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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6248 vom 25.10.2013, Kategorie Kolumne

Levon Aronian siegt beim Chess Masters in Bilbao

Traditionell findet das Event in Bilbao statt, heuer vom 7. bis 10. Oktober. Ebenfalls traditionell sind auch die Regeln: Drei Punkte für den Sieg, 1 Punkt für ein Unentschieden, Remisangebote sind untersagt (Sofia-Regeln).

Mit zwei schwarzen Siegen konnte sich der Elo-Favorit Levon Aronian knapp vor Michael Adams durchsetzen. Der Pechvogel des Turniers war Maxim Vachier-Lagrave. Ihm fiel in der ersten Runde am vierzigsten Zug in einer Remisstellung gegen Adams die Klappe und gegen Aronian versäumte er sogar den Sieg! Mit diesen vier Punkten mehr auf seinem Konto hätte die Endtabelle anders ausgehen.

Endstand nach 6 Runden:
1.Aronian 10 Punkte,
2.Adams 9.
3.Mamedyarov 5.
4.Vachier-Lagrave 5.

Vachier Lagrave (2742) - Aronian (2795)

1.c4 Sf6 2.Sc3 e5 3.Sf3 Sc6 4.g3 g6 5.Lg2 Lg7 6.0–0 0–0 7.d3 h6 Levon Aronian wollte offensichtlich die Variante 7...d6 8.Lg5 h6 9.Lxf6 Lxf6 10.Tb1 Lg7 11.b4 vermeiden.

8.b4N Neuerung, die im konkreten Fall zur Zugumstellung führt. 8.Tb1 ist üblich.

8...d6 Auf 8...Sxb4 folgt 9.Sxe5 und nach 8...e4 9.dxe4 Sxe4 (9...Sxb4!?) 10.Sxe4 Lxa1 11.Lxh6 Lg7 12.Lxg7 Kxg7 13.b5 hätte Weiß Initiative für die Qualität.

9.Tb1 a6 Die andere Philosophie ist ohne a7-a6 auszukommen: 9...Le6 10.b5 Se7 11.a4 Dd7 oder 9...Sh5 10.b5 Se7.

10.a4 Se7 11.La3N Noch eine Neuerung, was nicht so oft in einer Partie vorkommt.

11...c6 Interessante Entscheidung: Schwarz schwächt freiwillig den Punkt d6 und indirekt den e5-Bauern. 11...Le6 war die andere Option.

12.c5 Te8 Beachtung verdient die Gambitvariante: 12...d5!? 13.Sxe5 d4 14.Sa2 Le6 15.Sc4 h5 16.Lc1 h4.

13.e4 Lg4 13...d5?! wäre jetzt nicht so gut: 14.Sxe5 Sxe4 15.dxe4 Lxe5 16.Lb2 dxe4 17.Sxe4 Dxd1 18.Tfxd1 Sd5 19.f4 Lxb2 20.Txb2 Le6 21.Sd6 Te7 22.Te1 und Weiß stünde viel angenehmer.

14.Db3 Sd7 Interessant war 14...b5!?

15.Sd2 15.cxd6 bringt wenig: 15...Sc8 16.b5 axb5 17.axb5 Le6 18.Db2 c5!

15...Sc8 16.Dc2 Lf8 Nach 16...a5 17.cxd6 axb4 18.Lxb4 c5 19.La3 Sxd6 20.Sc4 Sxc4 21.dxc4 wäre die weiße Stellung vorzuziehen, weil der weiße Springer sofort das Feld d5 besetzen kann, während der schwarze Springer viel länger in Richtung d4 bräuchte.

17.cxd6 Sxd6 18.Sb3 b5 19.h3 Le6 20.Tfd1 bxa4 21.Sxa4 Sb5 22.Lb2 Lxb3 23.Dxb3 c5! 24.Tbc1 Nach 24.bxc5 Sxc5 25.Da2 Sxa4 26.Dxa4 Lc5 dominiert Schwarz klar über die schwarzen Felder.

24...Tb8 Mit 24...cxb4 könnte Schwarz einen Bauern gewinnen, aber nach 25.Tc6 (es droht Tg6) 25...Sf6 26.Sb6 Ta7 27.Sc4 Sd4 28.Lxd4 exd4 29.e5 Sd5 30.Ta1 a5 31.f4 Sc3 32.Sd6 wäre die Stellung unklar.

25.Da2 cxb4 26.Tc6 Kg7 27.d4? Sehr ambitioniert gespielt, führt aber zu Schwierigkeiten! 27.Txa6?? wäre fatal: 27...b3 28.Da1 Dc8! 29.Sc3 Sxc3 30.Lxc3 b2 31.Lxb2 Txb2.

27...b3 27...exd4 28.Lxd4+ Sxd4 29.Txd4 Tc8 wäre eine Alternative.

28.Db1 28.Da1 Sxd4 29.Lxd4 exd4 30.Txd4 Kg8 31.Dd1 sieht verlockend aus, aber nach 31...Se5! 32.Txd8 Texd8 33.Dc1 Sxc6 34.Dxc6 b2 35.Sxb2 Txb2 ist plötzlich die weiße Position kritisch.

28...exd4 29.Lxd4+ Sxd4 30.Txd4 Da5! Damit befreit sich Schwarz von der Fesselung und droht die Partie schnell mit dem b-Bauern für sich zu entscheiden.

31.Txd7 Dxa4 32.e5 Te7 Eine kleine Unachtsamkeit wie 32...b2?? 33.Txf7+ Kh8 34.Tcc7 Le7 35.Kh2 Db3 36.Tcxe7 Txe7 37.Txe7 hätte schon die Partie gekostet.

33.Tdd6 Einzige praktische Chance! Das Passive 33.Td2 wäre hoffnungslos: 33...Da5 34.Te2 Db5 35.Lf3 Te6.

33...Da2?? Grober Fehler! Richtig war 33...b2 34.Txa6 (34.Txg6+ fxg6 35.Dxg6+ Kh8) 34...Db5 und die weiße Stellung wäre kaum zu retten.

34.Txg6+! fxg6 35.Dxg6+ Kh8 36.Ld5 Tg7 36...Lg7 37.Le4 Lf8 38.Df6+ Lg7 39.Dxe7 mit der Drohung Tc6-h6. 39...Dd2 40.Kg2.

37.Dxh6+ Th7 38.De6?

Diagramm

Weiß revanchiert sich! 38.Dg6!! hätte sogar den Sieg gebracht! 38...Lg7 (38...Tg7 39.Dh5+ Th7 40.Dg4 Db1+ 41.Kg2 Le7 42.Le4 Dxe4+ 43.Dxe4 b2 44.Db1 bzw. 38...Lc5 39.Df6+ Tg7 40.Txc5 Db1+ 41.Kh2 Dg6 42.Lxb3 Txb3 43.Tc8+ Kh7 44.Dh4+ Dh6 45.Th8+ Kxh8 46.Dxh6+ Kg8 47.De6+) 39.Le4 Txh3 (39...Th6 40.Df5!) 40.Kg2!! Th6 41.Df5 Dd2 42.Tc8+ Dd8 43.Txd8+ Txd8 44.e6 mit Gewinn.

38...Db1+ 39.Kg2? Leider das falsche Feld! Richtig war 39.Kh2 und die Partie geht weiter: 39...Le7 (39...Tg7 40.Tc4 Dh7 41.Th4 Dxh4 42.gxh4 b2 43.Le4 b1D 44.Lxb1 Txb1 45.Dxa6 und die Stellung sollte ausgeglichen sein.) 40.Tc8+ Txc8 41.Dxc8+ Kg7 42.De6 Und hier muss sogar Schwarz aufpassen!

39...Tg7 40.Tc8 Alternativ war 40.Tc4 Dh7 41.Tc8 Tg6 42.De8 Txc8 43.Dxc8 De7 44.Lxb3.

40...Txc8 41.Dxc8 Tg8 42.Db7 Auf 42.Lxg8 gibt es das wichtige Schach 42...De4+! 43.Kh2 Kxg8 44.De6+ Kh8 45.Dxb3 Dxe5 mit technisch gewonnenem Endspiel für Schwarz.

42...Dh7 43.Dxb3 Tg5 44.De3 De7 45.f4 Tg7 46.f5?! Dieser Zug lässt den Damentausch zu und es stellt sich heraus, dass das Endspiel relativ leicht gewonnen ist. Weiß sollte vielleicht lieber 46.Df3 probieren.

46...Dg5 47.Dxg5 Txg5 48.g4 Lg7 49.e6 Lf6 Nun sind die weißen Bauern blockiert.

50.Kg3 a5 51.h4 Tg8 52.g5 Kg7! 53.Kf4 Th8 54.Kg4 Tb8 55.gxf6+ Kxf6 56.e7 a4 0–1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog