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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6278 vom 31.01.2014, Kategorie Kolumne

Wijk aan Zee

Das Teilnehmerfeld beim holländischen Großmeisterturnier in Wijk aan Zee ist heuer etwas schlanker geworden. Statt 14 nehmen heuer nur 12 Spieler daran teil, darunter Namen wie Aronian, Caruana, Nakamura und Karjakin. Und noch eine Neuerung gibt es im Spielmodus: Zwei Runden werden außerhalb ausgetragen, eine im Rijksmuseum in Amsterdam und eine im High Tech Campus in Eindhoven. Heute bieten wir zwei spannende Partien aus den ersten Runden an:

Rapport (2691) - Dominguez Perez (2754)

1.c4 c5 2.Sc3 g6 3.g4!? Eine Provokation oder eine gut überlegte neue Idee?! Auf jeden Fall fällt der 17-jährige GM Richard Rapport mit oft sehr unorthodoxen Eröffnungen auf.

3...Lg7 4.Lg2 Sc6 5.d3 d6 6.g5 Weiß kann natürlich mit 6.h3 decken, aber nach 6...h5 wäre 7.g5 sowieso notwendig, wonach 6.h3 ein Tempoverlust bedeuten würde.

6...e6 Möglich wäre auch vorher die Entlastung auf der h-Linie: 6...h6 7.h4 hxg5 8.hxg5 Txh1 9.Lxh1 und danach erst 9...e6.

7.h4 h5 Sonst spielt Weiß h4-h5.

8.Lxc6+ Interessante Entscheidung! Die schwarze Bauernstruktur wird geschwächt, dafür verfügt Schwarz aber über das Läuferpaar.

8...bxc6 9.f4?! Wenn dieser Zug e6-e5 von Schwarz verhindern könnte und der Läufer auf c8 zurückbleiben würde, dann wäre die Idee Ok.

9...e5! Natürlich, bevor Sg1–f3 kommt.

10.fxe5 Lxe5 11.Sf3 Lxc3+! Nach 11...Lg7 12.Da4 Se7 13.Se4 0–0 14.Sf6+ Kh8 15.Ld2 nebst Lc3 wäre zumindest optisch die schwarze Lage unbequem.

12.bxc3 Se7 13.Lf4 0–0 Die schwarzen Felder f6, g7, h6 sind natürlich massiv geschwächt, aber so lang Weiß das nicht ausnutzen kann ist alles in Ordnung.

14.Sd2 Es droht stark Sd2-e4-f6 (d6).

14...d5 Notwendig. Nun wird zusätzlich das Feld e5 schwach. Andererseits hat Schwarz Interesse die Stellung zu öffnen, da der weiße König sehr unsicher in der Mitte steht.

15.Da4 Lg4 16.Th2 Te8 17.Tb1 Mutig und frech gespielt. Der König bleibt in der Mitte! Nach 17.0–0–0 Sf5 18.Te1 Te6 19.Sb3 De7 drückt Schwarz ordentlich auf e2.

17...Dd7 Nach 17...dxc4 18.Sxc4 (18.Se4? Sd5) 18...Sd5 19.Se5! Sxc3 20.Dc4 Txe5 21.Dxc3 Tf5 22.Tf2 Dd4 23.Dxd4 cxd4 24.Tb7 hätte Weiß das Schlimmste hinter sich.

18.Tf2 De6 Auf 18...Sf5 folgt 19.cxd5! und nach 19...Dxd5 20.Se4 Kg7 21.Tb7 bekommt Weiß Gegenspiel.

19.Sb3?

Diagramm

Das Typische für aktive Spieler ist, dass sie oft taktische Motive des Gegners übersehen! Richtig war 19.Tb2, deckt indirekt e2.

19...Lxe2!! 20.Kd2 Nach 20.Txe2 Dg4 21.Lh2 (21.Le5 Dg1+ 22.Kd2 Dxb1 23.Sxc5 Tad8) 21...Sf5 22.Tbb2 Dg2! stünde Weiß vor unlösbaren Problemen. Auf 20.Sxc5 folgt ebenfalls 20...Dg4.

20...Dg4 21.Sxc5 Die Alternative 21.Te1 hätte Material gekostet: 21...Sf5 22.cxd5 Lf3! 23.Txe8+ Txe8 24.dxc6 Se3 25.Sxc5 Lxc6 26.Db3 (26.Dxc6?? Dd1 matt) 26...Sf1+ 27.Kc2 Dg1 28.Txf1 Dxf1 29.Ld2.

21...Dxh4 22.Le3 Sf5 22...Lg4 war vielleicht präziser.

23.Txf5 Die einzige Chance für Weiß war das Endspiel nach 23.cxd5 Dxa4 24.Sxa4 Lxd3 25.Kxd3 Txe3+ 26.Kd2 Tee8.

23...gxf5 23...Dh3! wäre auch sehr gut.

24.g6? Purer Optimismus! Notwendig war 24.cxd5 Dxa4 25.Sxa4 cxd5 26.Sc5 mit Chancen aufs Überleben.

24...Txe3!! 25.Kxe3 Te8+ 26.Kd2 Df2 27.gxf7+ Kxf7 28.Dxa7+ Oder 28.Tb7+ Kg8 29.Kc1 Dxc5.

28...Kg8 29.Tb8 Lxd3+! 30.Kxd3 De2+ 30...De2+ 31.Kd4 De3 matt 0–1


Giri (2734) – Naiditsch (2718)

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 Lb4+ 4.Sbd2 0–0 5.a3 Le7 6.e4 d5 7.e5 Sfd7 7...Se4 8.Ld3 Sxd2 9.Lxd2 kommt nur dem Weißen entgegen.

8.Ld3 Vorwiegend wird hier 8.b4 gespielt um c7-c5 zu verhindern.

8...c5 9.h4 Bereitet 10.Lh7 Kh7 11.Sg5 und Dh5 vor.

9...g6 10.h5 cxd4 11.Dc2 Sc5 Beachtung verdient 11...De8!?

12.cxd5 Selten gespielt. Weiß probiert meistens den Läufer zu behalten.

12...Sxd3+ Neuerung. Bekannt ist 12...exd5.

13.Dxd3 Dxd5 14.Se4 14.Dxd4 Sc6 15.Dxd5 exd5 wäre problemlos für Schwarz.

14...Sc6 15.Lh6 Da5+ 15...Td8 und 15...Te8 waren auch spielbar.

16.Dd2 Beachtung verdient 16.Ke2!?: 16...Sxe5 17.Sxe5 Dxe5 18.f4 Df5 19.Lxf8 Dg4+ 20.Df3 Dxf3+ 21.Kxf3 Lxf8 22.Tac1.

16...Dxd2+ 17.Kxd2 Td8 18.hxg6 fxg6 18...hxg6?? 19.Sf6+ Lxf6 20.exf6 Td5 21.g4.

19.Lg5 h5?! 19...Lxg5+! nebst h7-h5 wäre besser gewesen.

20.g4 Stärker war 20.Lxe7 Sxe7 und dann 21.g4: 21...b6 22.gxh5 Lb7 23.Sf6+ Kf8 24.Sg5 Lxh1 25.Sxe6+ Kf7 26.Sxd8+ Txd8 27.Txh1.

20...Lxg5+ 21.Sfxg5 21.Sexg5!? war ebenfalls interessant.

21...Sxe5 22.gxh5 Sc4+ 23.Ke1 Auf 23.Kd3 folgt 23...Se5+ 24.Ke2 b6 25.hxg6 La6+ 26.Kd2 Lb7.

23...Ld7 Nach 23...gxh5 24.Tc1 Se5 25.Kd2 hätte Weiß immer noch Initiative.

24.b3 Sa5? Das ist vielleicht der entscheidende Fehler! Der Springer gehörte auf e5: 24...Se5!? Zum Beispiel: 25.hxg6 Lc6 26.Th7 Lxe4 27.Sxe4 Tf8 28.Txb7 Tf4 29.Sc5 Sxg6 mit Ausgleich.

25.Tc1 Lc6 26.hxg6 Lxe4 27.Sxe4 Kg7 Oder 27...Tac8 28.Txc8 Txc8 29.Th7 Tf8 30.b4 Sc4 31.Txb7 Sxa3 32.Ke2 Tf4 33.Kd3 e5 34.Txa7 und das Endspiel sollte für Weiß gewonnen sein.

28.Tc7+ Kxg6 29.Tg1+ Kf5 30.f3 e5?? Die letzte praktische Chance bot 30...Tg8 31.Tc5+ Kf4 32.Txg8 Txg8 33.Txa5 Tg2

31.Tg5+ Kf4 31...Ke6 32.Tg6+ Kd5 33.Tc5 matt

32.Kf2! Tf8 33.Th7 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog