Wiener Zeitungs Schachergebnisserver - Kolumne
Schach Homepage Swiss-Manager Homepage Österreichischer Schachbund Homepage Wiener Zeitung Homepage CMS-Version 08.07.2018 14:00, Logged on: Gast Suche Impressum Sitemap Login Logoff Kontakt
 Home   Österreich   Welt   Kolumne   Meisterschaft   Turnier-DB   Archiv   Turnierkalender   Links   Datenpflege 

Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 7064 vom 27.04.2018, Kategorie Kolumne

Grenke Chess Open & Classic

Den Beitrag, den die Firma Grenke seit geraumer Zeit in Deutschland zur Entwicklung und Popularisierung des königlichen Spiels leistet, ist grandios! Der "Gipfel des Eisbergs" ist das Sponsoring des Bundesliga Rekordmeisters OSG Baden Baden (Damen und Herren) und zuletzt des Aufsteigers aus Deizisau. Der Höhepunkt ist heuer aber natürlich das Großereignis „Grenke Chess Open & Classic“ vom 29. März bis 9. April in Karlsruhe. Knapp 1.500 Spieler, geteilt in drei Gruppen, nahmen teil! Den A-Bewerb (um die 800 Teilnehmer)  und 15.000 Euro Preisgeld, gewann das 13-jährige Talent aus Deutschland, Vincent Keymer, mit 8 Punkten aus 9 Partien, auch Schützling der Firma Grenke! Nebenbei klassifizierte sich der junge Mann für den Hauptbewerb „Grenke Classic 2019“.

Die Stars im Classic Chess fingen erst 31. März an und da kam es schon in der ersten Runde zum Kracher: Carlsen-Caruana, der Weltmeister gegen den frischgebackenen Herausforderer. Der Amtsinhaber probierte alles, aber der Amerikaner verteidigte sich zäh und teilte den Punkt. Danach agierte GM Caruana befreiter und locker, als hätte er kein Kandidatenturnier eine Woche davor bestritten und setzte sich mit einem ganzem Punkt Vorsprung vor dem Norweger an der Spitze.

Endstand nach 9 Runden:
1.GM Caruana 6,5 Punkte.
2.GM Carlsen 5,5.
3.GM Vachier-Lagrave 5.
4.GM Vitiugov 5.
5.GM Aronian 5.
6.GM Bluebaum 4,5.
7.GM Naiditsch 3,5.
8.GM Anand 3,5.
9.GM Hou Yifan 3,5.
10.GM G.Meier 3.

GM Meier (2648) – GM Caruana (2784)

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.Lxc6 dxc6 5.0–0 Df6 Der e5–Bauer hängt schon und muss gedeckt werden. Nach Häufigkeit werden folgende Züge gespielt: 5...f6, 5...Lg4, 5...Ld6 und 5...Dd6, erst dann kommt der Textzug.

6.d4 exd4 7.Lg5 Dd6 8.Sxd4 Schwarz hat keine Probleme nach 8.e5 Dg6 (oder 8...Dd5 9.Sxd4 Lc5 10.Sb3 Dxd1 11.Txd1 Le7) 9.Dxd4 Le7 10.Lxe7 Sxe7.

8...Le7 9.Le3 Sh6 10.Dd2 Der Vorteil von 9...Sh6 ist, dass Schwarz schnell zum Konter mittels f7–f5 kommt: 10.f3 0–0 11.Sc3 f5 oder 10.h3 0–0 11.Sc3 f5 (11...Dg6!?).

10...g5!?

Diagramm

Neuerung. Bekannt ist 10...Dg6 11.f3 Ld7 12.Sc3 0–0–0 13.Df2 f6 mit beidseitigen Chancen.

11.Sf3 Tg8 12.h4!? Mutige Entscheidung! Ruhiger wäre 12.Dxd6 cxd6 13.Sc3 (Oder jetzt 13.h4 f6).

12...Dg6 13.hxg5 13.Lxg5?? f6.

13...Sg4 14.Sc3 Präziser war vielleicht sofort 14.Lf4 h6 15.Lxc7 hxg5 und nun 16.Sd4 Th8 und 17.f3

14...h6 15.Lf4 Le6?! Vorzuziehen war 15...hxg5 16.Lxc7 Dh7 17.Se2 Th8 18.Sg3 und erst dann 18...Le6 mit Angriff.

16.Lxc7 Tc8 Wenn jetzt 16...hxg5 dann 17.Sd4 Tc8 18.Lg3 Td8 19.f3! und auf 19...c5 20.Sd5.

17.Lb6 17.Lg3 lässt 17...Td8 zu.

17...hxg5 Schwarz droht das Verdoppeln auf der h-Linie mit matt auf h1!

18.Se2 Erzwungen.

18...c5 18...Th8 19.Tfd1 Dh6 20.Sg3 wäre Zugumstellung.

19.Sg3! Th8 20.Tfd1 Dh6 21.b4?! Fragwürdig. Beachtung verdient 21.a4!? Sh2 und 22.Ta3.

21...cxb4 22.Ld4 f6 23.c3 Das war die Idee von Weiß: Den Damenflügel öffnen und Gegenspiel dort und im Zentrum suchen.

23...bxc3 In Betracht kam auch 23...Ld6 24.e5 fxe5 25.Te1 bxc3 26.Lxc3 Lc5 27.Te2 Tf8 und die Lage für Weiß wäre äußerst kritisch.

24.Lxc3 Kf7? Konsolidierend, kostet aber Zeit. Schwarz könnte schon taktisch zuschlagen: 24...Sh2! 25.Se1 (25.Sd4?? Sf1! 26.Kxf1 Lc4+ 27.Sde2 Dh1+ 28.Sxh1 Txh1 matt) 25...Lg4 26.f3 Tc4 27.Kf2 Dh4 mit entscheidendem Angriff.

25.Tac1 Tc4 26.Ld4 b5 Nach 26...Ld6 27.e5 Lxe5 28.Lxe5 Sxe5 29.Sxe5+ fxe5 30.f3 Td4 31.De3 Txd1+ 32.Txd1 g4 verflacht die Spannung und die Bewertung tendiert zum Ausgleich.

27.Da5 Interessant war 27.Txc4 Lxc4 28.Tc1 mit der Idee eines positionellen Opfers Tc1–c4.

27...Sh2 Eine Option war 27...Ld6!? 28.e5 Lxe5 29.Lxe5 Sxe5 30.Sxe5+ fxe5 31.Dxa6 g4 32.Da7+ Kf6 33.De3 Dxe3 34.fxe3 Ta8 mit dem besseren Endspiel für Schwarz.

28.Dxa6?? Der Verlustzug. Richtig war 28.Se1.

28...Sxf3+ 29.gxf3 g4 Schwarz gewinnt nach 29...Dh2+ 30.Kf1 Thc8 einfach.

30.f4 Dxf4 Und noch einmal: 30...Dh2+ 31.Kf1 Thc8.

31.Txc4 bxc4 Auf 31...Lxc4 folgt 32.Db7 und Schwarz hätte nichts Besseres als ins Endspiel zu gehen 32...Db8 33.Dxb8 Txb8 34.Sf5 Lf8 35.Lb2 Le6 36.a3 Kg6 mit leichtem Vorteil.

32.Le3? Die Dame sollte zurück in die Verteidigung. Das geht über a5: 32.Da5! Df3 33.Td2 Th3 34.Dc3.

32...Df3 33.Td6? Interessant, aber taktisch inkorrekt. Einzig war 33.Tb1 Th3 und 34.Da7 Txg3+ 35.fxg3 Dxg3+ 36.Kf1 und nun könnte sich Schwarz entfesseln 36...Kg6!! denn 37.Dxe7 Df3+ 38.Lf2 g3 gewinnt.

33...Th3! 34.Txe6 Txg3+! 35.fxg3 Dxe3+ 36.Kh2 Df2+ 37.Kh1 Df1+ 37...Df1+ 38.Kh2 Dh3+ 39.Kg1 Lc5 matt. 0–1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog