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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6428 vom 24.10.2014, Kategorie Kolumne

Doppelsieg bei Grand Prix in Baku

Beim ersten Grand Prix Turnier im neuen FIDE-Zyklus in Baku ging nach der Halbzeit das Duo Caruana und Gelfand in Führung. In der sechsten Runde punktete Caruana, der Aufsteiger des Jahres aus Italien, erneut und es schien, dass nichts seinen nächsten Erfolg verhindern könnte. Außer er selbst! In den folgenden Runden verlor er zweimal gegen Andreikin und Grischuk, nachdem ihn sein Gespür für Gefahr anscheinend verlassen hatte. In der vorletzten Runde konnten aber beide Ex-Führenden punkten (Gelfand hat in der Zwischenzeit ebenfalls verloren) und nachdem die Schlussrunde friedlich ausging, teilten sie sich den ersten Platz.

Caruana (2844) - Svidler (2732)

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.f3 Die sogenannte Anti-Grünfeld Variante.

3...d5 4.cxd5 Sxd5 5.e4 Sb6 6.Sc3 Lg7 7.Le3 0–0 8.Dd2 Sc6 9.0–0–0 Dd6 Der letzte Schrei in dieser Variante! In früheren Zeiten setzte Schwarz hier mit 9...e5 fort, aber nach 10.d5 Sd4 11.f4 c5 12.fxe5 Lg4 13.Te1 Lxe5 14.h3 Ld7 (14...Dh4 15.Ld3) 15.Sf3 Sxf3 16.gxf3 zeigte die Praxis, dass Weiß die Oberhand behält.

10.Kb1 a6 Kaum gespielt. Die Frage ist: Kann sich Schwarz so eine Prophylaxe (gegen Sc3-b5) leisten?!

11.h4 Td8 12.d5 Erzwungen. 12.Sge2? geht wegen 12...Sc4 nicht.

12...Se5 13.Df2 h5 14.Lc5 Df6 15.Ld4 Dd6 16.g4!

Diagramm

Caruana kümmert sich nicht um die Entwicklung, sondern bringt die Bauern in Bewegung!

16...hxg4 17.f4 Sed7 Einziger Zug. 17...Sec4 kostet eine Figur: 18.Lxc4 Sxc4 19.Lxg7 Kxg7 20.Dd4+.

18.e5?! Gewinnt eine Figur, aber Schwarz erhält dafür ausreichend Spiel. Viel unangenehmer für Schwarz wäre die einfache Entwicklung mit 18.Sge2! Lxd4 (18...e5 19.dxe6 Dxe6 20.h5) 19.Sxd4 Df6 20.Dg3.

18...Sxe5 19.fxe5 Lxe5 20.Lg2 Auf 20.h5 folgt einfach 20...Lf5+ 21.Ka1 Sxd5 und auf 22.hxg6 Lxg6 23.Dh4 Lxd4 (23...Sxc3?? 24.Dh8+ Lxh8 25.Txh8 matt) 24.Txd4 Df6.

20...Lxd4 Die Alternative war, die Damen zu tauschen: 20...Df6 21.Sge2 Dxf2 22.Lxf2 Lf5+ 23.Ka1 Kg7 mit ungefähr gleichen Chancen.

21.Txd4 Lf5+ 22.Ka1 22.Le4? wäre wegen 22...Sxd5! 23.Lxf5 (23.Txd5 Lxe4+ 24.Sxe4 Dxd5 oder 23.Sxd5 Lxe4+ 24.Txe4 Dxd5 25.De2 e5!) 23...Sxc3+ 24.bxc3 Db6+ 25.Kc1 Txd4 26.Dxd4 gxf5 schlecht. Hier muss Weiß um den halben Punkt bangen.

22...e5 23.Td1 Sc4 24.h5 Auf 24.Sge2 könnte Schwarz die Damen tauschen: 24...Db6 25.Dxb6 cxb6 26.Sg3 Se3 27.Td2 Kg7 und das Endspiel wäre zumindest nicht schlechter.

24...Db6 25.De2 Se3 26.Td2 Kg7 27.Le4 27.h6+ Kh8 28.a3 Td7 29.Sd1 Sxg2 30.Dxg2 c6 wäre unproblematisch für Schwarz.

27...Th8 Eine Alternative war 27...Lxe4 28.Sxe4 Txd5 (28...f5!? führt zu undurchschaubaren Komplikationen.) 29.Txd5 Sxd5 30.Dxg4 f5 31.Dh3 De3 und Schwarz hält die Balance.

28.Td3 Sc4 29.b3 Vielleicht wäre 29.Lxf5 gxf5 30.Tg3 Dd4 31.Sf3 Df4 32.Sh4 Sd6 (32...Txh5? 33.Sxf5+ Dxf5 34.Txg4+ Tg5 35.Txg5+ Dxg5 36.Dxc4) 33.Tg2 mit der Drohung Th1–f1 und Sf5 stärker und wenn 33...Txh5, dann wieder 34.Sxf5+ Dxf5 35.Txh5 Dxh5 36.Txg4+ Kh6 37.Dd2+ Kh7 38.Tg2 und Weiß gewinnt Material.

29...Sd6? Dieser Zug sieht natürlich aus, ist aber der entscheidende Fehler! 29...Txh5! war wahrscheinlich die letzte Chance: 30.Txh5 Lxe4 31.bxc4 gxh5 32.Sxe4 (32.Dxe4 Dxg1+ 33.Td1 Dg3 34.Se2 Df3 35.Dxe5+ Df6 und das Endspiel wird auf einmal gefährlich für Weiß.) 32...f5! (32...Dxg1+? 33.Td1 Db6 34.Dh2) 33.c5 Dh6 34.Sd2 e4 35.Tb3 b5 36.cxb6 cxb6 37.Kb1 Td8 mit praktischen Chancen für Schwarz.

30.Lxf5 Sxf5 31.Dxg4 Natürlich nicht 31.Dxe5+ Df6 32.Dxf6+ Kxf6 und Schwarz stünde nicht schlechter.

31...e4 32.Sxe4 Tae8 33.Se2 Weiß hat sich konsolidiert und eine Figur mehr. 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog