Das ist eine relativ neue, wenig erforschte Fortsetzung. 8...Sb6 ist die übliche Antwort.

9.Te1 Dd7 10.Sa4N Eine vorbereitete Neuerung von Markus.

10...Lg4 11.Sc5 Dc8

Diagramm

12.Sg5! Nach 12.Db3 Td8 13.Dxb7 Sxd4 14.Sxd4 Lxd4 15.Lxd5 Tb8 16.Dxc8 Lxc8 17.Sb3 Txd5 18.Sxd4 Txd4 19.b3 verfügt Weiß über minimalen Vorteil.

12...Td8? Nach diesem natürlichen Zug wird die schwarze Lage kritisch. Notwendig war 12...Sb6. Zum Beispiel: 13.h3 Lxd4 (13...Lf5 14.g4 Ld7 15.e3 mit Raumvorteil für Weiß.) 14.Sxb7 Ld7 15.e3 Lf6 16.Sc5 Lxg5 17.Sxd7 Dxd7 18.Dxd7 Sxd7 19.Lxc6 Tad8 20.f4 Lf6 21.e4 Ld4+ 22.Kg2 Sc5 23.Td1 Td6 24.Ld5 e5 25.fxe5 Lxe5 26.Le3 Sa4 27.Lb3 Sxb2 28.Txd6 cxd6 29.Lxa7 Sa4 30.Tc1 Sc3 31.Kf3 mit leicht besserem Endspiel für Weiß.

13.h3 Lh5?! Das kleinere Übel war vielleicht 13...Lxd4 und nach 14.hxg4 Lxc5 15.Lxd5 e6 16.e4 (16.Dc2 wäre nicht so klar: 16...Txd5 17.e4 Te5 18.Lf4 Le7 19.Lxe5 Sxe5 20.f4 Sxg4 21.Tad1 c5 und die Stellung ist schwer einzuschätzen.) 16...exd5 17.exd5 Sb4 18.Se4 Le7 19.Sc3 Lf6 (19...Dd7 20.a3 Sa6 21.Lh6) 20.Df3 Lg7 21.Te7 Tf8 22.Lf4 Dd8 23.d6 cxd6 24.Txb7 Tb8 25.Td1 Txb7 26.Dxb7 mit klarer Überlegenheit für die weißen Steine.

14.g4 Lxd4? GM Vachier-Lagrave verwechselte die Reihenfolge. Richtig war zuerst 14...Lxg4 15.hxg4 und dann 15...Lxd4. Zum Beispiel: 16.Db3 (16.e4 ist auch eine Option: 16...Sf6 17.Sd3 Lxf2+ 18.Kxf2 Sxg4+ 19.Kg1 Sce5 20.Lf1 Sxd3 21.Lxd3 Se5 22.Te3 Dd7 23.Sxf7 Sxf7 und Weiß muss immer noch aufpassen.) 16...Lxc5 17.Lxd5 Dxg4+ 18.Kf1 Dh4 19.Lxf7+ Kh8 20.Dg3 Dxg3 21.fxg3 Lb4 22.Lb3 Tf8+ 23.Sf3 e5 24.Ld5 Lxe1 25.Kxe1 und in diesem Endspiel ist das Läuferpaar stärker als der Turm und die zwei Bauern. Der Partieausgang wäre aber noch offen.

15.Db3! Lxc5 15...Sa5 16.Df3 Sf6 17.Sb3 kostet auch eine Figur.

16.Lxd5 Lxg4 17.Sxf7 17.Lxc6 gewinnt auch: 17...Df5 18.Dg3 Lh5 19.Lxb7 Tab8 20.Lf3.

17...Sd4 17...Txd5 18.Dxd5 Lxf2+ 19.Kxf2 Le6 20.Sh6+ Kg7 21.Dd3 mit einem ganzen Turm mehr.

18.Sxd8+ Kg7 19.Dg3 Df5 19...Dxd8 20.De5+ Kf8 21.Dh8 matt.

20.Se6+ Sxe6 21.Lxe6 Dxe6 22.hxg4 Tf8 23.Le3 1–0


Adams (2733) - Neubauer (2431)

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.d3 Es ist verständlich, dass ein Spieler mit so einem Elo-Übergewicht nicht unbedingt in die Hauptvariante der Berliner-Mauer geht 4.0–0 Sxe4 5.d4 Sd6 6.Lxc6 dxc6 7.dxe5 Sf5 8.Dxd8+ Kxd8 und die Damen tauscht.

4...Lc5 5.Lxc6 dxc6 6.Sbd2 0–0 Mit dieser Variante entschied praktisch GM Adams die deutsche Meisterschaft! Im direkten Duell gegen Werder Bremen erzielte er diesen so wichtigen Punkt: 6...Lg4 7.h3 Lxf3 8.Dxf3 Sd7 9.Dg3 Df6 10.Sc4 0–0 11.0–0 Tfe8 12.a4 Sf8 13.Lg5 De6 14.Ld2 Sg6 15.b4 Lf8 16.Dg4 b6 17.g3 f6 18.Lc3 Ld6 19.Se3 Kh8 20.Kg2 a6 21.Df3 Se7 22.h4 b5 23.Tfb1 Dd7 24.h5 h6 25.Dg4 Dxg4 26.Sxg4 Sc8 27.Ld2 Sb6 28.a5 Sd7 29.c4 c5 30.cxb5 axb5 31.bxc5 Sxc5 32.Txb5 Sxd3 33.Ta4 Ta6 34.Tc4 und den deutlichen Vorteil verwertete Adams langsam aber sicher, 1-0, Adams (2733) - Fressinet (2696).

7.0-0 Sd7 8.Sc4 Te8 9.Ld2 Weiß probierte auch 9.Le3, aber das ändert nicht viel an der Stellungsbewertung: Gleichgewicht.

9...f6 10.a4 10...Sf8 11.b4N Neuerung.

11...Ld6 12.h3 Le6 13.Sa5 Tb8 14.b5 c5 15.Le3 Dd7 16.Sd2 a6?! Sicherer war 16...Lf7 nebst Sf8-e6.

17.bxa6 b6 18.Sab3 Richtig war 18.Sb7! und nach 18...Ta8 19.a5 Txa6 20.axb6 Txa1 21.Dxa1 cxb6 22.Sxd6 Dxd6 23.Da6 Dc6 24.Ta1 übt Weiß schon einen gewissen Druck aus.

18...Ta8 19.a5 Txa6 20.axb6 Txa1 21.Dxa1 cxb6 Nun steht der weiße Springer auf b3 ohne Perspektive.

22.Tb1 Dc6 23.Db2 Ta8 24.Sc1 Sd7 25.c4 Lc7 26.Se2 Dd6 26...f5!? verdient Beachtung.

27.Dc2

Diagramm

27...Sb8! Richtung b4 und d4.

28.Sc3 Sc6 29.Sd5 Ta3 30.Sb3 f5 31.f3 Lxd5 31...Sb4 forciert das Geschehen: 32.Sxb4 cxb4 33.c5 bxc5 34.Lxc5 Dc6 35.d4 fxe4 36.fxe4 Lxb3 37.Txb3 exd4 38.Txa3 bxa3 39.Dc4+ Kh8 40.Df7 h6 41.Lxa3 mit Ausgleich.

32.cxd5 Sd4 33.Dd1 b5 34.Lc1 Ta2 35.Tb2 Ta3 36.Tb1 Weiß steht bereits schlechter und wurschtelt sich mit einem Remisangebot durch! Schade, dass Martin zu wenig Mut hatte, um mit 36.Tb1 Ta2 37.Tb2 Ta8 weiter auf Gewinn zu spielen. Trotzdem eine starke Vorstellung von ihm! Remis

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog