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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6601 vom 04.09.2015, Kategorie Kolumne

Francesco Rambaldi siegt beim Vienna Chess Open

Bei 460 Teilnehmern im A-Bewerb im Wiener Rathaus war es nicht überraschend, dass fünf Spieler am Ende 7,5 Punkte erreichten. Nach der Zweitwertung ging der Hauptpreis an den erst 16-jährigen Italiener IM Francesco Rambaldi, der auch eine GM-Norm schaffte. Bester Österreicher wurde GM Kindermann auf dem 11. Platz mit 7 Punkten, punktegleich mit dem jungen Wiener Valentin Dragnev, der seine dritte IM-Norm erfüllte!

Bei der Hauptattraktion, dem Wettkampf auf 6 Partien zwischen GM Shakhriyar Mamedyarov und GM Markus Ragger lief es zu Beginn aus österreichischer Sicht nicht so gut. Mamedyarov konnte mit der Abtausch-Variante der Spanischen Partie zweimal voll punkten. In der dritten Weißpartie überraschte er wieder mit der Abtausch Variante, opferte aber inkorrekt eine Figur. Markus Ragger verteidigte sich gekonnt und gewann. Die anderen 3 Partien endeten Remis und somit das Duell knapp mit 3,5 - 2,5 für den Gast aus Aserbaidschan.

Hier alle Ergebnisse vom Vienna Open

Mamedyarov (2735) - Ragger (2688)

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.Lxc6 dxc6 5.0–0 f6 6.Te1!? Eine echte Rarität.

6...c5 7.c3 Se7 Unorthodox aber scharf wäre 7...g5!?

8.d4 cxd4 9.cxd4 Lg4 10.Sbd2 GM Mamedyarov setzt im Gambitstil fort.

10...exd4 11.Db3 b6 12.e5 Lxf3?! 12...f5!?

13.Sxf3 Dd5 14.Da4+ b5 15.Da5!? Mamedyarov ist in solchen taktischen Stellungen brandgefährlich! Viele hätten 15.Dxd4 Dxd4 16.Sxd4 fxe5 17.Se6 Kd7 18.Txe5 Sg6 19.Sxf8+ Thxf8 20.Td5+ Kc6 21.Th5 h6 22.a4 bevorzugt, mit kleinem Vorteil.

15...c5 16.a4 b4 17.Lf4 Auf 17.exf6 gxf6 18.Dc7 folgt einfach 18...Kf7.

17...f5 Die größte Gefahr, die e-Linie, bleibt zumindest für eine gewisse Dauer zu.

18.e6 Sg6 19.Tac1? GM Mamedyarov überschätzt seinen Angriff.

19...Sxf4 20.e7 Nach 20.Dc7 Le7 21.Dxf4 0–0 bleibt Weiß einfach ein Bauer weniger.

20...Lxe7 21.Txc5 Dd8 21...Dd6 war auch spielbar.

22.Txe7+ Auf 22.Tc7 folgt 22...Sd5.

22...Dxe7! 22...Kxe7? wäre ungenau.

23.Te5 Se6 24.Dd5 0–0 25.Txe6 Tad8! Schöne Antwort von Markus!

26.Db3 Db7! 26...Db7 27.Tb6+ Dd5 und der Angriff ist vorbei. 0–1


Rambaldi (2517) - Brunello (2545)

1.b3 d5 2.Lb2 Sf6 3.e3 Lf5 4.h3 e6 5.g4 Lg6 6.Lg2 c6 7.d3 Lb4+ 8.Sd2 h5 9.g5 Sfd7 10.f4 f6?! 10...e5!? sieht viel natürlicher aus.

11.Sgf3 Lf7 12.De2 De7 13.a3 Ld6 14.c4 Weiß attackiert richtig den d5-Bauern noch bevor Schwarz zu e6-e5 kommt. 14...a5 15.0–0 Sa6 16.cxd5 cxd5 Auf 16...exd5 ist 17.Sh4 unangenehm.

17.gxf6 gxf6 18.Sd4 Die weißen Figuren stehen viel harmonischer. Und wohin rochiert der schwarze König? Eine offene Frage!

18...Sc7 19.Tac1 Lc5 20.Kh1 Lb6 21.e4 Kd8 Der verfrühte Vorstoß der Randbauern machte die Flanken ungemütlich für den schwarzen König. Daher bleibt er in der Mitte.

22.Tfe1 Interessant war 22.exd5 exd5 23.Dxe7+ Kxe7 24.Sf5+ Kf8 25.Sd6.

22...Te8 23.S2f3 Tc8 24.Dd2 Df8 25.e5 Eine Idee wäre 25.Tc2 mit der Verdoppelung der Türme auf der c-Linie.

25...fxe5 26.fxe5 De7 27.Lc3 Ta8 28.Sg5 Lg6 29.h4 Lxd4 29...Kc8!? verdient Beachtung: 30.Sdxe6 Sxe6 31.Lb4+ Sdc5 32.Sxe6 axb4 33.Sxc5 Dxh4+ 34.Kg1 bxa3 mit beidseitigen Chancen.

30.Lxd4 Dxa3

Diagramm

GM Brunello strebt verständlicherweise nach materieller Kompensation für seine schwache Position.

31.Txc7!! Weiß hätte verschiedene Optionen, aber diese ist die direkteste!

31...Kxc7 32.Dc3+ Kb8 32...Kd8 hätte nicht viel am Ausgang geändert.

33.Tc1 Ta6 34.Dc7+ Ka8 35.Sxe6!! Texe6 35...Taxe6 verliert: 36.Lxd5 Tb8 37.Lxe6. 35...Sb6 bot eine kleine praktische Chance: 36.Lxd5 (36.Dc3!?) 36...Dxc1+ 37.Dxc1 Sxd5 38.Sg7 Tb8 39.e6.

36.Dd8+ Sb8 37.Tc8 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog