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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6811 vom 03.02.2017, Kategorie Kolumne

Wijk aan Zee (2. Teil)

Diese Woche setzen wir die Serie aus dem Turnier in Wijk aan Zee fort und zwar mit zwei Begegnungen aus dem A-Bewerb. In der ersten trafen die Jungstars GM Rapport und GM Wei aufeinander und lieferten sich einen spektakulären Kampf. Der Ausschnitt aus der 2. Partie zwischen Carlsen und Giri zeigt einen seltenen Schnitzer des Weltmeisters!

Rapport (2702) - Wei Yi (2706)

1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.Sxe5 d6 4.Sc4 4.Sf3 wäre der normale Rückzug, aber GM Rapport geht bekanntlich eigene Wege.

4...Sxe4 5.De2 De7 6.Se3 Le6 7.Sc3 Sf6 7...Sxc3 wäre natürlich auch spielbar. Zum Beispiel: 8.bxc3 g6 9.Tb1 c6 10.c4 Lg7 11.g3 Sa6 12.Lg2 0–0 13.0–0 Sc5 14.Lb2 Lxb2 15.Txb2 Df6 16.c3 Tab8.

8.g3 Sc6 9.Lg2 Dd7 10.b4!? d5 Wenn 10...Sxb4 11.Tb1 c5 dann 12.f4!

11.b5 Sd4 Beachtung verdient 11...Se7 12.d4 c5 13.bxc6 Sxc6 mit dynamischem Gleichgewicht.

12.Dd3 c5 13.0–0 0–0–0 Auf 13...Le7 könnte 14.f4 folgen und nach 14...g6 15.Lb2 0–0 dann 16.f5!? gxf5 und 17.Sa4.

14.Te1 14.Tb1 wäre eine Alternative.

14...h5 Ist oft als Profilaxe wie 14...Kb8 nützlich.

15.h4 g5!? Der junge Chinese gießt Öl ins Feuer!

16.b6 a6 16...gxh4?! 17.bxa7 wäre nichts für schwache Nerven: 17...Kc7 18.Lb2 Tg8 19.a4 Ta8 20.Sb5+ Sxb5 21.Lxf6 Sxa7 22.Lxh4 mit klarem Vorteil für Weiß.

17.hxg5 Sg4 18.Scxd5 h4 Das Endspiel nach 18...Sxe3 19.dxe3 Lxd5 20.exd4 Lxg2 21.Kxg2 h4 (21...Dd5+ 22.De4 cxd4) 22.dxc5 wäre zweifellos zu Gunsten von Weiß zu bewerten.

19.Sc7? Vorteil versprach 19.Sxg4!

19...h3 20.Lxb7+?? Verlockend, aber falsch. Vorzuziehen wäre 20.Sxg4! hxg2 (20...Lxg4 21.Le4) 21.Sxe6 Th1+ 22.Kxg2 Txe1 (22...Dc6+ 23.Te4 Sxe6 24.Se5 Dxb6 25.De3 Th7 26.Sxf7) 23.Sxd8 Dxg4 24.Lb2 (24.Sxf7?? Dh5) 24...Txa1 25.Lxa1 Kxd8 26.Lxd4 (26.c3?? Df5) 26...cxd4 27.Dc4 Dd7 28.f4 und Remis wäre das erwartete Ergebnis.

20...Kxb7 21.Dxa6+ Kc6 22.Sxg4 22.Tf1 hilft auch nicht: 22...h2+ 23.Kh1 Sxe3 24.dxe3 Lg4 25.f3 Df5!

22...Lxg4 23.b7+ Oder 23.Te3 h2+ 24.Kh1 Df5.

23...Kxc7 24.Da5+ Kb8 25.Da8+ Kc7 26.Da5+ Kd6 27.Db6+ Kd5 28.Te3 28.c4+ bringt nichts: 28...Kxc4 29.Kh2 Dd6.

28...h2+ 29.Kh1 Dc6 30.Tb1 30.c4+ Kxc4+.

30...Dxb6 31.Txb6 Ld6 32.Lb2 Tde8! Weiß verliert noch mehr Material. 0–1


Carlsen (2840) - Giri (2773)

Diagramm

49.Tf5 Das Material ist gleich und knapp und trotzdem ist die schwarze Lage kritisch. Die Gründe dafür: 1. Die Schwäche der beiden Bauern auf e5 und h5. 2. Der offene schwarze König als Objekt für einen Angriff.

49...e4? GM Giri versucht sich aktiv zu verteidigen, was sich konkret aber als Fehler erweist. Richtig war sich passiv mit 49...Th6 50.Tb5 Ke6 51.Tg5 Kd6 zu verteidigen.

50.Txh5! e3?? Konsequent mit Folgen! Einzig war 50...Kf8 51.Lh3 Tee7 52.Tdf5+ Kg8 (52...Tf7 53.Lg2) 53.Tfg5+ Kf8 54.Lg2 mit klarem Vorteil für Weiß.

51.Th7+ Ke8 52.Txc7 e2 53.Lf3!! e1D 54.Lh5+ Kf8 55.Tf5+ Kg8 56.Lf7+?? Unglaublich! Das Phänomen „doppelte Blindheit“ tauchte hier auf! Bei der Pressekonferenz teilten beide Spieler mit, dass sie das folgende Matt nicht gesehen haben! 56.Tc8+ Kg7 57.Tf7+ Kh6 58.Th8 matt.

56...Kh8 57.Th5+ Kg7 58.Lxe6+ Kf6 59.Th6+?? Das nächste Versäumnis! 59.Lc4! könnte immer noch zum Sieg führen: 59...Dd2+ (Oder 59...Se5 60.Th6+ Kf5 61.Ld3+ Kg4 62.Tg7+ Kf3 63.Tf6+ Ke3 64.Lf1) 60.Kh3 Se5 61.Lb3.

59...Ke5 60.Lh3 Dd2+ 61.Lg2 Dxh6 62.Txc6 Dh7 63.Tc4 Kf6 64.Tg4 Dd7 65.Tg5 Dc7 66.Tb5 Dc2 67.Tb6+ Kg7 68.Te6 Da2 69.Te7+ Kf6 70.Te4 Kg7 71.Kh3 Df7 72.Te2 Df5+ 73.Kh2 Df6 74.Le4 Df1 75.Tc2 De1 76.Lf3 Df1 77.Lg2 De1 Weltmeister Carlsen konnte in den nächsten 40 Zügen den materiellen Vorteil nicht realisieren. ½–½

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog