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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6739 vom 22.07.2016, Kategorie Kolumne

Kramniks neoromantische Vorstellung!

Um den Stil von Ex-Weltmeister Vladimir Kramnik zu beschreiben, werden üblicherweise Begriffe wie: Positionelles Feingefühl, Pragmatismus, Präzision, höhe Endspieltechnik usw. verwendet. Was der Russe in der dritten Runde der Dortmunder Schachtage präsentierte, hatte wenig damit zu tun! Neoromantismus pur im Stile von Morphy und Tal!

Kramnik (2812) – Buhmann (2653)

1.e4! Seltener Gast in Kramniks Repertoire!

1...e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.e5 Sfd7 5.f4 c5 6.Sf3 Le7 7.Le3 b6 8.Dd2 0–0 9.h4 Sc6 10.Lb5 Dc7 11.0–0–0 a6 Interessant war 11...cxd4 12.Sxd4 und 12...Sa5.

12.Ld3 Eine Alternative war 12.Lxc6 Dxc6 13.f5 exf5 14.dxc5 Sxc5 15.Dxd5 und nach 15...Db7! 16.Sd4 g6 hält Schwarz die Balance.

12...f5 13.g4! c4 14.gxf5! Auf Grund des geringen Zeitverbrauchs Kramniks kann vermutet werden, dass er die ganze Idee schon vorbereitet hatte.

14...cxd3 15.fxe6 Sdb8 Auf 15...dxc2? folgt 16.Tdg1!

16.Sxd5 Dd8 Die andere Möglichkeit war 16...Db7 und nun hätte Weiß zwei Fortsetzungen zur Verfügung: 17.Sg5 (oder 17.Dxd3 Lxe6 18.Sg5 Lxg5 19.hxg5 Lxd5 20.Dxh7+ Kf7 21.Th6 (21.f5!?) 21...Se7 22.Ld2 mit unklarem Spiel.) 17...Lxg5 18.hxg5 Lxe6 19.Sxb6 Dxb6 20.d5 Da5 21.Dxa5 Sxa5 22.dxe6 Sc4 (oder 22...dxc2 23.Td2 Sbc6 24.Tdh2 Tae8 25.Txh7 Txe6 unklar.) 23.e7 Te8 24.Lc5 d2+ 25.Kb1 Sc6 26.b3 Tab8 27.Ka1 Tb5 28.Lg1 S6a5 29.bxc4 Sxc4 30.Th3 Txe7 31.Tb3 Kf7 32.a4 Tbb7 mit Kompensation für den Minusbauern für Schwarz.

17.Sxe7+ Sxe7 18.Sg5! Nur so kann Weiß den Angriff fortsetzen. 18.Dxd3 wäre wegen 18...Lxe6 19.Sg5 Lf5 20.Db3+ Dd5 schlecht.

18...h6 Nach 18...dxc2 19.Dxc2 g6 20.d5 Lb7 21.d6 rollt die weiße Bauernlawine.

19.Dxd3 hxg5 Die einzige Verteidigung. Weder 19...Sf5 20.Sf7 De8 21.d5 noch 19...Tf5 20.Sf7 Dd5 21.Thg1 bringen Schwarz in Sicherheit.

20.hxg5 Lxe6 21.Dh7+ Kf7 22.d5! Lf5 Der Bauer d5 ist tabu: 22...Sxd5 23.f5 oder 22...Lxd5 23.e6+ Kxe6 24.Dxg7.

23.e6+?! Das ist vielleicht nicht die beste Erwiderung. Die Schachprogramme empfehlen 23.Dh5+ Lg6 und 24.De2, aber auch hier ist die Lage unklar.

23...Ke8 24.Dxg7 Dc7!! Unglaublich! Dieser Zug rettet plötzlich die Partie!

25.Th2 Die Alternative war 25.Td2 und dann 25...Sxd5 26.Dd4 Lxe6 27.De4 (27.Te1 Sc6 28.De4 Dd6 29.Lxb6 Kd7 30.Lc5 Txf4 31.Lxd6 Txe4 32.Txe4 Kxd6 33.c4 Se5 34.c5+ Kxc5 35.Txe5 Kd6 mit wahrscheinlichstem Ausgang Remis.) 27...Dc6 28.Th6 Sxf4 29.Dxc6+ Sxc6 30.Lxf4 Lg4 31.Txc6 Txf4 32.b3 b5 33.Th2 und Weiß muss noch um die Punkteteilung kämpfen.

25...Sxd5

Diagramm

26.Dxf8+!? Konsequent gespielt:25.Th2 war die Vorbereitung dafür. GM Buhmann hatte nur mehr eine Minute auf der Uhr gegen 30 Minuten auf Kramniks Seite, was zum Teil auch das Damenopfer begründet.

26...Kxf8 27.Txd5 Lh7?! Der einfachere und stärkere Zug war 27...Lg6! und wenn wie in der Partie 28.b3 dann 28...Dc3 29.Lxb6 Sc6 30.f5 Le8 31.f6 Kg8 32.f7+ Lxf7 33.exf7+ Kxf7 mit guten Gewinnchancen für Schwarz.

28.b3!? Kramnik nahm sich bei diesem äußerst unangenehmen Zug für Schwarz viel Zeit.

28...Ke8?! Stärker wäre 28...a5.

29.g6?! Schon selber in Zeitnot, forciert Kramnik unnötig das Geschehen. Konsequenter war 29.Kb2! und auf 29...a5 dann 30.a4.

29...Lxg6 30.Th8+ Ke7 31.f5 Lxf5! 32.Txf5 Dc3! 33.Lg5+ Kxe6 34.Tf6+ Dxf6 Der Versuch mit 34...Kd5 auf Gewinn zu spielen könnte Probleme verursachen: 35.Td8+ Ke5 36.Te8+ Kd5 37.Kb1.

35.Lxf6 Kxf6 36.Th6+ Ke5 37.Txb6 Kd5 38.Kb2 Die Bewertung der Stellung ist: Positionelles Remis.

38...Sc6 39.a3 Kc5 40.Tb7 Tg8 41.Th7 41.b4+ erschwert nur die Verteidigung, ändert aber nichts an die Einschätzung.

41...Tg2 42.Th5+ Kd6 43.Kc3 Tg3+ 44.Kb2 Tg2 45.Kc3 Tg3+ 46.Kb2 Tg2 ½–½

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog