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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6625 vom 16.10.2015, Kategorie Kolumne

Karjakin gewinnt Krimi in Baku!

Das Finale des FIDE-Weltcups in Baku zwischen Sergej Karjakin und Peter Svidler entwickelte sich zu einem echten Krimi! Der Wettkampf auf 4 Partien startete mit einem Sieg Svidlers nach einem eher schwachen Spiel von Karjakin. Das Drama für den gebürtigen Ukrainer setzte sich in der zweiten Partie fort. In einer gleichen Stellung versuchte er mit Gewalt zu gewinnen und patzte! 2-0 für Svidler! Mit dem Rücken zur Wand spielte Karjakin in der dritten Partie mit Schwarz voll auf Risiko und bescherte Svidler einige „Matchbälle“, die er aber nicht verwertete. Am Ende stellte er, in einer beinahe ausgeglichenen Stellung, die Partie ein. In der Vierten wurde er erneut von Karjakin unter Druck gesetzt, verteidigte sich aber zäh und nach der Zeitkontrolle erreichte er ein fast ausgeglichenes Endspiel. Aber nur fast, was gegen einen Endspielkönner wie Karjakin ohne Belang ist! In nur wenigen Zügen wurde die schwarze Festung zerschmettert! 2-2! Es folgte der erste Stichkampf im Schnellschach. Karjakin drehte mit Weiß die Partie um und in einem wieder „beinahe“ Remis“ Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern  ging er in Führung. Svidler antwortete kraftvoll: 3-3. In der zweiten Verlängerung im Schnellschach ließen die Kräfte der beiden Protagonisten sichtlich nach. Beide Partien wurden mit Schwarz gewonnen 4-4! Nun musste die Entscheidung im Blitzschach erfolgen. In der nunmehr 9. Partie stand Svidler mit Schwarz am Rande der Niederlage. Karjakin übersah ein taktisches Motiv und plötzlich hatte Svidler eine Qualität mehr. Dann die Tragödie: Svidler stellte einzügig einen Turm ein. Trotz dieses Blackouts startete er stark in die 10. Partie, erlangte gewaltigen Vorteil, konnte aber wieder nicht den entscheidenden Schlag landen und verlor. Endstand 6-4, ein grandioser Kampf!

Karjakin (2762) - Svidler (2727)

1.Sf3 d5 2.d4 c5 3.c4 cxd4 4.cxd5 Sf6 5.Dxd4! Bekanntlich vermeidet man den Damentausch, wenn man auf Sieg spielt. Nicht bei Karjakin! Er spielt gern Endspiele!

5...Dxd5 6.Sc3 Dxd4 7.Sxd4 Ld7 Schwer nachvollziehbare Entscheidung.

8.Sdb5 Kd8 Bittere Notwendigkeit. 8...Sa6 wäre nach 9.e4 e5 10.Lg5 Lb4 11.0-0-0 problematisch.

9.Le3 Sc6 10.f3 h5?! Wollte Svidler g2-g4 vermeiden? Besser wäre 10...Kc8 nebst a7-a6.

11.0-0-0 Kc8 12.Lg5! Die schwarze Lage ist äußerst kritisch!

12...g6 13.Sd6+! exd6 14.Lxf6 Tg8 15.e4 Le6 16.Kb1 Kd7 Die andere Option war 16...a6 17.Sd5 Lxd5 18.Txd5 Kc7 19.Le2 Lg7.

17.Sd5 17.e5!? verdient Beachtung.

17...Lg7 18.Lxg7 Auf 18.Lg5 könnte 18...f5 folgen.

18...Txg7 19.Lb5 Kd8! 20.Td2 Karjakin lässt Vereinfachung zu. Das Gegenteil wäre: 20.Sf4 Ke7 21.Td3 Tgg8 22.Tc1 Tgc8 23.Tdc3 Ld7 24.Sd5+ Kd8 25.Td1.

20...Lxd5 21.Txd5 Kc7 22.Tc1 Te8 23.Td4 Te5 24.La4 b5 25.Lb3 Tc5 26.Td5 Txc1+ 27.Kxc1 a6 28.Td3 g5 Interessant war 28...f5!?

29.Kd2 h4 30.Tc3 Kb6 31.Td3 Kc7 32.Ke3 f6 Eine Spur aktiver war 32...Se5 33.Tc3+ Kd7 34.Ld5 Tg8.

33.Tc3 Kb6 34.Td3 Kc7 35.Tc3 Kb6 36.Ld5 Se7 37.Kd4 Th7 38.Le6 Th8 39.a3 Td8 40.Tc2 Th8

Diagramm

Die Zeitkontrolle ist vorbei und Svidler war sicher zufrieden mit dieser Stellung. Vor 30 Zügen sah es viel schlimmer aus. Gerade da läuft man Gefahr, dass die Konzentration nachlässt.

41.Tf2! Weiß braucht eine Einbruchslinie.

41...Sg6 42.Kd5 Td8 43.Lf5 Sf4+ 44.Kd4 Te8? Damit fangen wieder die Schwierigkeiten für Schwarz an. Mit 44...d5 geht die Stellung zwar auf, aber Schwarz hält die Balance.

45.g3 Se6+ 46.Lxe6 46.Kd5!? versprach auch Vorteil.

46...Txe6 47.Kd5 Te5+ 48.Kxd6 hxg3 49.hxg3 g4 Erzwungen. Sonst spielt Weiß selbst g4 nebst Tf2-h2-h6.

50.fxg4 Txe4 51.Tf4! Starker Zwischenzug. Besser als 51.Txf6 Txg4 52.Ke5+ Ka5 53.Tf3.

51...Te3 52.Txf6 Txg3 53.Ke5+ Kb7 54.Kf5 Tb3 55.g5 Txb2 56.g6 Tg2 1-0