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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6379 vom 01.08.2014, Kategorie Kolumne

Caruana dominiert in Dortmund

Nach dem überraschenden Sieg von GM Fabiano Caruana im Jahr 2012 in Dortmund war sein Erfolg in diesem Jahr (vom 12. bis 20. Juli) eher zu erwarten. In diesen zwei Jahren etablierte sich der 22-jährige Italiener unter den Top-10 der Weltelite. Überraschend war eher die Art und Weise seines Triumphs! Er überspielte seine Gegner mit beneidenswerter Leichtigkeit. Von echter Konkurrenz gab es keine Spur. Die Statistik spricht auch eine klare Sprache: Nach 6 von 7 Runden führte er bereits uneinholbar mit 1,5(!) Punkten Vorsprung. Dass GM Leko keine Partie verliert, ist nichts Neues. Eher selten ist, dass er eine gewinnt! Das meisterte er und wurde damit Zweiter. Dritter wurde der Amerikaner Georg Meier, für ihn ein sehr großer Erfolg.

Caruana (2789) – Ponomariov (2723)

1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.Sxe5 d6 4.Sf3 Sxe4 5.Sc3 Sxc3 Für Anhänger der Symmetrie besteht auch die Möglichkeit 5...Sf6.

6.dxc3 Le7 Die natürlichste und häufigste Antwort. 6...Sc6 führt meistens zu Zugumstellungen.

7.Le3 Weiß strebt die lange Rochade an. Dazu dient auch 7.Lf4 nebst D1–d2.

7...Sc6 8.Dd2 Le6 9.0–0–0 Dd7 10.Kb1 Ponomariov spielte mit Weiß hier selber 10.h4 mit der Idee Sf3-g5.

10...Lf6 Die Prophylaxe 10...a6 ist hier der meistgespielte Zug.

11.h3 h6 Schwarz wartet mit der Rochade ab. 11...0–0–0 wäre aber völlig in Ordnung: 12.Sd4 Lxd4 13.cxd4 d5 14.Lb5 a6 15.Le2 Lf5 16.The1 The8 17.Lf1 Dd6 18.a3 f6 19.Lf4 Dd7 20.f3 Txe1 21.Txe1 Te8 mit gleichen Chancen, remis, Kamsky (2746) - Wang (2685), Istanbul 2012.

12.b3 a6 13.g4 Der Läufer gehört auf die große Diagonale (Lg2).

13...0–0–0 14.Lg2 g5?! Besser wäre 14...Kb8 ohne sich am Königsflügel festzulegen.

15.Sd4 Sxd4 16.cxd4 Es droht d4-d5.

16...d5 17.f4 gxf4 18.Lxf4 h5 Es ist fraglich, ob Schwarz nach 18...Lg5!? 19.Lxg5 hxg5 20.Dxg5 f5 21.gxf5 Lxf5 22.h4 Tdg8 23.Dd2 (23.Dxf5?? Dxf5 24.Lh3 Tg4) 23...Tg3 ausreichend Kompensation für den Minusbauern hätte.

19.g5 Lg7 20.Tde1! Die e-Linie, konkret der Punkt e5, ist wichtig, wichtiger als h3-h4 zu spielen. Auf 20.h4 folgt 20...The8 nebst Lg4 oder Lf5.

20...h4 Schwarz fixiert den h3-Bauern in der Hoffnung dabei Druck auszuüben.

21.Le5 Tdg8 Eine Alternative war 21...Thg8.

22.Df4 Dd8 23.Lf1 Der Läufer wird umgruppiert.

23...Kb8 24.Ld3 Lc8 25.Kb2 25.Dxf7 bringt nichts: 25...Lxe5 26.Txe5 Txg5.

25...Lxe5 26.Txe5 Tg7 27.a4 Weiß dominiert klar und versucht auch am Damenflügel mittels a4-a5 Raum zu gewinnen.

27...a5 Zu überlegen war 27...Thg8.

28.Ka2 Ka7 29.Dd2 Kb8 29...b6 war auch spielbar.

30.Df4 Ka7 31.The1 Weiß findet keine andere Möglichkeit, die eigene Stellung zu verstärken.

31...Lxh3 32.Th1 32.Te7 sieht verlockend aus, aber Schwarz hält die Balance: 32...Dd6! 33.Df6 (33.Dxd6 cxd6 34.g6 Txg6 35.Lxg6 fxg6 36.Tg7 Lf5 37.Tee7 Tb8 38.Th7 h3 39.Tef7 Kb6 40.Kb2 Ka6 mit Ausgleich.) 33...Thg8 34.Dxd6 cxd6 35.Th1 Le6 36.g6 Th8.

32...Lc8 33.Txh4 Txh4 34.Dxh4 b6? Ungenau. Besser war 34...Tg8 und auf 35.Df4 dann 35...Tf8.

35.Dh6 Tg8 36.Dc6 Le6?? Der entscheidende Fehler! Notwendig war 36...Lb7 37.Df6 Dxf6 38.gxf6 Kb8 39.Kb2 Td8 40.Te7 Tf8 mit passiver, aber nicht hoffnungsloser Stellung.

37.g6! Tg7 37...Ld7 hätte nur das schöne Finale verhindert: 38.Dxd5 fxg6 39.Le4 Dc8 40.Te7 Td8 41.Dc4 g5 42.Lf3 g4 (42...Kb8 43.Txd7 Dxd7 44.Da6 c6 45.Dxb6+ Kc8 46.Lxc6 und Weiß gewinnt) 43.Lxg4 Kb8 44.Txd7 Txd7 45.De6 Td8 46.Dxc8+ Txc8 47.Lxc8 Kxc8 und das Bauernendspiel sollte leicht gewonnen sein.

38.gxf7 Lxf7

Diagramm

39.Te7!! Ablenkung!

39...Dxe7 39...Kb8 40.La6.

40.La6! Hinlenkung!

40...Kxa6 a8 ist nun frei!

41.Da8 matt 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog