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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6920 vom 13.10.2017, Kategorie Kolumne

Aronian gewinnt den Weltcup

Dieses Jahr war für GM Levon Aronian sehr erfolgreich. Nach Siegen  beim Grenke Chess Classic, Norway Chess Turnier und dem Blitz Turnier in Saint Louis verbuchte er noch einen wichtigen Sieg auf seinem Konto: Den Weltcup in Tiflis (Georgien). Das nötige Quäntchen Glück war auf seiner Seite. Im Semifinale geriet er im Stichkampf (nach 1-1 im klassischen Schach) gegen den stark spielenden GM  Vachier Lagrave in Rückstand. In der folgenden Partie (unsere heutige Analyse) konnte er durch ein taktisches Figurenopfer ausgleichen. Während im anderen Halbfinale sich GM Ding Liren schon gegen Wesley So im Stichkampf durchsetzte, musste Aronian über die volle Distanz gehen. In der entscheidenden Blitzpartie versäumte der Franzose zweimal die Remisabwicklung und verlor. Im Finale setzte sich Aronian im Stichkampf verdient mit 2-0 (nach 4 Unentschieden) durch. Beide Finalisten sind für das Kandidatenturnier vom 10. bis 28. März 2018 in Berlin qualifiziert, in dem der Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen ermittelt wird.

Aronian (2802) - Vachier-Lagrave (2804)

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.f3 c5 4.d5 d6 5.Sc3 e6 6.e4 Lg7 7.Sge2 0–0 8.Sg3 a6 9.a4 h5 Schwarz zögert mit dem Abtausch 9...exd5 10.cxd5, was aber früh oder später passieren wird.

10.Lg5 Dc7 11.Dd2 exd5 12.cxd5 Sh7 13.Lh6 h4 14.Lxg7 Kxg7 15.Lc4!?

Diagramm

Aronian packt diese Neuerung im richtigen Moment aus: Er braucht unbedingt den Sieg.

15...hxg3 Schwarz könnte natürlich ablehnen, aber nach 15...Sd7 setzt Weiß bequem mit 16.Sf1 nebst Sf1–e3 fort.

16.hxg3 Th8 Beachtung verdient 16...g5!? 17.0–0–0 (17.Txh7+ wäre zu optimistisch: 17...Kxh7 18.Dxg5 f6) 17...Dd8 18.f4 und die Lage bleibt unklar.

17.e5 De7 17...dxe5? wäre wegen 18.d6 Da5 19.Dh6+ Kf6 (19...Kg8?? 20.Dxg6+) 20.g4 mit der tödlichen Drohung g4–g5 ein Fehler.

18.0–0–0 Interessant war 18.e6!? Sd7 19.Dh6+ Kg8 20.0–0–0 Sdf8 (20...Dg5+ 21.Dxg5 Sxg5 22.Txh8+ Kxh8 23.exd7 Lxd7 24.f4 Sh7 25.Se4 b5 26.Le2 bxa4 27.Sxd6 Kg7 28.g4 mit leichtem Plus für Weiß im Endspiel.) 21.exf7+ Dxf7 22.Se4 mit Kompensation für die Figur.

18...Sd7 Natürlich nicht 18...Dxe5?? 19.Tde1 Dg5 (oder 19...Dd4 20.Dh6+ Kf6 21.Th4) 20.Txh7+.

19.exd6 19.e6!? Sdf8 (19...Se5 20.Dh6+ Kg8 21.Le2 und es droht unangenehm f3–f4. Spielbar ist noch 19...Sdf6. Zum Beispiel: 20.Dh6+ Kg8 21.g4 b5 22.axb5 axb5 23.Sxb5 Ta1+ 24.Kc2 Txd1 25.Kxd1 Se8) 20.Dh6+ Kg8 21.exf7+ Dxf7 22.Se4 wäre die Variante oben.

19...Dxd6 Vorsichtiger wäre 19...Df8 wonach die Stellung extrem kompliziert bleibt.

20.Se4 De5 GM Vachier Lagrave verteidigt sich aktiv. Die passive Option wäre 20...Df8 21.d6 (21.Dc3+ bringt wenig: 21...Kg8 22.d6 Dg7 23.Tde1 Dxc3+ 24.bxc3 Kg7) 21...Shf6 22.Sxf6 Sxf6 23.g4 b5 24.g5 Sh7 25.Dc3+ Kg8 26.Ld5 Tb8 27.axb5 axb5 28.Th6 Dg7 29.De3 Ld7 30.De7 Sxg5 31.Txh8+ Kxh8 32.Dxd7 Df6 mit Vorteil für Weiß.

21.d6! Auf 21.Tde1 folgt 21...Shf8 und nach 22.Txh8 Kxh8 23.Sg5 Dd4 (23...Df6? 24.d6) 24.Sxf7+ Kg8 bleibt nichts anderes übrig als die Damen zu tauschen: 25.Dxd4 cxd4 26.Sd6 b5 27.axb5 axb5 28.Sxb5 Sb6 und Schwarz hält die Balance.

21...g5? Schwarz begibt sich damit in echten Schwierigkeiten!

22.The1! GM Aronian verlagert das Spiel ins Zentrum und speziell gegen die schwarze Dame.

22...b5 Nach 22...Df5 23.Sf2! (23.Dc3+ De5) 23...Shf6 (23...Se5 24.Sg4!) 24.Sg4 Sxg4 25.fxg4 Dg6 26.Te7 Tf8 27.Tf1 Sf6 28.Te5 Sh7 29.d7 Lxd7 30.Dxd7 gewinnt Weiß die Figur zurück und behält die Initiative.

23.Ld5 Tb8 24.f4 Dd4? Der letzte Fehler. Eine praktische Chance bot noch 24...Df5 25.Dc3+ Sdf6 26.d7 b4! 27.dxc8D Tbxc8 28.Dc4 Tcd8.

25.De2 Db4 26.Dh5 26.Dh5 Der Punkt f7 ist angegriffen und wenn 26...Tf8 dann einfach 27.Th1 mit matt auf der h-Linie.1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog