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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 598 vom 06.03.1998, Kategorie Kolumne

Linares: Schirow bei Halbzeit in Front (6. März 1998)

Nicht PCA-Weltmeister Garri Kasparow, noch einer seiner Kronprinzen Wladimir Kramnik, Visnawathan Anand oder Weselin Topalow gaben beim Super-GM-Turnier in Linares bislang den Ton an, sondern der Wahlspanier Alexei Schirow hatte bei Halbzeit die Nase vorn.

3. Runde: 23.2.98

Schirow - Topalow 1-0
Swidler - Iwantschuk 1-0
Kasparow - Anand 1-0
Kramnik - spielfrei  

4. Runde: 24.2.98

Iwantschuk - Kasparow remis
Topalow - Swidler remis
Kramnik - Schirow remis
Topalow - spielfrei  

5. Runde: 25.2.98

Swidler - Kramnik remis
Kasparow - Topalow remis
Anand - Iwantschuk remis
Schirow - spielfrei  

6. Runde: 26.2.98

Topalow - Anand remis
Kramnik - Kasparow remis
Schirow - Swidler 1-0
Iwantschuk - spielfrei  

7. Runde: 28.2.98

Kasparow - Schirow remis
Anand - Kramnik remis
Iwantschuk - Topalow 0-1
Swidler - spielfrei  


Halbzeitstand

Bei Halbzeit des doppelrundig gespielten Turniers liegt überraschend der Wahlspanier Alexei Schirow an der Spitze

Rg Tit. Name ELO 1 2 3 4 5 6 7 Pkte
1 GM A. Schirow 2710     ½   0   ½   1   1   1   4
2 GM G. Kasparow 2825 ½       1   ½   ½   ½   ½  
3 GM A. Anand 2770 1   0       ½   1   ½   ½  
4 GM W. Kramnik 2790 ½   ½   ½       ½   1   ½  
5 GM P. Swidler 2690 0   ½   0   ½       ½   1  
6 GM W. Topalow 2740 0   ½   ½   0   ½       1  
7 GM W. Iwanchuk 2740 0   ½   ½   ½   0   0      


Kasparow zähmt Vizeweltmeister

In einem recht modernen Abspiel der Caro-Kann-Verteidigung versuchte der indische Vizeweltmeister den PCA-Weltmeister mit einer Neuerung im 11. Zug zu überraschen, was jedoch gründlich mißlang ...

Weiß: GM G. Kasparow

Schwarz: GM V. Anand

Caro-Kann [B17]

An. I. Balinov

1. e4 c6. Eine Erweiterung im Eröffnungsrepertoire des Inders.

2. d4 d5 3. Sd2 dxe4 4. Sxe4 Sd7. Als Hautpfortsetzung gilt 4. ... Lf5.

5. Sg5. Um den Textzug, der dem Nachziehenden noch die größten Probleme bereitet, hat sich vor allem John Nunn verdient gemacht. Zuvor spielte man hier ausschließlich 5. Sf3 und 5. Lc4.

5. ... Sgf6 6. Ld3 e6 7. S1f3 Ld6. Ein Bock wäre 7. ... h6?, was spätestens seit der Begegnung Deep Blue gegen Kasparow, 1997, in der der PCA-Weltmeister nach 8. Sxe6 De7 9. 0–0 fxe6 10. Lg6+ Kd8 11. Lf4 b5 12. Te1 Lb7 13. a4 Sd5 14. Lg3 Kc8 15. axb5 cxb5 16. Dd3 Lc6 17. Lf5 exf5 18. Txe7 Lxe7 19. c4 die Segel streichen mußte, hinlänglich bekannt ist.

8. De2 h6 9. Se4 Sxe4 10. Dxe4 Dc7. Möglich ist auch 10. ... Sf6 oder - wie von Karpow bevorzugt - 10. ... c5.

11. Dg4 Tg8?. Eine Neuerung, die sich jedoch nicht bewährt. Als Standardfortsetzung gilt hier 11. ... Kf8, der sich der Inder auch in der 6. Runde gegen den Bulgaren Topalow bediente. Es folgte dort 12. 0–0 c5 13. Te1 b6 14. c3 Lb7 15. h4 Te8 16. h5 Ld5 17. Ld2 Td8 18. Te2, mit etwa gleichen Chancen.

12. Sd2. Der Springer strebt nach c4 ,wo er den Ld6 entweder tauschen oder vertreiben will. 12. Lxh6? verbietet sich wegen 12. ... Sf6 13. Dh4 Th8 und Schwarz gewinnt.

12. ... Sf6 13. Df3. Mit 13. De2!? konnte der Anziehende den folgenden Befreiungsstoß hintanhalten.

13. ... e5. Unbequem für Schwarz war 13. ... b6 14. Sc4 Le7 15. Lf4.

14. dxe5 Lxe5 15. Sc4 Le6 16. Ld2 0–0–0. Unbequem für Schwarz ist 16. ... Lxc4 17. Lxc4 Lxb2 18. De3+ (18. De2+? verbietet sich wegen 18. ... Kf8) 18. ... De5 19. Tb1 Dxe3+ 20. fxe3 b5 21. Txb2 (21. Lxb5 cxb5 22. Txb2 a6 23. a4 bxa4 24. Tb7) 21. ... bxc4 22. Tb7.

17. 0–0–0 Sd7. 17. ... Lg4 pariert Weiß vorteilhaft mit 18. Lf5+.

18. The1 Tge8 19. Kb1 g5 20. h4 Lf4. Gut für Weiß ist 20. ... g4 21. De3.

21. Lxf4 gxf4. Fatal wäre 21. ... Dxf4 wegen 22. Dxf4 gxf4 23. Sd6+ und Schwarz verbleibt kompensationslos mit einer Minusqualität.

22. Lf5! Sf8. 22. ... Lxf5?! verliert nach 23. Txe8 Txe8 24. Sd6+ abermals die Qualität.

23. Dh5 Kb8 24. Lxe6 Sxe6. Nicht besser ist 24. ... Txd1+ 25. Txd1 Txe6 26. a4.

25. a4. 25. Dxh6 räumt Schwarz nach 25. ... b5 26. Sd2 Tg8 27. Tg1 Td5 Gegenspiel ein.

25. ... De7. Keine Entlastung verspräche 25. ... Txd1+ 26. Txd1 Tg8 27. Se5 Txg2 28. Td7 Dc8 29. Dxf7 Sc5 30. Te7.

26. De5+ Dc7. Auf 26. ... Ka8 folgt unangenehm 27. Sd6 Tg8 28. Sf5.

27. Dh5 De7 28. b3 Df6. Auch nach 28. ... Txd1+ 29. Txd1 Tg8 30. Se5 Txg2 31. Dxh6 De8 32. f3 ist das weiße Spiel vorzuziehen.

29. Se5 Te7. Oder 29. ... Txd1+ 30. Txd1 Sf8 31. Sxf7 Dg6 32. Dxg6 Sxg6 33. h5 Sh4 34. Sxh6 Sxg2 35. Sg4 und Weiß gewinnt.

30. Sg4 Txd1+ 31. Txd1 Dg7. Rasch verliert 31. ... Dg6 32. De5+ Tc7 33. Sf6 Dg7 34. Dxc7+ Kxc7 (34. ... Sxc7 35. Td8 matt) 35. Se8+.

32. f3. 32. Sxh6? Dh8 33. Da5 b6 34. Dh5 Sc7 35. Dg5 Sd5

32. ... Te8. Auf 32. ... Dc3 folgt 33. Dxh6 f5 34. Df6 mit Gewinn.

33. Df5. Ebenso gewann 33. Dxh6 Th8 34. Dxg7 Sxg7 35. Td7 Txh4 36. Txf7 Th1+ 37. Kb2 Se6 38. Tf6 usw.

33. ... Ka8 34. h5 Tf8 35. Td7 und Schwarz gab auf, denn nach 35. ... Dg5 36. Dxg5 hxg5 37. Sf6 ist der h-Bauer nicht zu stoppen.


Wahlspanier Schirow überraschend in Führung

Der gebürtige Lette und nunmehrige Spanier Alexei Schirow lag bei Halbzeit in Führung, wurde dann allerdings - und dies sei vorweggenommen - in der 10. Runde von Iwantschuk mit den schwarzen Steinen gestoppt.

In der nachfolgenden Partie zeigt er sich jedoch von seiner besten Seite und läßt dem regierenden russischen Landesmeister keine Chance ...

Weiß: GM A. Schirow

Schwarz: GM P. Swidler

Sizilianisch [B90]

Anm. I. Balinov

1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 a6 6. Le3 e5. Etwa gleichwertig zum Text ist 6. ... Sg4 7. Lg5 h6 8. Lh4 g5.

7. Sb3 Le6 8. Dd2 Sbd7 9. f3 h5. Nicht bewährt hat sich sowohl 9. ... b5 10. a4 b4 11. Sd5 Lxd5 12. exd5 Sb6 13. Lxb6 Dxb6 14. a5 Db7 15. Lc4 Le7 16. Ta4 Tb8 17. Sc1 Ld8 18. b3 Sd7 19. Sd3 Sc5 20. Sxc5 dxc5 21. Dd3 0–0 22. Lxa6 Dd7 23. d6, Z.Almasi-Oll, Pula 1997, als auch 9. ... Le7 10. g4 h6 11. 0–0–0 b5 12. Kb1 Sb6 13. h4 (13. Df2 Tb8 14. Sc5 b4 15. Se2 Sc4 16. Sxe6 fxe6 17. Sg3 Sxe3 18. Dxe3 Sd7 19. Lxa6 Schirow-Gelfand, Belgrad 1997.) 13. ... b4 14. Lxb6 Dxb6 15. Sd5 Lxd5 16. exd5 a5 Schirow-Kasparow Tilburg 1997, jeweils mit Vorteil für Weiß.

10. 0–0–0 Tc8. Ljubojevic versuchte gegen Schirow, Belgrad 1997, 10. ... Dc7, hatte aber nach 11. Sd5 Lxd5 12. exd5 Sb6 13. Da5 Tc8 14. c3 Sc4 15. Lxc4 Dxc4 16. The1 Le7 17. Lg5 0–0 18. Lxf6 Df4+ 19. Sd2 Dxf6 20. Db6 ebenfalls mit Problemen zu kämpfen.

11. Kb1 Le7 12. Sd5 Lxd5. 12. ... Sxd5 gab dem Anziehenden in Kovacevic-Gelfand, Belgrad 1997, nach 13. exd5 Lf5 14. Ld3 Lxd3 15. Dxd3 Lg5 16. The1 0–0 17. g3 Lxe3 18. Dxe3 Dc7 19. c3 Sb6 20. Dg5 bequemes Spiel, doch setzte sich schlußendlich der Weißrusse doch noch erwartungsgemäß durch.

13. exd5 Sb6 14. Lxb6. Zu erwägen war auch 14. Da5 Dc7 15. c3 Sc4 16. Lxc4 Dxc4 17. Lg5 b6 18. Da3 (18. Dxb6 überließe Schwarz nach 18. ... Sxd5 19. Txd5 Dxd5 20. Lxe7 Kxe7 spürbaren Vorteil.) 18. ... Sxd5 19. Lxe7 Kxe7 20. The1 mit interessanten Verwicklungen.

14. ... Dxb6 15. g3 0–0 16. Lh3 Ta8. 16. ... Tc4!? 17. De2 Dc7.

17. The1 a5. In Frage kam auch 17. ... Tfe8!?, mit Idee Le7-f8,g7-g6,Lf8-g7.

18. a4 Dc7 19. Lf1. Unterbindet b7-b5 mit schwarzem Angriff.

19. ... Tfc8 20. Lb5 Lf8 21. f4. Der Punkt "e5" läßt sich nun nicht länger verteidigen. Zudem drohte auch f4-f5 und - nach Vorbereitung - h2-h3, Dd2-g2 und g3-g4.

21. ... exf4. Falls 21. ... e4 so 22. h3 und nach Vorbereitung g3-g4.

22. gxf4 Db6. Auf 22. ... g6 folgt sehr stark 23. f5!.

23. Te2. Überdeckt nicht nur den Punkt "c2" und die zweite Reihe sondern trifft auch Vorbereitung für eine etwaige Turmverdopplung in der e-Linie.

23. ... Se8 24. f5 Sc7 25. f6 g6 26. Ld7 Td8.

Diagramm (18kb)

27. Le6 Te8. 27. ... fxe6 scheitert an 28. Dg5 Kf7 29. Tg2 exd5 30. Te1.

28. Dg5! Schwarz streckte wegen Kh7 29. Lxf7 Txe2 30. Dxg6+ Kh8 31. Dg8 matt die Waffen.

ÖM Lothar Karrer