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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6127 vom 12.04.2013, Kategorie Kolumne

Anands Herausforderer heißt Magnus Carlsen!

Nach der ersten Hälfte des Kandidatenturniers in London deutete alles auf einen Zweikampf zwischen den Favoriten Carlsen und Aronian hin. In der zweiten Hälfte meldete sich plötzlich die „sowjetische Schule“. Kramnik gewann gegen seine Landsleute Svidler und Grischuk. Er bezwang auch Radjabov und in der 12. Runde traf er auf Aronian, der nach einer Niederlage gegen Gelfand auf Platz drei abrutschte. Die Partie verlief sehr spannend: Aronian versuchte es mit der Brechstange, wich Remis aus und landete nach Kramniks perfekter Verteidigung in einem verlorenen Endspiel mit einer Minusfigur. Kramnik spielte nachlässig und plötzlich entstand wieder eine Remisstellung. Trotz genügend Bedenkzeit griff Aronian erneut daneben und verlor die Partie. Am Nebentisch gewann Ivanchuk völlig überraschend gegen den führenden Carlsen und ebnete damit den Weg für Kramnik. Die Dramatik stieg in der 13. Runde weiter. Da stemmte sich Gelfand gegen die russische Walze und in schwieriger Stellung rettet er den halben Punkt gegen Kramnik. Carlsen spielte Katz und Maus gegen den demotivierten Radjabov und wartete auf einen Fehler. Der kam und der Norweger holte Kramnik ein. Die Top-Paarungen in der Schlussrunde lauteten: Ivanchuk - Kramnik, Carlsen - Svidler. Alles war zu erwarten, aber dass beide Favoriten verlieren würden war doch sehr überraschend. Nach Punktegleichstand entschied die Drittwertung (Anzahl der Siege) zu Gunsten von Carlsen. Damit ist die Nummer 1 der Welt, Magnus Carlsen, der neue Herausforderer von Weltmeister Viswanathan Anand!

Carlsen (2872) - Gelfand (2740)

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 e6 4.0-0 Sge7 5.Te1 a6 6.Lf1 d5 7.exd5 Sxd5 8.d4 Sf6! 9.Le3 cxd4 10.Sxd4 Ld7 11.c4 Sxd4 12.Lxd4 Lc6 13.Sc3 Le7 14.a3N a5 15.Dd3 0-0 16.Tad1 Dc7 17.Le5 Db6 18.Dg3 Tfd8 19.Txd8+ Dxd8 20.Td1 Db6 21.Ld4! 21...Db3 Der Bauer ist tabu: 21...Dxb2?? 22.Sd5.

22.Td3! Dc2 23.b4! Welcher andere Spieler würde bei einer so schwachen Grundreihe die a-Linie freiwillig öffnen?

23...axb4 24.axb4 Sh5! Gelfand verteidigt sich präzise! 24...Ta1?? wäre verfrüht: 25.Lxf6 Lxf6 26.Db8+.

25.De5 Lf6 26.Dxh5 Lxd4 27.Txd4 Dxc3

Diagramm

28.Da5!! Der Schlüsselzug!

28...Tf8 Einzig.

29.Db6! Weiß droht schon b4-b5 und der Läufer wäre in Bedrängnis.

29...e5 30.Td1 Stärker war wahrscheinlich 30.Td8!

30...g6?! 31.b5 Le4 32.Df6 32.Td7!? wäre eine starke Alternative.

32...h5?! Nach 32...Lf5!? 33.Td5 Le6 34.Dxe5 Dxe5 35.Txe5 Tc8 hätte Schwarz ganz gute Chancen auf Remis.

33.h4 Solche Züge werden meistens automatisch gespielt. Genauer war aber 33.De7!

33...Lf5! 34.Td5 Dc1 35.Dxe5 Le6 36.Td4 Ta8 Für den Bauern bekommt Schwarz Gegenspiel!

37.De2! Der stärkste Zug! Nach 37.Dg5 Dxg5 38.hxg5 Ta1 39.f3 Kf8 40.Kf2 Ke7 bleibt Weiß ein Mehrbauer, der aber nicht leicht zu realisieren wäre.

37...Kh7 37...Ta1?? funktioniert nicht: 38.Td8+ Kh7 39.De5 Dxf1+ 40.Kh2 Dg1+ 41.Kg3 und nach 41...Ta3+ 42.f3 Txf3+ 43.Kxf3 Df1+ 44.Kg3 enden die Schachs.

38.Td1 Dc3 39.De4 Ta1? Bis jetzt verteidigte sich Gelfand exzellent. Nun machte er zwei Züge vor der Zeitkontrolle mit knapper Bedenkzeit diesen fatalen Fehler! Richtig war 39...Ta7!

40.Txa1 Dxa1 41.c5! Dc3 42.Dxb7 De1 Auf 42...Dxc5 folgt 43.b6 Kg7 44.Da6 Ld5 45.Db5 Dxb5 46.Lxb5 Lb7 47.Le2 nebst Le2-f3 mit Gewinn.

43.b6! 43.De7 führt auch zum Sieg: 43...Db1 44.b6 Lc4 45.b7 Dxf1+ 46.Kh2 Ld5 47.f3 Lxb7 (47...Db5 48.c6 Db6 49.De8 Dc7+ 50.Kh1 Lxc6 51.b8D) 48.Dxf7+ Kh8 49.Dxb7.

43...Lc4 44.Df3 Dxf1+? Der letzte Fehler! Mehr Widerstand konnte 44...Lxf1 45.Dxf7+ Kh8 46.Df6+ Kh7 47.Kh2 De8 leisten.

45.Kh2 Db1 46.b7 Db5 47.c6 Ld5 48.Dg3 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog