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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 674 vom 19.06.1998, Kategorie Kolumne

Schirow siegt im WC-Kandidatenfinale 1998 (19.Juni 1998)

shi1.jpg (10226 Byte) kra.jpg (11518 Byte)
GM Alexander Schirow GM Wladimir Kramnik

Der Wahlspanier Alexander Schirow, fügte dem seit langem als Kronprinzen gehandelten Russen Wladimir Kramnik im WC-Kandidatenfinale, das vom 24.5. bis 5.6. in Cazorla (Jaén), Spanien, ausgetragen wurde, nachdem er ihn bereits in der 4. Partie niedergerungen hatte, in der 9. eine weitere Niederlage zu und wird somit im Oktober in einem auf 18 Partien angesetzten Wettkampf, der je zur Hälfte in Sevilla und Linares gespielt werden wird PCA-Weltmeister Garri Kasparow herausfordern. Die Börse beträgt hierbei 2 Mio US-Dollar.

Rg Name 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Tot.
1 GM A. Schirow ½ ½ ½ 1 ½ ½ ½ ½ 1
2 GM W. Kramnik ½ ½ ½ 0 ½ ½ ½ ½ 0


Hier die beiden Entscheidungspartien ...

Weiß: GM A. Schirow (2710)

Schwarz: GM W. Kramnik (2790)

Russisch [C43]

4. Matchpartie

Anm. I. Balinov

1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.d4. In der 6. Matchpartie vermied der Anziehende die Wiederholung der Abfolge der 4. Partie mit 3.Sc3 Sc6 4.Lb5 Sd4 5.Lc4, die nach 18. Züge mit einer Punkteteilung endete.

3. ... Sxe4 4.Ld3 d5 5.Sxe5 Sd7 6.Sxd7 Lxd7 7.0–0 Ld6 8.c4. Keinen Vorteil verspricht 8.Sc3 Sxc3 9.bxc3 0–0 10.Dh5 f5 11.Tb1 b6 12.Te1 c6 13.Lg5 Dc7 14.c4 Le8 15.Dh3 dxc4 16.Lxc4+ Lf7 17.Le6 Lxe6 18.Txe6 Tae8 19.Db3 Txe6 20.Dxe6+ Tf7 21.De8+ Tf8 22.De6+ Tf7, remis, 2. Matchpartie Schirow-Kramnik remis.

8. ... c6 9.cxd5 cxd5 10.Dh5 0–0. Schwächer ist 10. ... Sf6 11.Te1+ und nun verbietet sich 11. ... Le6?? wegen 12.Txe6+ Kf8 13.Txf6 und Weiß gewinnt.

11.Dxd5 Lc6 12.Dh5 g6 13.Dh3 Sg5 14.Lxg5. Möglich ist auch 14.Dg4 Se6 15.Le3 mit der Folge:

A) 15. ... f5 16.Dh3 Sg5

A1) 17.Dh6 f4 18.Lc4+ Kh8 19.Ld2 Tf5!? (Unklar ist 19. ... Sf7 ) 20.Lc3 Se4 21.Dh3 Th5 22.d5+ Sxc3 23.Dxc3+ Le5 24.Db3 b5 25.dxc6 bxc4 26.Dc2 f3 und Schwarz ist in Vorteil.;

A2) 17.Lxg5 17. ... Dxg5 18.Lc4+ Kg7 19.Sc3 Tfe8 20.Tad1 mit Vorteil für Weiß.

Ausgleich versprach jedoch:

B) 15. ... h5 16.Dh3 Sf4 17.Lxf4 Lxf4 18.Sc3 Dxd4 19.Se2 Df6 20.Sxf4 Dxf4.

14. ... Dxg5 15.Sc3 Tfe8 16.d5!?. Nach 16.Tad1 Tad8 bietet das Läuferpaar nur unzureichende Kompensation für den Minusbauern.

16. ... Lxd5 17.f4 Dd8. Möglich war auch 17. ... Df6 18.Sxd5 Dd4+ 19.Kh1 Dxd5 20.Tac1 Dd4 mit etwa gleichen Chancen, nicht aber 20. ... Dxa2?! 21.Lc4 Dxb2 22.f5 Te7 23.fxg6 hxg6 24.Dd3 Td8 25.Tc3! Kg7 26.Dd4+ Kg8 27.Df6 und Weiß gewinnt.

18.Sxd5 Lc5+ 19.Kh1 Dxd5 20.Tac1 Le3?!. Danach erlangt Weiß etwas Angriffsaussichten, die durch die ungleichen Läufer noch unterstützt werden. Bequemen Ausgleich versprach statt dessen 20. ... Te3! 21.Lc4 Dd4 22.Lxf7+ (Nicht aber 22.Dh6 Lf8 23.Lxf7+ Kxf7 24.Tc7+ Te7 25.Txe7+ Lxe7 26.f5 Tf8 27.Dxh7+ Dg7 28.fxg6+ Ke8 29.Tf3 Dxh7 30.gxh7 Th8 31.Tb3 b6 32.Th3 Kf7 und Schwarz hat klaren Endspielvorteil.) 22. ... Kg7 23.g3 Kxf7 24.Dxh7+ Kf6 25.Dxb7 Td8 26.Dc6+ Ld6 27.Tfd1 Td3 28.Txd3 Dxd3 29.Dc3+ Dxc3 30.Txc3.

21.Lc4 Df5. 21. ... Dd4? verbietet sich wegen 22.Lxf7+!. Das Läuferopfer folgt auch auf 21. . ... Dd6? 22. ... Kxf7 23.Tc7+ Kf6 24.Dxh7 Tf8 25.De7+ Kf5 26.g4+ Kxg4 27.Dg5+ Kh3 28.Dg3 matt.

22.Dxf5 gxf5 23.Tcd1. Das weiße Spiel ist auf Grund der Schwächen "f7" und "f5"etwas vorzuziehen.

23. ... Tad8 24.g3 Ld4 25.b3 Lf6 26.Lb5 Txd1 27.Txd1 Td8 28.Tc1. Natürlich vermeidet es der Anziehende, die Türme zu tauschen.

28. ... Td5 29.a4 Ld8. Sonst folgt Tc1–c7 nebst Lb5-c4.

30.Tc8 Kg7 31.Tb8 Lb6. Angesichts von 31. ... a6 32.Le2! Td7 33.Lf3 b6 34.Le2 a5 35.Lb5 Td2 36.Tb7, was den Anziehenden deutlich in Vorteil sieht, opfert der Nachziehende, um Gegenspiel zu erlangen, den Bb7.

32.Txb7 Td1+ 33.Kg2 Td2+ 34.Kh3 Lg1 35.g4.

Diagramm (17268 Byte)

35. ... Lxh2?. Der Verlustzug. Mit 35. ... Txh2+ 36.Kg3 fxg4 37.Kxg4 Kf6 38.Kf3! Tf2+! 39.Kg3 h5! 40.Lc4 (40.Txa7 h4+ 41.Kxh4 Txf4+ 42.Kg3 Lxa7 43.Kxf4 Lc5 44.Ke4 Ke6 45.Lc4+ Kd6 46.Lxf7 Lb4 47.Kd4 Le1 48.Kc4 mit theoretischer Remisstellung.) 40. ... h4+ 41.Kg4 Tg2+ 42.Kxh4 Tg7 hätte der Nachziehende die Partie offenbar retten können.

36.gxf5 h5. Auch nach 36. ... Lxf4 37.Kg4 Le3 38.Lc4 ist am weißen Vorteil nicht zu rütteln.

37.Kh4. Der Ba7 war selbstredend wegen 37. . ... Lxf4, und Schwarz gewinnt, tabu.

37. ... Lxf4 38.Kxh5. Die Würfel sind gefallen. Der Rest ist Sache der Technik. Es folgte noch: 38. ... Kf6 39.Lc4 Kxf5 40.Txf7+ Ke4 41.Txa7 Le5 42.Lf1 Tf2 43.Lh3 Tf8 44.Le6 Tf1 45.Td7 Th1+ 46.Kg6 Tg1+ 47.Kf7 Tg7+ 48.Ke8 Txd7 49.Kxd7 Lc3 50.Kc6 Ke5 51.Lg8 Le1 52.Kb6 Lf2+ 53.Ka6 Kd6 54.a5 Kc7 55.b4 Kc6 56.b5+ Kc5 57.b6 Kb4 58.b7 Lg3 59.Kb6 Lf2+ 60.Kc6 La7 61.a6 Ka5 62.Lc4 Lb8 63.Lf1 und Schwarz gab auf.

 

Weiß: GM W. Kramnik (2790)

Schwarz: GM A. Schirow (2710)

Gründfeldindisch [D70]

9. Matchpartie

Anm. I. Balinov

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.f3!? d5. Möglich war auch 3. ... Lg7 4.e4 mit Übergang zur Königsindischen Verteidigung.

4.cxd5 Sxd5 5.e4 Sb6 6.Sc3 Lg7 7.Le3 0–0 8.Dd2 e5. Eine brauchbare Alternative ist 8. ... Sc6!? und nun bietet:

A) 9.Td1 e5 10.d5 Sd4 11.f4 und nun erlangt Weiß sowohl nach 11. ...c5 als auch nach 11. ... Lg4!? Jeweils das etwas besser Spiel. Ausgleich bietet jedoch:

B) 9.d5 9. ... Se5 10.Lxb6 axb6 11.f4 Sd7 12.Sf3 Sc5.

9.d5 c6 10.h4 h5!?. Zweischneidig, doch vermutlich vorbereitet.

11.Le2. Mit der Idee g2-g4, unter dem Druck, die Partie unbedingt gewinnen zu müssen.

11. ... cxd5 12.exd5 S8d7 13.d6. Das schwarfe 13.g4?! bereitet Schwarz nach 13. ... Sf6 offenbar keine Probleme. Initiative versprach jedoch 13.Td1!? Sf6 14.Lg5 Dd6 15.Lxf6 Dxf6 (Auch auf 15. ... Lxf6 folgt unangenehm 16.g4) 16.g4.

13. ... Sf6 14.Lg5 Te8?! 15.Td1?!. Viel stärker war, wie von Fritz5 vorgeschlagen, 15.Sb5! Te6 16.Td1 Lf8 17.Da5! Lxd6 (17. ... a6? scheitert an 18.Sc7) 18.Dd2 Sbd5 19.Lxf6 Dxf6 20.Dxd5, worauf Schwarz ohne jede Kompensation mit einer Minusfigur verblieben wäre.

15. ... Le6 16.Sh3?!. Gute Angriffschancen bot indessen 16.g4!? Tc8 17.gxh5 gxh5 18.Lh6.

16. ... Sc4 17.Lxc4 Lxc4 18.b3. Zu erwägen war 18.Sf2 Dd7 19.Lxf6 Lxf6 20.g4 mit kompliziertem Spiel und Chancen für beide Seiten.

18. ... La6 19.Sd5 e4 20.Sxf6+. 20.d7 findet in 20. ... exf3+ 21.dxe8D+ Dxe8+ 22.De3 (22.Se3 verbietet sich wegen 22. ... Se4) 22. ... Sxd5 23.Txd5 und nun dank der studienhaften Wendung

A) 23. ... Dc6!! eine hübsche Widerlegung: Man sehe:

A1) 24.Td8+ Txd8 25.Lxd8 Dc2 26.De8+ (Nicht besser ist 26.La5 Ld4 27.Dd2 De4+ 28.Kd1 Db1+ 29.Dc1 Le2+ 30.Kd2 Dxa2+ 31.Dc2 Dxa5+) 26. ... Lf8 mit entscheidendem Vorteil für Weiß:

A1a) 27.Th2 Dc3+ 28.Kf2 Lb5! 29.Dxb5 Lc5+ 30.Dxc5 (30.Kg3 f2+ 31.Kf4 De3 matt) 30. ... Dxc5+ 31.Kxf3 Dd5+ 32.Kf2 Dxd8.

A1b) 27.Tg1 27. ... f2+ 28.Sxf2 Dc3+ 29.Kd1 Da1+ 30.Kc2 Dxg1, bzw.

A2) 24.Tc5 24. ... Dd7! 25.Dxf3 Te8+.

Nicht aber

B) 23. ... f6? 24.Lf4 Df7 25.Dd2 Te8+ 26.Kd1 Te2 27.Td8+ Kh7 28.Dd7 fxg2 29.Te1 und Schwarz ist mit seinem Latein am Ende.

20. ... Lxf6 21.d7 Db6!!. Nur so! Nach dem naheliegenden 21. ... Te6 22.Lxf6 exf3+ 23.Kf2 Txf6 (23. ... Te2+ verbot sich wegen 24.Dxe2 fxe2 25.Td6!! und Weiß gewinnt) 24.gxf3 stünde eher Weiß etwas besser.

wcc9.gif (42065 Byte)

22.dxe8D+. Auch 22.Le3 Lxh4+ 23.Sf2 exf3 24.dxe8D+ Txe8 vermochte das Drama des Anziehenden nicht abwenden.

22. ... Txe8 23.De3 Lxg5! 24.Dxb6 Lxh4+ 25.Kd2. 25.Sf2 führt nach 25. ... exf3+ 26.Kd2 Lg5+ 27.Kc3 axb6 28.gxf3 Tc8+ 29.Kb2 Le2 oder 25.Df2 exf3+ 26.Kd2 Lxf2 27.Sxf2 Te2+ 28.Kc3 fxg2 und Schwarz gewinnt, jeweils geradewegs in den Orkus!

25. ... axb6 26.fxe4 Txe4. Ungeachtet seiner Mehrqualität steht Weiß vor einer äußerst schwierigen Verteidigung.

27.Kc2 Tg4 28.Td2 Le7 29.Tg1 Kg7. Gut für Schwarz war auch 29. ... Lc5 30.Sf2 Tf4 31.Sh3 Te4 32.Sf2 Te5.

30.Sf2 Tf4 31.Sd3 Te4 32.Tgd1. 32.Te1?? verbot sich selbstredend wegen 32. ... Lxd3+.

32. ... Lb5 33.a4 Lc6 34.Te1?. Der letzte Fehler. Hartnäckiger war 34.Tf1.

34. ... Txe1 35.Sxe1 Lb4! 36.Te2 Lxe1 37.Txe1 Lxg2. Entscheidend. Den Rest konnte sich Kramnik getrost schenken!

38.Kd2 h4 39.Ke3 Ld5 40.b4 h3 41.Te2 f5 42.Td2 Le4 43.Kf4 Lg2 44.Td7+ Kf6 45.Th7 g5+ 46.Kg3 f4+ 47.Kg4 Ke5 48.b5 und Schwarz streckte wegen 48. ... Kd4 49.Th6 Kc4 50.Th7 Kb4 51.Th6 Kxa4 52.Th7 Kxb5 die Waffen.

Ergänzend noch sämtliche Partien dieses Wettkampfes im pgn-Format.


GM Lau siegt in Wien-Währing

Während GM Ralph Lau beim kürzlich in Wien-Favoriten ausgetragenen Donau-Open den Sieg noch den Sieg mit dem slowakischen IM Robert Tibensky teilen mußte, ging er in Währing unangefochten an den in Wien ansässigen deutschen Großmeister. Platz 2 ging an den WZ-Mitarbeiter Ilija Balinov, der in der Schlußrunde den Sieg gegen IM Gerhard Schroll und damit die Teilung des Siegerschecks verpaßte.

Rg. Tit. Name FED Pkte Wtg.
  GM R. Lau GER 7  
2.   I. Balinov BUL 50,5
3. IM N. Stanec AUT 50
4. IM K. Mahdy AUT 46
5. ÖM R. Vokroj AUT 42,5
6. FM L. Kwatschewsky AUT 42,5
7. IM G. Schroll AUT 6  
8. FM M. Bawart AUT 54
9. IM A. Dückstein AUT 47
10. FM M. Hangweyrer AUT 47
11.   J. Wallner AUT 47
12.   W. Schwaninger AUT 43,5
13. ÖM A. Strauß AUT 43
14. FM H. Waller AUT 43
15. FM G. Beckhuis GER 44
  55 Teilnehmer  

 


Leon: Kasparow besiegt Topalow 5½-4½.

Dank eines 2½-1½-Erfolgs im Play-off (je 20 min Bedenkzeit ohne PC-Unterstützung) kam der PCA-Weltmeister, nachdem er sich zuvor im Match "Mensch + Maschine" (Kasparow mit ChessBase + Fritz5-Engine; Topalow mit Fritz5) gegen den bulgarischen Super-GM mit 3:3 getrennt hatte, doch noch äußerst knapp mit 5½-4½.

Name 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Tot
Kasparow 0 1 ½ 1 0 ½ 0 1 ½ 1
Topalow 1 0 ½ 0 1 ½ 1 0 ½ 0

Auf die beiden Ereignisse werden wir demnächst zurückkommen.

ÖM Lothar Karrer