Wiener Zeitungs Schachergebnisserver - Kolumne
Schach Homepage Swiss-Manager Homepage Österreichischer Schachbund Homepage Wiener Zeitung Homepage CMS-Version 09.10.2016 17:06, Logged on: Gast Suche Impressum Sitemap Login Logoff Kontakt
 Home   Österreich   Welt   Kolumne   Meisterschaft   Turnier-DB   Archiv   Turnierkalender   Links   Datenpflege 

Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6699 vom 08.04.2016, Kategorie Kolumne

Karjakin siegt in Moskau

Das Kandidatenturnier in Moskau verlief wie erwartet spannend und extrem ausgeglichen. Kaum ein Spieler konnte sich absetzen. Es schien, dass die magische Grenze von +2 kaum zu überwinden ist. Das Trio Karjakin, Caruana und Anand gab den Ton an. Dahinter lauerten Aronian und Giri. In der 11 Runde versäumte Fabio Caruana zum zweiten Mal den vollen Punkt gegen Topalov, was die alleinige Führung mit +3 bedeutet hätte. Hier konnte sich der Ex-Weltmeister Anand gegen Karjakin durchsetzen. Umso mehr war seine Enttäuschung in der folgenden 12. Runde. Mit den schwarzen Steinen gegen Nakamura geriet Anand in eine vorbereitete Variante des Gegners und kapitulierte chancenlos in nur 26 Zügen. Karjakin dagegen punktete gegen Topalov und holte erneut den führenden Caruana ein. In der 13. Runde kam es zur Vorentscheidung. Giri riskierte mit Schwarz gegen Anand erneut, opferte eine Figur, aber es sollte nicht sein: Sein dreizehntes Remis wurde fixiert. Aronian probierte auch alles gegen Karjakin, aber der Russe verteidigte sich geschickt und rettete ein Endspiel mit einer Figur weniger ins Remis. Caruana seinerseits ließ noch einmal die Möglichkeit aus, sich abzusetzen: Remis in einem klar besseren Endspiel gegen Svidler. Das direkte Duell Karjakin - Caruana (unsere heutige Partie) in der 14. Runde wurde zum Showdown. Bei Punktegleichstand wäre Karjakin voran, daher zählte für Caruana nur ein Sieg. Er bekam eine entsprechende Stellung, geriet aber, wie so oft, in Zeitnot und übersah ein taktisches Motiv. Karjakin nutze es gnadenlos aus. Als 12-jähriger träumte der geborene Ukrainer vom Weltmeistertitel. Im November bekommt er die Chance dem Weltmeister Magnus Carlsen die Schachkrone streitig machen!

Karjakin (2760) – Caruana (2794)

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 d6 6.Lg5!? e6 7.Dd2 a6 8.0–0–0 Ld7 9.f4 h6 10.Lh4 b5 11.Lxf6 gxf6 12.f5 Db6 13.fxe6 fxe6 14.Sxc6 Dxc6 15.Ld3 h5 16.Kb1 b4 17.Se2 Dc5 18.Thf1 Mit 18.e5! könnte Karjakin bequem die Initiative übernehmen.

18...Lh6 19.De1 a5 Caruana erreicht eine ideale Startposition, um auf Gewinn zu spielen. Zusätzlich wäre fast jedes Endspiel von Vorteil für Schwarz.

20.b3!? Tg8 21.g3 Ke7 22.Lc4 Le3 Caruana wollte Sd4 verhindern, aber der Läufer steht hier fehl am Platz. Die Diagonale c3-e5 wird jetzt nur schwer zu erreichen sein.

23.Tf3 Tg4 24.Df1 Tf8 25.Sf4 Lxf4 26.Txf4 a4 27.bxa4!? Karjakin findet anscheinend a4-a3 unangenehm.

27...Lxa4 28.Dd3 Lc6 29.Lb3 Tg5 29...Tfg8!?

30.e5! Richtig, bevor Schwarz zu Tg5-e5 kommt.

30...Txe5 30...dxe5? 31.Tc4 Dd5 32.Dh7+ Tf7 33.Txd5 Txh7 34.Txc6 exd5 35.Tc7+ Kd6 36.Txh7 oder 30...fxe5?? 31.Dh7+.

31.Tc4 Td5 32.De2 Caruana ist schon in Zeitnot und Karjakin vermeidet Vereinfachungen. Das Endspiel 32.Dxd5 Dxd5 33.Txd5 Lxd5 34.Txb4 Lf3 35.a4 Ta8 sollte ausgeglichen sein.

32...Db6 33.Th4 Te5 34.Dd3 Im Endspiel nach 34.Dd2 Le4 35.Dd4 Dxd4 36.Txd4 d5 37.Txb4 Tc8 38.a4 Lg6 stünde Schwarz viel aktiver.

34...Lg2 34...d5 35.Dd2 Tb8 36.Dh6 mit ausreichend Gegenspiel für Weiß.

35.Td4 d5 36.Dd2 Te4??

Diagramm

Mit wenigen Sekunden auf der Uhr übersah Caruana den folgenden Schlag. Schade, weil nach 36...Le4 37.Txb4 Dc6 hätte Schwarz immer noch genug Chancen gehabt, um auf Sieg zu spielen.

37.Txd5!! Nun bricht die schwarze Festung zusammen!

37...exd5 38.Dxd5 Dc7 39.Df5! Tf7 Nach 39...Dc6 40.Dh7+ Ke8 41.Dxh5+ Ke7 42.Dh7+ Ke8 43.Dg6+ könnte sich Karjakin mit Dauerschach auch zufriedengeben, obwohl nach 43...Ke7 44.Dg7+ Ke8 45.Da7 Lh3 46.La4 Weiß leicht den vollen Punkt holen sollte.

40.Lxf7 De5 40...Kxf7 41.Dh7+ Ke6 42.Dxc7.

41.Td7+ Kf8 42.Td8+ 42.Td8+ Kxf7 43.Dh7+ Ke6 44.Dd7 matt. 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog