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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6019 vom 24.08.2012, Kategorie Kolumne

Hao Wang gewinnt in Biel

Bei der heurigen Auflage des starken Großmeisterturniers in Biel kam es zu einigen personellen Rochaden. Zuerst wurde der Kubanische GM Leinier Dominguez von den Veranstaltern durch Magnus Carlsen ersetzt. Der zweite Wechsel war aber weniger erfreulich. Nach zwei Niederlagen musste Alexander Morozevich wegen gesundheitlicher Probleme das Turnier abbrechen. Für ihn sprang Viktor Bologan ein, und er setzte leider die negative Serie seines Vorgängers fort. Einem kam die Fußballregel (3 Punkte für einen Sieg, 1 für Remis, 0 für Verlust) sehr entgegen: Dem jungen Chinesen Wang Hao! Er spielte aggressiv und risikofreudig, was mit 6 Siegen und einem Remis bei nur 3 Niederlagen belohnt wurde. Damit gewann er das Turnier. Magnus Carlsen, der ihn zweimal bezwang, wurde nur Zweiter.

Wang (2739) - Nakamura (2778)

1.e4 Früher wurden die Spieler ganz allgemein in zwei Gruppen eingeteilt: Die Gruppe der d4-Spieler und die der e4-Spieler. Im Profischach ist eine solche Kategorisierung obsolet. Ein Großmeister ist vielseitig und eröffnet mit d4, e4 oder auch mit c4!

1...c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lg5 e6 7.f4 b5 Die rar gewordene Polugaewski-Variante. Aber Nakamura ist bekannt für Überraschungen. Verbreiteter sind die Varianten mit: 7...Le7 und 7...Db6.

8.e5 dxe5 9.fxe5 Dc7 10.exf6 Die Alternative ist 10.De2.

10...De5+ 11.Le2 Dxg5 12.0–0 Ta7! 13.Dd3 Td7 14.Se4 De5 15.Sf3 Dc7 16.De3 Lb7 17.Sfg5 h6 18.Dh3 18.Sxf7 forciert nur Remis: 18...Kxf7 (18...Txf7? 19.Lh5) 19.Sg5+ hxg5 20.fxg7+ Kxg7 21.Dxg5+ Kh7 22.Ld3+ (22.Dh5+ Kg8 23.Txf8+ Kxf8 24.Dxh8+ Ke7) 22...Txd3 23.Dh5+ Kg7 (23...Kg8? 24.Txf8+ Kxf8 25.Dxh8+ Ke7 26.Dg7+ Kd8 27.Dxc7+ Kxc7 28.cxd3) 24.Dg5+ Kh7 25.Dh5+ mit Dauerschach.

18...g6 Beachtung verdient 18...De5!? Zum Beispiel: 19.Ld3 Tg8 20.Tae1 hxg5 21.Dh7 Lxe4 22.Txe4 Dxb2 23.Dxg8 gxf6.

19.Ld3 19.Sxf7 Db6+ 20.Kh1 Txf7 21.Sg5 hxg5 22.Dxh8 Sd7 23.Tae1 !? ist unklar.

19...Sc6 20.Kh1 Genau so unklar ist 20.Sxf7 Kxf7 21.Sg5+ hxg5 22.Dxh8 Se5 23.Tae1.

20...Se5 21.Tae1 Lb4 22.Te3 Ld5 Die Alternative war 22...Sxd3 23.cxd3 Ld5.

23.Le2 Sc4 23...Dxc2! war der Zug, der von Nakamura eher zu erwarten wäre: 24.a3 Sc4 25.Lxc4 Lxc4.

24.Td3 De5 Und wieder eher untypisch! Normalerweise würde der Amerikaner 24...Sxb2! spielen, was völlig ok für Schwarz wäre: 25.Sxf7 (25.Td4 Dxc2) 25...Txf7 26.Txd5 exd5 27.De6+ Kf8 28.Dxd5 Td7.

25.a3 La5 26.Lg4 Sd6??

Diagramm

Grober Fehler! 26...Sxb2! war schon notwendig: 27.Te3 (wenn 27.Txd5 wie in der Partie, dann 27...Txd5 28.Lxe6 fxe6 29.f7+ Ke7 30.Dxh6 Df5!) 27...Sc4 28.Te2 Lb6 und Schwarz steht gut.

27.Txd5! Dxd5 27...exd5? 28.Lxd7+.

28.Lxe6 fxe6 29.f7+ Kd8? Auf 29...Ke7 folgt 30.Dxh6! und 30...Tdd8 31.f8D+ Tdxf8 32.Dg7+ und vielleicht lag darin die Chance für Schwarz: 32...Kd8 (32...Ke8? 33.Sf6+ Txf6 34.Dxh8+ Kd7 35.Dxf6 Ld8 36.Dg7+) 33.Txf8+ Txf8 34.Dxf8+ Kc7 35.Df3 (Das Endspiel: 35.De7+ Kc6 36.Dxd6+ Dxd6 37.Sxd6 Kxd6 wäre nicht leicht zu realisieren.) 35...Sxe4 36.Sxe4 Da2.

30.Sxe6+ Kc8 31.f8D+ Txf8 32.Txf8+ Ld8 33.Sxd6+ Eine andere Option war 33.Sc3 De5 34.Tf1 Tf7 35.Sxd8+ Kxd8 36.Td1.

33...Kb8 33...Dxd6 34.Txd8+ Txd8 35.Sxd8+ Kxd8 36.Dd3 und Weiß erhält ein Bauernendspiel mit einem Mehrbauern.

34.Tf1 Txd6 35.Sxd8 Dc4 36.Tg1 Txd8 37.Dg3+ Kb7 38.Dxg6 Der Rest ist Technik.

38...Td2 39.Dxh6 Txc2 40.Dg7+ Kb6 41.b4 Dd3 42.Te1 De3 43.Df6+ Kc7 44.Df1 Tf2 45.Dg1 Df4 46.h3 Dg3 47.Dh2 Auf 47...Txg2 gibt es ein Zwischenschach 48.Tc1+ Kb6 49.Dxg2. 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog