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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 7070 vom 04.05.2018, Kategorie Kolumne

5. Vugar Gashimov Memorial 2018

Der Weltmeister Magnus Carlsen ist unumstritten die Nummer 1 der Welt. Zuletzt tat sich der 27-jährige Norweger r aber schwer Turniere mit klassischer Bedenkzeit zu gewinnen. Beim 5. Vugar Gashimov Memorial in Shamkir (Aserbaidschan)  vom 18. bis 28. April konnte er aber an die früheren Erfolge anknüpfen und gewann mit einem halbem Punkt Vorsprung vor dem wieder stark spielenden Chinesen Ding Liren. Der Schlüssel zum Turniersieg war die siebente Runde, wo er eine ausgeglichene Stellung (wie so oft!) gegen den führenden GM Topalov gewann. Die übernommene Führung festigte er mit einem schönen Punkt mit Schwarz in der 8. Runde gegen GM Giri (unsere heutige Analyse) und remisierte in der 9. Runde ohne Risiko gegen den Verfolger Ding Liren.

Endstand nach 9 Runden:
1.Carlsen 6 Punkte.
2.Ding Liren 5,5.
3.Karjakin 5.
4.Radjabov 4,5.
5.Mamedyarov 4,5.
6.Wojtaszek 4,5.
7.Giri 4,5.
8.Mamedov 4.
9.Topalov 4.
10.Navara 2,5.

Giri (2777) - Carlsen (2843)

1.c4 e5 2.Sc3 Sf6 3.Sf3 Sc6 4.g3 d5 5.cxd5 Sxd5 6.Lg2 Sb6 7.0–0 Le7 Entstanden ist die Drachen-Variante der Sizilianische-Verteidigung mit verkehrten Farben: Weiß spielt quasi "Schwarz" mit einem Tempo mehr.

8.a3 a5 9.d3 0–0 10.Le3 Le6 11.Tc1 a4!? Interessante Gambit-Idee. Häufiger wird hier 11...f5 oder 11...f6 gespielt.

12.Sd2 Wenn 12.Lxb6 cxb6 (12...Lb3 13.Lxc7 Dxc7 14.Dd2 Db6) 13.Sxa4 dann 13...e4 14.Se1 Lg5 15.Ta1 exd3 16.Sxd3 Sd4 mit Kompensation für den Bauern.

12...f5! 12...Sa5 ist spielbar, aber weniger effektiv als der Textzug: 13.Lxb6 cxb6 14.Sxa4 Lg5 15.e3 Dxd3 16.Se4 Dxd1 17.Tfxd1 Ld8 18.Sac3 Lb3 19.Te1 Le7 20.Sd2 Le6 21.Sd5 Lxd5 22.Lxd5 Tfd8 23.e4 Lg5 24.Tc2 Lxd2 25.Txd2 Sc6 26.Kg2 mit nachhaltigem Vorteil für Weiß.

13.Lxb6 cxb6 14.Sxa4

Diagramm

GM Giri nimmt das Bauernopfer mutig an! Im Ausgleichsinne war 14.Sc4 e4 15.Sb5 Lxc4 16.dxc4 (16.Txc4? Ta5 17.Sc3 b5) 16...Dxd1 17.Tfxd1 Lf6 18.f3.

14...Lg5! Die Pointe des ganzen Bauernopfers.

15.Sc3 e4 16.Kh1 Neuerung, die an die Stellungsbewertung nicht viel ändert: Schwarz hat starke Initiative für den geopferten Bauern.

16...Dd7 Interessant war auch 16...Tf7!? 17.f4 exf3 18.exf3 Td7 19.f4 Lf6 20.De2 Sd4 21.Df2 Lf7 mit Kompensation. 16...exd3 könnte Weiß mit 17.f4 Lf6 18.e4 erwidern.

17.Tb1 17.f4 exf3 18.exf3 wäre wegen 18...Le3! nicht so gut. Spannend wäre aber 17.g4!? Zum Beispiel: 17...exd3 (17...fxg4 18.Scxe4 Lh6 19.Tc3 Tf5) 18.f4 Ld8 (18...dxe2 19.Dxe2 Lf6 20.g5 Lxc3 21.Txc3 Tfe8 22.Sc4 Dd4) 19.gxf5 dxe2 20.Dxe2 Lxf5 21.Sc4 mit dynamischem Gleichgewicht.

17...Tad8 18.Sc4 Df7 19.b3 exd3 20.exd3 f4 21.Se4 Schwer zu sagen, welche Figur auf e4 hingehört: 21.Le4 Sd4 22.a4 Le7 23.Se2 fxg3 24.Sxd4 g2+ 25.Kxg2 Txd4 26.De2.

21...Le7 22.gxf4 22.Te1 hält die Bauernstruktur intakt, aber nach 22...f3 23.Lf1 b5 24.Scd2 Dh5 bräuchte man mit Weiß starke Nerven.

22...Dxf4 Schwarz könnte zuerst 22...b5 23.Se5 einschalten und dann 23...Dxf4 nehmen: 24.Sxc6 bxc6 25.Dc2 Ld5 26.Tg1 Dh4 27.Db2 g6.

23.a4 23.Sxb6 Se5 wäre zu gefährlich für Schwarz.

23...Sb4 23...Dh6!?

24.De2 Dh6 Der Übergang ins besseren Endspiel: 24...Lg4 25.De3 (25.f3 Lc8) 25...Sxd3 war für den Weltmeister offensichtlich zu wenig.

25.Tbd1 Sowohl nach 25.d4 Sd5!? (25...Txd4 26.Tbd1) als auch nach 25.De3 Tf4 vermeidet Schwarz die Vereinfachungen.

25...Sd5 26.Tg1 Kh8 sofort 26...Tf4! wäre vielleicht doch besser.

27.Lf1 Auf 27.d4 könnte 27...Tf4 28.f3 Lb4 29.Se5 Th4 30.Lf1 Tf8 folgen.

27...Tf4 Interessant war auch 27...Lf7 28.Dd2 Sf4.

28.Se5 Nach 28.f3 könnte sich der Springer Richtung d4 orientieren: 28...Sb4–c6–d4.

28...Tdf8 28...Th4 29.f3 Se3 30.Td2 Sf5 sieht auch ziemlich gut für Schwarz aus.

29.f3 Th4 30.d4 Sf4 31.Dd2 Lxb3 32.Tb1 Lxa4 33.Lb5 Lxb5 34.Txb5 De6 35.Db2 Ld8 36.Sg5?! Dieser Zug erschwert nur die Lage. Dem Weißen einen Rat zu geben ist hier ganz schwierig: 36.d5 Sxd5 37.Sd3 Tf7 38.De5 Sc7! und Schwarz hätte zwei Bauern mehr.

36...De8 37.Tb3 37.Tb4 ändert nicht viel: 37...Th5 38.Se4 Lc7 39.Sg3 Lxe5 40.dxe5 (40.Sxh5 Dxh5 41.dxe5 Dxf3+) 40...Sd3 41.Dg2 Txe5 42.Se4 De7 43.Tb3 (43.Txb6 Txe4 44.fxe4 Sf2+) 43...Sc5 mit klarem Übergewicht.

37...Lxg5 37...Tf5 38.Se4 Tfh5 war auch sehr viel versprechend.

38.Txg5 Se6 39.Tg4? Tauscht eine Figur, schwächt aber den König noch mehr. Mehr Widerstand könnte 39.Tg1 leisten: 39...Sxd4 40.Te3 Dd8 41.Td3 Dc7 42.Te1 Dc2 43.Dxc2 Sxc2 44.Ted1 mit einigen praktischen Chancen.

39...Txg4 40.fxg4 Dd8! Einfach! Die schwarze Dame kommt über d5 näher an den weißen König heran.

41.Th3? 41.Tf3 hätte die Stellung auch nicht halten können: 41...Txf3 42.Sxf3 Dd5 43.Dc3 h6 44.Kg1 De4 45.Kf2 Kh7.

41...Dd5+ 42.Kg1 De4 43.Db4 Tf6 0–1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog