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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6799 vom 16.12.2016, Kategorie Kolumne

Magnus Carlsen verteidigt seinen WM-Titel

„Die schwierigste Schachaufgabe seiner bisherigen Karriere“, so beschrieb der amtierende Weltmeister Magnus Carlsen aus Norwegen seinen Wettkampf in New York gegen den Herausforderer Sergey Karjakin aus Russland. Besonders schwer, aus psychologischer Sicht, wurde es für Magnus Carlsen, nachdem er in der dritten und vierten Partie den Gewinn verabsäumte. Der insgesamt aktivere Norweger überzog dann die Stellung in der 5. Runde und stand kurz vor der Niederlage, die er aber abwenden konnte. In der 8. Runde passierte es dann wirklich! In einer ausgeglichenen Stellung versuchte Carlsen mit Weiß mit der Brechstange zu gewinnen und verlor. In der neunten Partie hätte der Russe das Match sogar vorentscheiden können, entschied sich aber nicht für die beste Fortsetzung und der Weltmeister rettete sich ins Remis. Der Wettkampf erreichte dann in der 10. Partie seinen Höhepunkt. Carlsen erreichte mit Weiß nach der Eröffnung wenig. Der führende Karjakin konnte sogar zweimal mittels Zugwiederholung Remis erzwingen, geriet aber stattdessen in eine leicht schlechtere Position, die Carlsen meisterhaft verwertete. Ausgleich! Die letzten beiden Partien verliefen unspektakulär. Daher stand es nach 12 Partien 6-6. Es folgte ein Stichkampf im Schnellschach auf 4 Partien und hier präsentierte sich der Weltmeister frischer und entschlossener. Nach 2 Unentschieden setzte er seinen Gegner in der dritten Partie unter Druck  und in schwieriger Lage mit wenig Zeit patzte Karjakin einzügig. In der Schlusspartie beschenkte Magnus Carlsen die Millionen Schachfans und sich selbst (an diesem Tag, dem 30. November, feierte er seinen 26. Geburtstag) mit einer wunderschönen Mattkombination und verteidigte damit seinen Weltmeistertitel! Heute präsentieren wir die beiden letzten Stichkampfpartien:

Karjakin (2772) - Carlsen (2853)

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0–0 Le7 6.d3 b5 7.Lb3 d6 8.a3 0–0 9.Sc3 Sa5 10.La2 Le6 11.b4 In Runde zwei passierte: 11.d4 Lxa2 12.Txa2 Te8 13.Ta1 Sc4 14.Te1 Tc8 15.h3 h6 16.b3 Sb6 17.Lb2 Lf8 18.dxe5 dxe5 19.a4 c6 20.Dxd8 Tcxd8 21.axb5 axb5, remis, Karjakin-Carlsen.

11...Sc6 12.Sd5 Sd4 13.Sg5 Lxd5 14.exd5 Sd7 15.Se4 f5 16.Sd2 f4 17.c3 Sf5 18.Se4 De8 19.Lb3 19.Dg4 wäre genauer.

19...Dg6 Schwarz pirscht sich langsam an!

20.f3?! Schwächt nachhaltig die schwarzen Felder e3 und g3. Richtig war 20.Df3 und wenn 20...Sh4 dann 21.Dh3.

20...Lh4 21.a4 Sf6 22.De2 a5 23.axb5 Eine Alternative wäre 23.bxa5 Txa5 24.Ta2.

23...axb4 24.Ld2 24.Txa8 Txa8 25.cxb4 Sd4 26.Db2 Sxb5 27.Lc4 Sd4 28.b5 Sh5 mit Initiative für Schwarz.

24...bxc3 25.Lxc3 Se3 26.Tfc1 Txa1 27.Txa1 De8 28.Lc4 Kh8 29.Sxf6 Lxf6 Auf 29...gxf6!? könnte 30.Ld2 Sf5 31.d4! Sxd4 32.Dd3 mit kompliziertem Spiel folgen.

30.Ta3 e4! Starker Zug, den Carlsen sofort zog!

31.dxe4 Lxc3 32.Txc3 De5 Schwarz dominiert über die schwarzen Felder und der Springer über den Läufer.

33.Tc1 33.Dd2! war präziser: 33...Ta8 34.La2! h5 35.Lb1 und wenn 35...Ta1 dann 36.Tc1 mit Gleichgewicht.

33...Ta8 33...Dd4 war vielleicht stärker: 34.Kh1 Ta8 35.La2 Ta3 36.Lb1 Db4 37.Tg1 h6 mit Initiative für den Bauer.

34.h3 h6 35.Kh2 Dd4 36.De1? Karjakin verliert dabei die Kontrolle über die zweite Reihe. 36.La2!? Ta3 37.Lb1 Tb3 38.e5!

36...Db2 37.Lf1 Ta2 38.Txc7?? Grober Fehler schon in der Zeitnotphase! Der einzige Zug ist 38.Tb1.

38...Ta1 Karjakin rechnete vielleicht mit 38...Sxg2 39.Dc1 Df2 40.Tc8+ Kh7 41.Th8+, aber auch hier gewinnt Schwarz mit 41...Kg6! und nicht 41...Kxh8?? 42.Dc8+ Kh7 43.Df5+ mit Dauerschach. 0–1


Carlsen (2853) - Karjakin (2772)

Diagramm

50.Dh6+!! Die Krönung des Wettkampfs!

50.Dh6+ Kxh6 (50...gxh6 51.Txf7 matt) 51.Th8 matt. 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog