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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6260 vom 29.11.2013, Kategorie Kolumne

Aserbaidschan siegt bei der Team-Europameisterschaft

Die Team-Europameisterschaft in Warschau war an Spannung und Überraschungen kaum zu übertreffen. Das Team aus Aserbaidschan (Mamedyarov, Radjabov, Safarli, Mamedov, Guseinov) hat sich schlussendlich durchgesetzt: 5 Siege (davon 4 mit 2,5-1,5) und 4 Unentschieden. Die stark spielenden Franzosen (Bacrot, Vachier-Lagrave, Edouard, Tkachiev, Hamdouchi) verloren die letzte Runde gegen Russland, blieben aber durch ihre bessere Zweitwertung Zweiter, während die favorisieren Russen sich mit der Bronzemedaille begnügen mussten. Eine bittere Enttäuschung mussten die Titelverteidiger aus Deutschland einstecken. Mit fast gleicher Besetzung wurden sie nur Zwanzigster. Die Österreicher (Ragger, Shengelia, Kreisl, Schreiner, Diermair) starteten vielversprechend (Sieg gegen Holland, Remis gegen Rumänien), aber nach den schweren Niederlagen gegen Russland mit 0-4 und 1-3 gegen Bulgarien kam Sand ins Getriebe und im Endeffekt landeten sie auf dem 30. Platz, was etwa der Erwartung entsprach. Das Erfreuliche dabei: IM Peter Schreiner zeigte sich in Bestform und erfüllte mit 4,5 aus 8 Partien eine Großmeisternorm!

In Damenwettbewerb dominierten die Turnierfavoritinnen aus der Ukraine (Lagno, Ushenina, M. Muzychuk, Zhukova, Gaponenko). Sie hatten Gold bereits nach 8 Runden in der Tasche. Ihre Niederlage in der letzten Runde spielte nur eine Rolle bei der Verteilung der restlichen Stockerlplätze und die gingen an Russland und Polen. Bei den Österreicherinnen (Moser, Newrkla, Kopinits, Exler, Schnegg) verlief das Turnier anders als bei den Herren. Die starke Phase (Siege gegen Slowenien, Frankreich und Griechenland) kam erst in den Schlussrunden. Mit ein bisschen mehr Glück in der letzten Runde (1-3 gegen Spanien) wäre sogar ein Platz unter den Top 10 möglich gewesen, so landeten sie auf dem 17. Rang.

Jobava (2695) - Mamedyarov (2757)

1.e4 e5 2.Sc3 Sf6 3.f4 d5 4.fxe5 Nach 4.exd5 e4 verfügt Schwarz über ausreichend Kompensation. Ein Beispiel: 5.d3 Lb4 6.Ld2 0–0 7.Sxe4 Te8 8.Le2 Sxe4 9.dxe4 Txe4 10.Lxb4 Txb4 11.Sf3 Df6 12.0–0 Txb2 13.Lc4 Lg4 14.De1 Sd7 15.Se5 Lf5 16.Lb3 Sc5 mit gleichen Chancen, 0-1, Ponkratov (2604) -Petrosian (2597), Martuni 2010, CBM 138.

4...Sxe4 5.Sf3 Lc5 5...Le7 ist die andere Entwicklungsoption.

6.De2 Lf5 7.Sd1 7.d4 macht nur dann Sinn, wenn Weiß sich nach 7...Lb4 auf das Abenteuer mit 8.Db5+ einlässt. Zum Beispiel: 8...Sc6 9.Dxb7 Ld7 10.a3 La5 11.Ld2 Sxd2 12.Kxd2 Tb8 13.Da6 Txb2 14.Lb5 0–0 15.Lxc6 Lxc3+ 16.Kxc3 Tb6 17.Dxa7 Txc6+ 18.Kb2 Dc8 mit starkem Angriff für den Minusbauern.

7...Sc6!N Starke Neuerung! 7...d4 wurde in einigen wenig bekannten Partien gespielt.

8.d3 De7! 9.Se3? Schlechte Entscheidung. 9.dxe4 wäre auch ungenau: 9...dxe4 10.Lg5 (10.Sg5 Sd4 11.Dc4 (11.Dd2 0–0–0) 11...b5) 10...exf3 11.Lxe7 fxe2 12.Lxc5 exf1D+ 13.Txf1 Lxc2 mit Mehrbauer für Schwarz. Richtig war 9.Le3!? 0–0–0 10.dxe4 dxe4 11.Sd2 Sd4 12.Lxd4 Lxd4 13.c3 mit unklarem Spiel.

9...Le6!? GM Mamedyarov strebt nach mehr als einem Bauern! 9...Lxe3 wäre die einfache Fortsetzung mit Bauerngewinn: 10.Dxe3 (10.Lxe3 Db4+ 11.c3 Sxc3 12.Dd2 Sa4) 10...Db4+ 11.c3 Sxc3.

10.c3 10.dxe4 wäre nicht zu empfehlen: 10...dxe4 11.Sd2 0–0–0 12.Sxe4 Dh4+ 13.Sg3 Sxe5.

10...0–0–0 11.d4 Auf 11.g3 spielt Schwarz selber 11...d4: 12.Sc2 dxc3 13.dxe4 (13.Dxe4 Ld5 14.Df5+ Kb8 15.Le2 Lxf3 16.Lxf3 Sxe5 17.Kf1 Txd3 18.Le2 g6 19.De4 f5 20.Dg2 cxb2 21.Lxb2 Td2) 13...Lg4 mit Angriff.

11...Lb6 12.Dc2 g5! Die Alternative war 12...f6!?

13.g3 Weiß stünde nach 13.Ld3 g4 14.Lxe4 dxe4 15.Sd2 Sxe5 16.Dxe4 Dh4+ 17.g3 Dg5 einfach schlecht.

13...f6 Interessant war 13...g4!? natürlich: 14.Sd2 Sxe5 15.Sxe4 Sf3+ 16.Kf2 dxe4 17.Dxe4 f5.

14.exf6 Auf 14.Lb5 könnte 14...Sxd4 15.Sxd4 Lxd4 16.cxd4 Db4+ 17.Ld2 Dxb5 18.exf6 Thf8 folgen.

14...Dxf6 15.Lg2 g4 16.Sh4 Lxd4! Aufräumungsarbeit!

17.Tf1 17.cxd4 verliert nicht gleich, aber nach 17...Sxd4 18.Dd3 Sf3+ 19.Lxf3 gxf3 20.0–0 f2+ 21.Kh1 The8 wäre die weiße Lage kritisch.

17...De5 18.cxd4 Sxd4 19.Da4 Auf 19.Dd3 folgt 19...Thf8! 20.Ld2 Txf1+ 21.Lxf1 und 21...Sc6! und auf 22.0–0–0 Sf2.

19...Kb8! 20.Lxe4 Beachtung verdient 20.Tf4!? und auf 20...Thf8 21.Sc4! Dg7 22.Lxe4 dxe4 23.Sa3 entsteht eine komplizierte Stellung.

20...Ld7! Unangenehmer Zwischenzug! Auf 20...dxe4 folgt 21.Tf4.

21.Da5 Dxe4 22.Tf4 Dh1+ 23.Kf2 Sf3 Schwarz hat verschiedene Möglichkeiten: 23...Thf8 oder 23...Dxh2+ 24.Seg2 b6.

24.Sxg4 b6! 25.Dc3 Oder 25.Db4 Sxh4 26.gxh4 Lxg4 27.Txg4 Thf8+ 28.Lf4 Dxa1; 25.Da6 Sxh4 26.gxh4 Lxg4 27.Txg4 Thf8+.

25...Sxh4 26.gxh4 Lxg4 27.Le3 27.Txg4 Dxh2+ 28.Ke1 Tde8+ 29.Le3 Thf8 30.Tc1 d4 und Schwarz gewinnt zumindest Material.

27...Dxh2+ 0–1


Socko (2661) - Mamedyarov (2757)

1.c4 e5 2.Sc3 Sf6 3.g3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.Lg2 Sb6 6.Sf3 Sc6 7.0–0 Le7 8.a3 8.d3 ist hier der häufigste Zug.

8...0–0 9.b4 Le6 10.d3 Die andere Idee ist zuerst 10.Tb1 (Es droht b4-b5 nebst Sf3-e5.) 10...f6 und dann 11.d3.

10...Sd4 Schwarz kann zuerst 10...a5 11.b5 einschalten und dann 11...Sd4 12.Tb1 f6 13.Sd2 Dc8. 10...f6 geht natürlich auch.

11.Sxd4 Die Hauptfortsetzungen sind: 11.Tb1 und 11.Lb2. Der e-Bauer ist giftig: 11.Sxe5? Lf6 12.f4 (12.Lf4 g5) 12...Sb3 13.Tb1 Dd4+.

11...exd4 12.Se4 Ld5 13.Lb2 f5 14.Sd2 14.Sc5? kostet einen Bauern: 14...Lxg2 15.Kxg2 Dd5+ 16.Kg1 Lxc5 17.bxc5 Sd7 und 18.Da4 Sxc5 19.Dxd4 Dxd4 20.Lxd4 geht wegen 20...Sb3 nicht.

14...Lxg2 15.Kxg2 Lf6 16.Sf3?! Besser war 16.Db3+ Kh8 17.Tac1.

16...Dd7 17.a4 Sonst kommt Sb6-a4.

17...f4 18.Db3+ Kh8 19.Sd2 Nun ist das e4-Feld für den Springer frei.

19...Sd5 20.Se4 Le5 Schwarz hat im Zentrum und am Königsflügel klaren Raumvorteil.

21.Sc5 Dc6 22.Kg1 fxg3 22...a5! war auch stark.

23.hxg3.

Diagramm

23...Sf4! Nun wird es ungemütlich rund um den weißen König!

24.Se4 24.gxf4? Dg6+ 25.Kh1 Txf4 mit matt.

24...Sxe2+ 25.Kg2 Dg6 26.Tae1 Dh5 27.f4 Sxf4+ 28.gxf4 Lxf4 29.Sg3 Nach 29.Txf4 Txf4 30.Dd1 Dg6+ 31.Sg3 Taf8 32.De2 Tg4 hätte die Partie nur eine Spur länger gedauert.

29...Dg5 30.Txf4 30.Tf3 Lxg3 31.Txg3 Dd2+.

30...Dxf4 31.Te2 Die letzte praktische Chance war 31.Dc2 Df3+ 32.Kh3 Tf6 33.Lc1 Tg6 34.Dg2 Dxd3 35.Lf4.

31...Df3+ 32.Kh2 Tf4 33.Tg2 Th4+ 34.Kg1 De3+ 0–1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog