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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6289 vom 14.02.2014, Kategorie Kolumne

Carlsen siegt in Zürich

Von 29. Jänner bis 4. Februar fand in Zürich ein Turnier der Superlative statt. Das hochkarätige Teilnehmerfeld: Weltmeister Carlsen, Aronian, die Nummer 2 der Welt und Sieger in Wijk aan Zee 2014, Ex-Weltmeister Anand und die Weltklassespieler Gelfand, Caruan und Nakamura. Das Schachspektakel wurde in drei Teilen ausgetragen. Im 1. Teil wurde geblitzt, dann folgte ein normales Rundenturnier im klassischen Schach und am Ende ein Turnier im Aktivschach. Für die Gesamtwertung wurden die Platzierungen vom klassischen- und Aktivschach  herangezogen.

Endstand:
1.Carlsen 10. Punkte,
2.Caruana 9.
3.Aronian 9.
4.Nakamura 7,5.
5.Anand 5.
6.Gelfand 4,5.

Carlsen (2872) - Gelfand (2777)

1.c4 g6 2.d4 Sf6 3.Sf3 Lg7 4.g3 c6 5.Lg2 d5 6.Da4!? Typisch für Carlsens Eröffnungsphilosophie. Er versucht möglichst früh die analysierten Theorievarianten zu verlassen!

6...0–0 7.0–0 Sfd7 8.Dc2 Sf6 9.Lf4 Lf5 10.Db3 Db6 11.Sbd2 Se4 12.e3 Dxb3 13.axb3 Sa6 Der Springer hat das Feld b4 im Visier.

14.cxd5 cxd5

Diagramm

15.g4!? Gelfand, gewöhnlich top vorbereitet, neutralisiert leicht die weiße Farbe des Gegners und erreicht eine ausgeglichene Partie. Mit dem Textzug versucht Carlsen die Stellung zu verkomplizieren und den Gegner dadurch aus dem Konzept zu bringen.

15...Lxg4 Ein Pragmatiker hätte eher 15...Sxd2 16.Sxd2 Le6 bevorzugt.

16.Sxe4 dxe4 17.Sd2 f5 18.f3 e5!? Offensichtlich wollte Gelfand dem Gegner die Initiative nach 18...exf3 19.Sxf3 Tad8 20.Sg5 Td7 21.Tfc1 nicht völlig überlassen. Aber die Lage wäre trotzdem nicht so klar: 21...e5!? 22.dxe5 h6 23.Se6 Te8 24.Sxg7 Kxg7 25.h4 Tee7.

19.dxe5 exf3 20.Sxf3 Tae8 21.Ta5 Sb4 Nach 21...Lxf3 22.Lxf3 Te7 23.e6 kommt das Läuferpaar zur Geltung.

22.Sd4 Beachtung verdient 22.Tb5 a5 und dann 23.Sd4.

22...b6 23.Txa7 Lxe5 24.Lh6 Tf6 Auf 24...Tf7 folgt 25.Ta4 Ld6 26.h3 Lh5 27.Tfa1 mit massiven Problemen für Schwarz.

25.h3! Giftiger Zwischenzug!

25...Lh5?! Die Lösung wäre 25...Lxd4! 26.exd4 Le2 27.Tc1 g5! 28.Tg7+ (28.Lxg5? Tg6) 28...Kh8 29.Te7! Tg8 30.Lxg5 Txg5 31.Txe2 f4 32.Tc8+ Kg7 33.Te7+ Kh6 34.Tcc7 f3 35.Txh7+ Kg6 36.Thg7+ Kf5 37.Txg5+ Kxg5 38.Lf1 Sd5 mit Kompensation.

26.Sc2! g5 Der Springer wird geopfert um das Feld d5 für den Läufer frei zu bekommen: 26...Sxc2 27.Ld5+ Tfe6 28.Tc1 Lf3 29.Lxe6+ Txe6 30.Txc2 Te8 31.Td2 Le4 32.Lf4 Lf6 33.Td6 und Weiß gewinnt.

27.Lxg5 Tg6 28.Txf5 Nun ist klar, warum der Läufer von g4 mittels 25.h3 auf h5 vertrieben wurde!

28...h6 28...Sxc2 29.Ld5+ Kh8? Geht nicht wegen 30.Txe5!! Txe5 31.Ta8+ Kg7 32.Tg8 matt.

29.Lxh6! Txh6? Die einzige Rettungschance bot 29...Lf3! 30.Txf3 Sxc2 31.Tf2 (31.Lf4 Se1 32.Tf2 Sd3) 31...Se1 32.Te2 Lg3 33.Lf4 Lxf4 34.Txe1 Txe3 35.Txe3 Lxe3+ mit guten Remischancen.

30.Sxb4 Lxb2 30...Lg6 31.Tf2 Th7 32.Ta6 Tg7 könnte vielleicht mehr Widerstand leisten.

31.Sd5 Kh8 32.Tb7 Ld1 33.b4 Tg8 Beachtung verdient 33...Lb3!? 34.Sxb6 und 34...Lc1: 35.Sd5 Lxd5 36.Lxd5 Lxe3+ 37.Kg2 Th7.

34.Se7 Td8 Die anderen Varianten ändern nichts am Ausgang der Partie: 34...Tg7 35.Tf2 Lc1 36.Tb8+ Kh7 37.Sf5 Tf6 38.Tc8 oder 34...Te8 35.Ld5 Lc2 36.e4 Lf6 37.Th5! Tg8+ 38.Sxg8 Ld4+ 39.Kg2 Txh5 40.Se7 Tg5+ 41.Kf3.

35.Le4 35.Td5!?

35...Lf6? Der letzte Fehler in schwieriger Position. 35...Lb3 36.Ld5 Lxd5 37.Sxd5 Txh3 38.Txb6 könnte die Partie verlängern. Auf 35...Lc1 folgt 36.Kf2 und wenn 36...Txh3? dann 37.Sg6+ Kg8 38.Ld5+ Txd5 39.Tf8 matt.

36.Txb6 Kg7 37.Tf2! 37.Tf2 Es droht tödlich 38.Sf5+ und wenn 37...Lxe7 dann 38.Tg2+ Kf7 39.Txh6 mit Qualitätsgewinn. 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog