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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6914 vom 01.09.2017, Kategorie Kolumne

Neuer Staatsmeister: Andreas Diermair

In Abwesenheit von Titelverteidiger GM David Shengelia und Österreichs Nummer 1, GM Markus Ragger, sollte die Staatsmeisterschaft in Hotel Nova Park in Graz vom 12. bis 20. August mit Spannung umkämpft werden. Nach 5 Runden schien aber die Frage nach dem neuen Staatsmeister fast geklärt zu sein: IM Andreas Diermair hatte 100% und einen ganzen Punkt Vorsprung! Seine Niederlage (unsere heutige Analyse) in der siebenten Runde gegen den Wiener Harald Schneider Zinner machte alles wieder offen. In der Schlussrunde hatten fünf Spieler die theoretische Chance den Meistertitel zu holen. Während vier davon gegeneinander den Punkt teilten, konnte sich Andreas Diermair gegen Ex-Staatsmeister IM Fröwis mit Weiß durchsetzen und Gold holen! Silber ging an den 21-jährigen IM Christoph Menezes und Dritter wurde IM Harald Schneider Zinner vom Schachklub Ottakring!

Diermair (2475) - Schneider-Zinner (2396)

1.d4 Sf6 2.c4 b6 3.Sc3 Lb7 4.f3 d5 5.cxd5 Sxd5 6.e4 Sxc3 7.bxc3 e5 8.a3 Verhindert Lf8–b4+ nach einem Tausch auf d4.

8...Sd7 9.Sh3 Ld6 Der andere Plan war 9...Le7 nebst kurzer Rochade.

10.Lg5 f6 11.Le3 De7!? Die Botschaft ist schon angedeutet: Lange Rochade ohne Rücksicht auf Verluste! 11...0–0 wäre die ruhige Option.

12.Lc4 0–0–0 13.0–0 g5 14.Sf2 h5 15.a4 a5 Die Blockade ist die natürliche Antwort. Unnötig wäre das Vorschnelle 15...g4: 16.a5 f5 17.axb6 axb6 18.La6.

16.De2 16.h3 hätte einerseits g5–g4 erschwert, schwächt aber andererseits die Königsstellung.

16...Tde8! Starker Zug. Schwarz erhöht den Druck auf der e-Linie, falls diese geöffnet wird. Beachtung verdient jetzt 16...g4!?

17.La6 Der Zug ist plausibel, hat aber den Nachteil, dass das Feld g8 frei für die schwarzen Türme wird.

17...f5! Damit gewinnt Schwarz mehr Raum am Königsflügel.

18.Lxb7+ Kxb7 19.Db5 Der Damenausflug ist verlockend. Das Problem dabei ist, dass die Dame allein nichts ausrichten kann!

19...f4 20.Ld2 Teg8 21.Kh1 g4 22.Tab1 Auf 22.Sd3 könnte 22...Tg7 folgen und nach 23.dxe5 Sxe5 24.Sxf4 gxf3 25.gxf3 Dh4 26.De2 Thg8 hätte Schwarz alle Figuren für den Angriff aktiviert.

22...Tg7 Eine andere Idee war 22...Dg7 23.Tg1 Th6 nebst Th6–g6.

23.Sd3 Weiß hat keine Zeit für 23.Dxa5??: 23...gxf3 24.gxf3 Dg5 25.Tg1 Dxg1+ 26.Txg1 Txg1+ 27.Kxg1 bxa5.

23...Thg8 24.Se1 Wenn 24.Tg1 dann 24...Tg5 und De7–g7.

24...h4 Möglich war auch 24...gxf3 25.Txf3 exd4 26.Lxf4 Lxf4 27.Txf4 dxc3 28.Dxh5 (28.Tc1 Da3) 28...Dd6 29.Dd5+ Dxd5 30.exd5 Tg4 mit klarem Übergewicht für Schwarz im Endspiel.

25.fxg4 Txg4 26.Dd3? Dieser natürliche Zug verliert. Aber jeder Rat ist hier schon teuer: 26.h3 T4g5 27.Dd3 Dg7 28.Tf2 Tg3 29.Df1 exd4 30.cxd4 Dxd4.

26...Dg7 27.Tf2

Diagramm

27...Tg3!! Das Motiv ist bekannt, aber die folgende Kombination ist nicht leicht durchzurechnen!

28.hxg3 Wenn 28.Df1 dann 28...exd4 29.cxd4 und 29...Dxd4! 30.Te2 T3g7 mit materieller und positioneller Überlegenheit für Schwarz. ]

28...hxg3 29.Tf3 Sc5!! Die Pointe!

30.Dc4 Nach 30.dxc5 Lxc5 muss Weiß die Dame geben: 31.Dd5+ (31.Le3 fxe3) 31...Ka7 32.Dxc5 bxc5 33.Kg1 Th8 34.Sd3 Dh7 35.Sf2 gxf2+ 36.Kxf2 Dxe4 mit Gewinn. 30.Dc2 könnte die Stellung verkomplizieren: 30...Dh7+ 31.Kg1 Sxe4! 32.dxe5 Th8 33.Kf1 Sxd2+ 34.Ke2 Sxb1 35.Dxh7 Txh7 36.exd6 cxd6 mit gewonnenem Endspiel.

30...Dh7+ 31.Kg1 Th8 32.Kf1 Dxe4 33.Kg1 Dh7 33...Dxb1 reicht auch: 34.dxe5 Le7 35.Dxf4 Se4.

34.Kf1 34.Txb6+ cxb6 35.Kf1 De4.

34...Dxb1 35.dxc5 Weiß hat keine Verteidigung mehr: 35.Ke2 exd4 36.Dd5+ Ka7 37.cxd4 Te8+ 38.Kf1 Dh7. Oder 35.dxe5 Dd1 36.Kg1 Dxd2.

35...Dd1! 36.Dd5+ Kb8 37.Kg1 Lxc5+ 38.Dxc5 bxc5 0–1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog