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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6903 vom 16.06.2017, Kategorie Kolumne

Europa-Einzelmeisterschaft in Minsk

Am 30.Mai startete in Minsk, der Hauptstadt von Weißrussland, die Europa-Einzelmeisterschaft im klassischen Schach. Um den Preisfond von 100.000 Euro und die ersten 22 Plätze (Qualifikation für den Weltcup) kämpfen fast 400 Teilnehmer, die meisten davon aber aus dem Gastgeberland, Russland oder Ukraine. Das ist natürlich fraglich, ob so ein Turniermodus im Schweizersystem (11 Runden) ohne Einschränkungen bei der Teilnahme einem Prestigeturnier wie Europameisterschaft angemessen ist. Es fehlen auch leider einige Spitzenspieler. Das Turnier unterscheidet sich daher kaum von einem Gibraltar-Open oder Aeroflot-Open.

Österreich ist stark vertreten, fast die komplette Nationalmannschaft, mit Ausnahme von GM Shengelia und IM Kreisl, ist am Start. Während für Österreichs Nummer 1, GM Markus Ragger, das Ziel nach oben gerichtet ist (Podest oder zumindest unter die Top 22), ist für den Rest (IM Dragnev, IM Schreiner, IM Diermair, IM Fröwis und IM Kessler) die Jagd nach einer Großmeisternorm  angesagt! Als Vorgeschmack bieten wir eine fantastische Partie von IM Georg Fröwis, der den starken Polen GM Bartel mit Schwarz bezwang!

GM Bartel (2637) – IM Fröwis (2432)

1.c4 e6 2.Sf3 d5 3.d4 Sf6 4.Lg5 dxc4 5.Da4+ Sbd7 6.Sbd2 a6 7.Dxc4 c5 8.e4 b5 9.Dc2 Db6 10.a4 Lb7 11.axb5 axb5 12.Txa8+ Lxa8 13.Le2 Le7 Beachtung verdient 13...c4!? und wenn 14.b3 dann 14...Lb4 15.bxc4 Sxe4 16.Le3 Sxd2 17.Sxd2 bxc4 18.Dxc4 0–0 19.0–0 mit Ausgleich.

14.0–0 0–0 15.d5 h6 16.Lh4 g5 17.dxe6 Dxe6 18.Lg3 g4!? Interessanter Zwischenzug! Sofort 18...Sxe4 geht auch: 19.Lxb5 Sxg3 und hier hätte Weiß den Zwischenzug 20.Te1! Df6 21.Lxd7 Sh5 22.g3 Td8 23.Se5 mit komplizierter Position.

19.Sh4 Sxe4 20.Lxb5 Sxg3 21.fxg3 Damit erhält der Springer das Feld f5. Der Nachteil ist natürlich die Schwächung der Königsposition. Auf 21.hxg3 folgt wie in der Partie 21...Lg5.

21...Lg5 22.Sf5 Sb6 Die Alternative war 22...Se5 23.Sc4 Td8 24.Dc3 f6 mit dynamischem Gleichgewicht.

23.Dc3 f6 24.Tf2?! Kleine Ungenauigkeit mit Folgen. Richtig war zuerst 24.Dd3 um Td8 zu verhindern. 24...Kh8 25.Tf2.

24...Td8 25.Sf1 Der c5–Bauer hängt schon.

25...c4 26.Db4? Nun übernimmt Georg endgültig die Initiative! 26.Da5!? könnte die Balance halten.

26...Le4! 27.S5e3 Die letzte praktische Chance war 27.Dc5 Lxf5 28.Dxf5 Dxf5 29.Txf5 Td1 30.Kf2 Tb1 31.Tc5 Txb2+ 32.Ke1 Tb4 33.Kd1.

27...Ld3 28.Dc5 Lxf1 29.Sxf1 Td1 30.Df5 30.Kh1 Le3 31.Df5 Dxf5 32.Txf5 Ld4 wäre Zugumstellung.

30...Dxf5 31.Txf5 Le3+ 32.Kh1 Ld4 33.h3 Lxb2 34.Kh2 Le5? Ungenau. Stark war 34...Ld4! und der f1–Springer wäre aus dem Spiel.

35.Se3 c3! 36.Tf2 36.Sxd1?? c2.

36...Te1 Kritisch ist 36...Tb1 37.Ld3 Tb2 38.Tc2 und nun 38...h5 (Die andere Möglichkeit ist 38...gxh3 39.gxh3 Sd7) 39.hxg4 h4 40.Kh3 hxg3 41.Txb2 cxb2 42.Sc4 Sa4 43.g5 mit guten Remischancen.

37.Te2 Tc1 38.Tc2 38.hxg4!?

38...Te1 39.Sxg4? Manchmal ist Optimismus, wie in dieser Situation, kontraproduktiv. Warum nicht 39.Te2 mit Zugwiederholung?

39...Ld4! 40.h4 40.Sxh6+? funktioniert wegen 40...Kh7 41.Sf5 Lg1+ 42.Kh1 Sd5! nicht. Weiß wäre in Zugzwang: 43.g4 Sb4; Oder 40.Sf2 Kg7 41.Sd3 Tb1 42.Lc6 Sc4 43.Tc1 Txc1 44.Sxc1 c2 mit Figurengewinn.

40...Kg7 41.Sf2 Sd5 42.Sd3 Tb1 43.La4 Se3 44.Te2 44.Tc1 Txc1 45.Sxc1 c2 und weiß verliert Figur.

44...Sg4+ 45.Kh3 h5 46.Te1 Txe1 47.Sxe1 Lg1! Es droht Sf2 matt!

48.Sd3 f5 49.Lb3 Kf8 50.La4 Ke7

Diagramm

Fantastisches Finale! Weiß ist im Zugzwang: 50...Ke7 51.Lc2 Kd6 52.Lb3 Kc6 53.La4+ Kd5 54.Lb3+ Kd4 55.Lc2 Ke3 56.Lb1 Kd2. 0–1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog