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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6506 vom 13.03.2015, Kategorie Kolumne

Grand Prix in Tiflis

Das dritte Turnier der FIDE Grand Prix Serie fand vom 14. bis 28. Februar in Tiflis (Georgien) statt. Die beiden Führenden in der Gesamtwertung, Caruana und Nakamura, fehlten und da schlug die Stunde des russischen Großmeisters Tomashevsky! Sein Sieg kam schon etwas überraschend, immerhin waren Grischuk, Giri und Mamedarov auch am Start. Aber viel mehr überraschte seine Überlegenheit: Er setzte sich mit 1,5 Punkten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Jakovenko durch.

Vachier Lagrave (2775) - Tomashevsky (2716)

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0–0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 0–0 8.a4 Lb7 9.d3 d6 10.Ld2 b4 Die logischste Antwort. Schwarz erschwert die Entwicklung des Springers b1.

11.c3 Tb8!? Interessante und wenig erforschte Idee! Neben dem natürlichen Zug 11...bxc3 wird auch 11...d5 gespielt, was zu wesentlich schärferen Varianten führt.

12.cxb4 Lc8 13.b5 axb5 14.axb5 Txb5 15.Ta8 Tb8 16.Txb8 Sxb8 17.d4 exd4 18.Sxd4 c5 Eine andere Idee wäre 18...Ld7 nebst Sb8-c6.

19.Sf3 19.Sb5 war eine Alternative.

19...Sc6 20.Lc3 Le6 21.Sbd2 Nach 21.Lxe6 fxe6 22.e5 dxe5 23.Dxd8 Txd8 24.Sxe5 Sxe5 25.Lxe5 Kf7 26.Sa3 wäre der isolierte e6 Bauer im Endspiel kein Grund zur Sorge.

21...d5 Schwarz gleicht endgültig aus.

22.Sg5 Lg4! 22...d4?! kommt nur dem Weißen entgegen: 23.Lxe6 dxc3 24.Lxf7+ Txf7 25.bxc3.

23.Dc2 c4! Auf 23...d4 folgt 24.e5 Sxe5 25.Txe5 dxc3 26.bxc3 Dc7 mit gleichen Chancen.

24.Sxc4? Vielleicht wäre 24.Lxc4 dxc4 25.e5 Sb4 26.Lxb4 Lxb4 27.exf6 Dd3 28.Dxd3 cxd3 29.Sge4 Le2 30.Tc1 zu überlegen, denn trotz Minusbauer steht Schwarz besser.

24...dxc4 25.Lxc4 Die Drohung ist e4-e5.

25...Sd7! Auf einmal wird klar: Weiß hat keinen Angriff.

26.Sxf7 Die einzige praktische Chance. Es entsteht eine seltene Materialkonstellation: Turm und 4 Bauern gegen zwei Läufer und einen Springer.

26...Txf7 27.Lxf7+ Kxf7 28.Lxg7 Kxg7 Auf 28...Sb4 folgt 29.Dc3.

29.Dxc6 Se5 Wenn 29...Da5, dann tauscht Weiß die Damen: 30.Dc3+ Dxc3 31.bxc3.

30.Dc3 Lf6 31.Dg3 h5 32.h3 h4 33.De3 Le6 34.b4 Dd3 Schwarz entscheidet sich doch für den Damentausch.

35.Kh2 Le7 36.f4 Dxe3 37.Txe3 Sc4 38.Te2 Lxb4 39.g3 Damit tauscht Weiß den letzten Bauern und nun bleibt die Frage: Schafft es Schwarz, alle weißen Bauern zu erobern ohne dabei zwei Leichtfiguren für den Turm geben zu müssen?

39...Sd2! 40.gxh4 Lc4 41.Tg2+ Kh6! 42.Kg3 Lf1 42...Sxe4+ 43.Kf3 Ld5 44.Tb2 Sf6+ wäre auch gut für Schwarz.

43.Th2 Ld3 44.Kg4 Sxe4 Oder 44...Lxe4 45.Tf2 Lc6 46.h5 Ld7+ 47.f5 Se4.

45.Kf5 Ld6 46.Tg2 Kh5 47.Tg8 Sg5+ 48.Kf6 Sh7+ 49.Kg7 Lxf4 Schwarz realisiert ziemlich schnell den ersten Teil: Der Gewinn vom e- und f-Bauern. Der Doppel h-Bauer sollte kein Problem darstellen.

50.Ta8 Le5+ 51.Kf7 Kxh4 52.Ta4+ Kh5 53.h4 Es droht Ta4-a5. Auf 53.Ta5 folgt 53...Sg5+ 54.Ke7 Lc3.

53...Lb2 54.Tf4 Lc3 55.Ke6 Le1 56.Tf3 Lg6 57.Tf1 Lb4 58.Tf4 Sf8+ 59.Kd5 Le7 60.Tf1 Lc2 61.Tg1 Lb3+ 62.Ke4 Sg6 63.Kf5 Ld8 64.Ke4 Le6 65.Td1 Le7 66.Ta1 Lc8 67.Ta5+ Kxh4 Die einzige Rettung für Weiß ist jetzt die 50-Züge Regel, d.h. falls Weiß 50 Züge ohne matt zu werden überlebt und den Turm nicht verliert, ist die Partie Remis.

68.Ta1 Kg5 69.Tg1+ Lg4 70.Tg2 Lc5 71.Tg3 Sf4 72.Ke5 Lf2 73.Ta3 Lh3! 74.Ta5 Lg2! 75.Ta3 Se2! 76.Ta5 Lg3+ 77.Ke6+ Kg6 Der weiße König wurde auf die sechste Reihe gedrängt.

78.Ta6 Sd4+ 79.Ke7+ Kg7 80.Ta1 Lh3 81.Th1 Lg4 82.Tg1 Se2 83.Tf1 Lf4 84.Td1 Sc3 85.Td3 Se4 86.Kd8 Sc5 87.Td5 Se4 88.Td3 Sg5! Der Springer orientiert sich in Richtung f7!

89.Ke7 Sf7 90.Td4 Lg5+ 91.Ke8 Se5

Diagramm

Gegen Lg4-h5 matt ist Weiß wehrlos! Und das Endspiel 91...Se5 92.Txg4 Sxg4 weiter zu spielen, gehört nicht zum guten Ton auf diesem Niveau! 0-1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog