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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6905 vom 23.06.2017, Kategorie Kolumne

GM Matlakov ist neuer Europameister

Der 26-jährige Großmeister aus St. Petersburg, Maxim Matlakov, gewann die Einzel-Europameisterschaft in Minsk. Nach 11 Runden kam es zu einer Punkteteilung zwischen GM Jobava, GM Fedoseev und ihm, aber die Zweitwertung fiel zu seinen Gunsten aus. Der noch wenig bekannte Wirtschaftsstudent, der schon der 2700-Liga angehört, beendete das Turnier ohne Niederlage und zeichnete sich mit einer soliden positionell-aktiven Spielweise aus.

Aus österreichischer Sicht  war Minsk kein gutes Pflaster. Die heimische Nummer 1, GM Markus Ragger, war fern von seiner üblichen Form, musste wegen einer Erkältung die letzte Runde auslassen und beendete das Turnier auf dem enttäuschenden 191. Platz mit einem bitteren Verlust von 20 Elo-Punkten. Der aufstrebende Wiener, IM Dragnev, kam auch nicht richtig in Fahrt und verliert 13 Elo-Punkte. Während IM Schreiner ungefähr seiner Leistung spielte, konnten die anderen Österreicher (IM Diermair, IM Fröwis und IM Kessler) einige Elo-Punkte dazugewinnen.

Matlakov (2714) - Ponkratov (2590)

1.d4 Sf6 2.c4 c5 3.d5 g6 4.Sc3 Lg7 5.e4 0–0 5...d6 ist die übliche Fortsetzung.

6.Sf3 6.e5 wäre verfrüht. Weiß kann das Zentrum (Punkt e5) nicht halten: 6...Se8 7.Sf3 (7.f4 d6 8.Sf3 Lg4) 7...d6 8.Lf4 Lg4 9.exd6 Sxd6.

6...e6 7.e5 Sg4!? 8.Sg5 Der Bauer e5 ist nicht zu halten: 8.Lf4 exd5 9.Dxd5 Te8 10.Le2 Sc6.

8...Sxe5 9.f4 h6 10.fxe5 hxg5 11.h4! Die einzige Chance auf Angriff ist die h-Linie!

11...gxh4?! Diese Ungenauigkeit erleichtert die weiße Attacke. Kritisch für die Variante wäre 11...exd5!? 12.Lxg5 (Wenn 12.Sxd5 dann 12...gxh4 13.Dg4 und 13...Te8) 12...Da5 13.Dxd5 Sc6 14.h5 Sb4 15.Dd2 Lxe5 16.Le2 Ld4 mit unklarer Position.

12.Dg4 Lxe5 Für 12...exd5 war es zu spät: 13.Lg5 De8 (13...f6 14.Dxh4 fxg5 15.Dh7+ Kf7 16.Ld3) 14.0–0–0 Dxe5 15.Dxh4 Te8 16.Dh7+ Kf8 17.Lh6 Lxh6+ 18.Dxh6+ Dg7 19.Dh8+ Dg8 20.Sxd5 und Weiß gewinnt zumindest Material.

13.Se4! Wichtiger Zwischenzug! 13.Lg5? wäre wegen 13...Lg3+ 14.Kd1 f5! 15.Lxd8 fxg4 16.Le7 Tf7 17.Lxc5 d6 fehlerhaft, mit klarem Vorteil für Schwarz.

13...exd5? Der entscheidende Fehler.

14.Lg5 f6 Auf 14...Da5+ folgt einfach 15.Kd1.

15.Dxh4 Kf7 16.cxd5! Unklar war 16.Dh7+ Ke6 17.cxd5+ Kxd5 18.Le3 (18.0–0–0+ Kc6 19.Le3 b6) 18...Kc6 19.Sxc5 Lxb2.

16...Ke8 16...fxg5 17.Dh7+ Ke8 18.Dxg6+ Tf7 19.Lc4! d6 20.Tf1 De7 21.Kd2! Lf4+ (21...Sd7 22.Tae1) 22.Txf4 gxf4 23.Sxd6+ Kd7 24.Sxf7 und Weiß wird gewinnen.

17.Dh7 De7 17...fxg5? 18.Dxg6+ Tf7 19.Lc4 wie die Variante oben. Beachtung verdient aber 17...Db6!? 18.Dxg6+ Kd8 19.d6 (Nach 19.Dg7 Te8 20.Th8 Db4+! 21.Sd2 Txh8 22.Dxh8+ Kc7 23.Lxf6 Lxf6 24.Dxf6 d6 hätte Schwarz das Schlimmste hinter sich.) 19...Dxb2 20.Dxf6+!! Lxf6 21.Lxf6+ Dxf6 22.Sxf6 Sc6 23.0–0–0 Sd4 24.g4 Se6 25.Th6 und Schwarz wäre gelähmt. Der Versuch mit 25...b5 26.Lxb5 Tb8 27.Lc4 Tb4 Gegenspiel zu organisieren verspricht nicht viel: 28.Lxe6 dxe6 29.g5 mit klarerer Überlegenheit für Weiß.

18.Dxg6+ Df7 19.Df5 Lg3+ Das Endspiel nach 19...fxg5 20.Dxe5+ De7 21.Dxe7+ Kxe7 22.Th7+ Kd8 23.0–0–0 b6 24.Sxg5 La6 25.Sf7+ Kc7 26.Lxa6 Sxa6 27.d6+ Kc8 28.Se5 wäre kaum erstrebenswert für Schwarz.

20.Sxg3 fxg5 21.Dxf7+ Kxf7 22.0–0–0! d6 22...Ke8 23.Se4 b6 24.Sxg5 La6 25.Lxa6 Sxa6 26.Th7 mit großen Problemen für Schwarz.

23.Se4 23.Te1! wäre vielleicht noch stärker: 23...Sa6 24.Th7+ Kg8 25.Tee7.

23...Sd7 Nach 23...Ke7 24.Th7+ Kd8 25.Sxd6 wird die Schwäche der siebenten Reihe entscheidend.

24.Sxd6+ Ke7 25.Se4 b6 26.d6+ Kd8 27.Sxg5 Sf6

Diagramm

28.d7! Feine Lösung! Weiß gewinnt die Qualität.

28...Lxd7 29.Se6+ Ke7 30.Sxf8 Txf8 31.Lc4 Schwarz steht vor weiteren materiellen Verlusten. 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog