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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6097 vom 08.02.2013, Kategorie Kolumne

Carlsen triumphiert in Wijk aan Zee

Der Norweger Magnus Carlsen gewann ohne sichtbare Anstrengung das Turnier in Wijk aan Zee. Er ließ das übrige Feld mit zumindest 1,5 Punkten Vorsprung hinter sich. Triumph eines Genies! Die 2900-er Elo-Marke hat er auch schon im Visier. 11 Elo-Punkte brachte ihm dieses Turnier und seine Elozahl kletterte auf die neue Rekordhöhe von 2872. Offen bleibt nur die Frage, wann er den Weltmeisterthron erobern wird?

Endstand nach 13 Runden (14 Teilnehmer):
1.Carlsen 10 Punkte,
2.Aronoian 8.5,
3.Anand 8,
4.Karjakin 8,
5.Leko7.5,
6.Nakamura 7.

Carlsen (2861) - Sokolov (2663)

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 b5 6.Lb3 Lb7 7.d3 Die Eröffnungsphilosophie von Carlsen lautet: Weg von den durchanalysierten Hauptvarianten, dafür das Spiel in komplizierte und unbekannte Mittelspielstellungen lenken. Hauptsache ist, dass der Gegner zum selbständigen Denken animiert wird. 7.Te1 Lc5 8.c3 d6 wäre die Archangelsk Variante in der spanischen Partie.

Lc5 8.a4 Eine Alternative wäre 8.Sc3: 8...0-0 9.Sd5 h6 10.Le3 d6 11.a4 Sd4 12.Sxd4 exd4 13.Ld2 Sxd5 14.exd5 Df6 15.axb5 axb5 16.Txa8 Txa8 17.Te1 Df5 18.Te4 Lb6 mit Ausgleich, remis, Perez (2604) - Sokolov (2690), Barcelona 2012.

0-0 9.Lg5 h6 10.Lh4 d6 11.c3 De7 12.Sa3 Sa5!? Interessantes Bauernopfer! Eine unorthodoxe Idee ist 12...Lxa3!? 13.Txa3 b4 14.Ta1 bxc3 15.bxc3 Sa5 16.La2 c5.

13.Lc2 Abgelehnt, vielleicht zu Unrecht. Nach 13.axb5 g5 14.Lg3 axb5 15.Sxb5 Sxb3 16.Dxb3 Lc6 verfügt Schwarz über gewisse Kompensation.

13...b4 14.Sb1 g5 15.Lg3 Sh5 Schwarz steht nicht schlechter!

16.Sbd2 La7 17.Te1 17.cxb4 bringt nichts: 17...Sxg3 18.hxg3 Sc6 19.b5 axb5 20.axb5 Sd4 und Schwarz steht trotz des Minusbauern ausgezeichnet.

17...bxc3 18.bxc3 Sxg3 19.hxg3 Df6 Es droht g5-g4.

20.De2 Tfb8 21.Tab1 Lc8 22.Sf1 Txb1 GM Sokolov verbrauchte viel Zeit und versucht nun zu vereinfachen. 22...Le6 wäre stellungsgemäß und auf 23.Se3 folgt Lxe3! 24.Dxe3 c5 nebst Sa5-c6.

23.Txb1 Tb8?! 24.Txb8 Lxb8 25.Se3 La7 26.d4! g4 26...c6 erwidert Weiß mit 27.Dd3 und auf 26...exd4 folgt 27.Sd5 Dd8 28.Sxd4.

27.Sd5 Dd8 28.Sh4 c6 29.Se3 h5 30.Shf5 Unglaublich, wie sich die Stellung veränderte! Nach dem Tausch auf b8 verlor Schwarz Zeit mit dem schwarzfeldrigen Läufer. Weiß nutzte das sofort aus und übernahm das Zentrum mit d3-d4. Der Versuch, mit g5-g4 den Springer von der d4-Deckung zu entfernen, entpuppte sich als Eigentor. Die schwarze Lage ist schon kritisch.

30...Df6 31.Dd3 Lb6 32.Lb1! Richtung a2-f7 Diagonale.

32...Kf8 33.La2 Lc7 34.Db1! Ke8?! Da die Damen noch am Brett sind, ist das eine gefährliche Reise. Der Weg nach Hause (34...Kg8) wäre aber ebenfalls steinig: Zum Beispiel: 35.Db4 Ld7 36.dxe5! Dxe5 (36...dxe5 37.Sh6+ Dxh6 38.De7 Le6 39.Dxc7 Lxa2 40.Dxa5) 37.Sh6+ Kg7 38.Sxf7 Df6 39.e5 dxe5 40.Dc5.

35.Db4 d5!? 36.Lb1! exd4 37.cxd4 dxe4 38.Lxe4 Eine rein hypothetische Frage: Wo wäre in dieser Stellung der schwarze König am sichersten? Unklar. Auf jeden Fall nicht auf e8.

38...Le6 39.Dc5 Kd7 40.d5 Einerseits öffnet Weiß die Stellung, was bei der unsicheren Lage des schwarzen Königs von Vorteil ist, andererseits wird die Stellung vereinfacht. Die Alternativen waren: 40.Df8!? oder 40.Ld3!?

40...cxd5 41.Sxd5 Lxd5 42.Dxd5+ Kc8 Oder 42...Ke8 43.Da8+ Ld8 44.Dc8 und Schwarz ist fast in Zugzwang.

43.Se3 Da1+ 44.Kh2 Dxa4 45.Da8+ Kd7 46.Sd5 Ld8 Die Stellung ist kaum zu halten. Zum Beispiel: 46...Dd4 47.Df8 De5 48.Dxf7+ Kc6 49.Sf6+ Kb5 50.Ld3+ Kc6 51.Sxh5; 46...Dxe4?? 47.Sf6+.

47.Lf5+ Ke8 48.Dc8!

Diagramm

Schachästhetik in Reinkultur! Gegen 49.Ld7 ist Schwarz wehrlos: 48...Sb3 49.Ld7+ Dxd7 50.Sf6+ 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog