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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 6923 vom 03.11.2017, Kategorie Kolumne

Auftakt in der deutschen Bundesliga

Am Wochenende (21. und 22. Oktober) startete die deutsche Schachbundesliga. Der Titelverteidiger Baden Baden, ohne die Spitzenspieler GM Caruana und GM Aronian, gewann trotzdem wenig überraschend die ersten beiden Runden.

In der zweiten Runde kam es zu einem österreichischen Derby: GM Markus Ragger (Solingen) gegen IM Dragnev (Bayern München). Die hart umkämpfte Partie endete friedlich. Der dritte österreichische Legionär IM Peter Schreiner (Schachfreunde Berlin) kam nicht zum Einsatz. Heute die Partie vom Spitzenbrett von  Hamburg gegen Dresden aus der 1. Runde.

Duda (2706) - Eljanov (2720)

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.c3 Sf6 5.d3 d6 6.Lb3 0-0 7.h3 a6 8.Sbd2 Le6 9.Lc2 d5 10.De2 h6 11.g4!? Weiß, verzichtend auf die kurze Rochade, versucht den letzten schwarzen Zug auszunutzen. Der Hebel g4-g5 hängt in der Luft.

11...Sh7 Schwarz lässt g4-g5 nicht zu.

12.Tg1 Gehört zum Plan.

12...d4 Ein anderer Plan wäre 12...b5 und nach 13.h4 dann 13...Le7. Zum Beispiel: 14.exd5 Lxd5 15.Lb3 Lxb3 16.Sxb3 Dd5 17.g5 h5 18.De4 Tad8 19.Dxd5 Txd5 20.d4 exd4 21.Sbxd4 Sxd4 22.Sxd4 Lc5 23.Le3 Lxd4 24.Lxd4 Te8+ 25.Kf1 c5 26.Le3 Sf8 und Schwarz hat das Kommando.

13.Sb3 Le7 Was hat Weiß erreicht? Der Hebel g4-g5 funktioniert nicht. Die lange Rochade wäre ungesund, da marschieren die schwarzen a- und b Bauern. In der Not entscheidet sich GM Duda vielleicht für die beste praktische Möglichkeit!

14.Sxe5!?

Diagramm

Objektiv inkorrekt, aber die Stellung spielt sich für Weiß leichter als mit Schwarz. Und zuletzt darf der Faktor Zeit nicht vergessen werden! Eine Alternative wäre 14.cxd4 exd4 15.Kf1 um den König doch noch am Königsflügel zu verstecken.

14...Sxe5 15.Sxd4 c5 16.Sf5 Kh8 Nach 16...Lxf5? 17.gxf5 Kh8 18.f4 Sc6 19.e5 Lh4+ 20.Kf1 wäre das weiße Zentrum schwer zu blockieren.

17.f4 Sc6 GM Eljanov verbrauchte schon viel Zeit. Offensichtlich konnte er sich nicht für 17...Lh4+ 18.Kf1 Sc6 19.Le3 b6 20.Sxh4 Dxh4 21.Kg2 entscheiden.

18.Le3 Tc8 18...b6 kam auch in Frage.

19.Sxe7 Dxe7 20.Df2 b6 21.h4 f6 Der taktische Versuch 21...Sf6 22.f5 Se5 scheitert an 23.Df4! (aber nicht 23.fxe6 Sfxg4 24.Dg3 fxe6 und wenn 25.Lf4 Txf4! 26.Dxf4 Tf8 27.Txg4 Txf4 28.Txf4 Dd6 und Weiß wäre in Schwierigkeiten.) 23...Ld7 24.0-0-0 und der früh geplante Vorstoß g4-g5 wird real.

22.f5 Lg8 23.0-0-0 Unangenehm für Schwarz. Die Drohung g4-g5 ist stärker als ihre Durchführung. Das Forcieren 23.g5 fxg5 24.hxg5 hxg5 25.Th1 g6 kommt eher dem Schwarzen entgegen.

23...Se5 Natürlich zog GM Eljanov auch 23...Lxa2! in Betracht und das kostete wieder Zeit. Die Varianten wären aber schwer zu berechnen.

24.Tg3 Nützlich, da der d1-Turm ins Spiel kommt, aber 24.Kb1! wäre besser.

24...Tfd8? 24...Lxa2! 25.g5 fxg5 26.hxg5 Sxg5 27.Lxg5 hxg5 28.Th1+ Kg8 29.Dh2 Tc6 30.Dh7+ Kf7 31.b3 c4 32.Dh5+ g6 33.fxg6+ Sxg6 34.Txg5 cxb3 35.Txg6 Da3+ 36.Kd2 Txg6 37.Dd5+ Kg7 38.De5+ Tff6 39.Dc7+ Tf7 40.De5+ mit Dauerschach!

25.g5 fxg5 Sogar hier war 25...Lxa2 das Gebot der Stunde: 26.gxh6 gxh6 27.Lxh6 Tg8 28.Tdg1 Txg3 29.Txg3 Tg8 30.b3 Df7 31.Kb2 Sg4 32.Txg4 Txg4 33.Kxa2 Dh5 34.Lf4 Dxh4 35.Dxh4 Txh4 36.Lc7 b5 37.Ld6 Sg5 38.Lxc5 Th2 39.Kb1 Sf3 und Schwarz wäre wieder im Spiel.

26.hxg5 hxg5 27.Txg5! Df7 28.Dg3? Ungenau. 28.Tg2! wäre stärker.

28...Sc6? GM Eljanov hatte schon wenig Zeit und verliert völlig die Kontrolle! Mittels 28...Sxd3+! könnte Schwarz in der Partie bleiben: 29.Txd3 Txd3 30.Lxd3 Sxg5 31.Lxg5 Dh5.

29.Lb3 De7 30.Th5 Nun ist es vorbei.

30...c4 30...Lxb3? verliert gleich nach 31.Tdh1 Kg8 (31...Lg8 32.Dg6) 32.Txh7.

31.Lxc4 Se5 32.Lg5 Dd6 33.Lf4 Tc5 34.Ld5 Lxd5 Oder 34...Txd5 35.exd5 Te8 und 36.d4.

35.Lxe5 35.Lxe5 De7 36.Tdh1 Lg8 37.Dg6 Txe5 38.Txh7+ Lxh7 39.Dxh7 matt. 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog