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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 7074 vom 11.05.2018, Kategorie Kolumne

IM Valentin Dragnev wird Großmeister

Nach Andreas Diermair bekommt Österreich den nächsten Großmeister! Der 19-jährige Wiener Valentin Dragnev erfüllte nach Zadar 2016 und Gibraltar 2017 seine dritte und letzte Großmeisternorm in der deutschen Bundesliga, wo er für SK Bayern München spielt. Der Großmeistertitel wird ihm demnächst vom Weltschachbund (FIDE) verliehen! Damit ergibt sich die historische Gelegenheit bei der nächsten Schacholympiade in Batumi (Georgien) vom 23. September bis 6. Oktober, dass Österreich  mit vier Großmeistern antritt: GM Ragger, GM Shengelia, GM Diermair und GM Dragnev!

IM Dragnev (2482) - GM Olszewski (2538)

1.d4 Den ersten Zug von Valentin Dragnev mit Weiß zu erraten ist nicht leicht! Zu seinem breiten Repertoire gehören sowohl 1.d4 als auch 1.e4,1.c4 und 1.Sf3.

1...Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 4.g3 La6 5.b3 b5 Dieser Zug ist nicht die erste Wahl. Die gängigsten Varianten wären: 5...Lb4+ 6.Ld2 Le7 oder 5...Lb7 6.Lg2 Lb4+ 7.Ld2 a5; und 5...d5 6.Lg2 Lb4+ 7.Ld2 Le7 8.cxd5 exd5.

6.Sbd2 c5 Schwarz könnte weiter den Druck auf c4 mittels 6...Lb4 erhöhen: 7.Dc2 (7.Lg2 wäre die Gambit-Fortsetzung: 7...bxc4 8.bxc4 Lxc4) 7...bxc4 8.bxc4 c5 9.Lg2.

7.e4 bxc4 Beachtung verdient 7...Da5!?: 8.cxb5 Lxb5 9.Lxb5 Dxb5 10.e5 Sd5 11.Sc4 Le7 12.0–0 0–0 13.dxc5 Lxc5 14.Lb2 Sc6 mit dynamischem Gleichgewicht.

8.bxc4 Die andere Möglichkeit war den weißfeldrigen Läufer zu tauschen: 8.Lxc4 Lxc4 9.bxc4 cxd4 10.e5 Sg4 11.h3 Sh6 12.Sxd4 Db6 13.S2f3 Lb4+ 14.Ld2 Lxd2+ 15.Dxd2 Sc6 16.0–0 Sxd4 17.Sxd4 0–0 18.Tfd1 mit gleichen Chancen.

8...cxd4 9.e5 Sg4 10.h3 Sh6 11.Lg2 Sc6 12.0–0 Sf5 Nach 12...Lb4 13.Tb1 Tb8 14.Da4 Da5 15.Dxa5 Lxa5 16.Txb8+ Sxb8 17.Sxd4 Lc3 18.Sb5 Lxe5 19.Sxa7 Sf5 20.Sb5 erreicht Weiß einen kleinen Vorteil im Endspiel.

13.Da4 Nach 13.g4?! entstehen Schwächen im weißen Lager: 13...Sfe7 14.Lb2 Tb8 15.Lxd4 Sg6 16.Da4 Lb7 17.Le3 (17.Lc3 Sf4) 17...h5!

13...Da5 13...Lb7 14.g4 Sfe7 15.La3 h5 16.Tab1 hxg4 17.hxg4 Sa5 18.Tb5 a6 19.Txa5 Lc6 20.Se4 Sc8.

14.Dxa5 Sxa5 15.Sxd4 Tc8 Auch auf 15...Tb8 folgt 16.Sxf5 exf5 17.Td1.

16.Sxf5 exf5 17.Td1 Le7 18.Sf3 Auf 18.Tb1 könnte 18...h5 19.h4 und 19...Sxc4 folgen und weiter: (19...0–0? 20.Sb3) 20.Lf1 0–0 21.Sxc4 Lxc4 22.Txd7 Tfd8! 23.Txd8+ Lxd8 24.Le3 Lxa2 25.Ta1 Ld5 26.Txa7 mit Ausgleich.

18...Sxc4 19.Tb1 Lc5 19...Sb6 sieht gesünder aus: 20.Sd4 g6 21.Sb5 Lxb5 22.Txb5 0–0 23.Le3 Tc7 und der wahrscheinlichste Partieausgang wäre Remis.

20.Lf1 Lb6 21.Sd4 g6? Das schwächt enorm die schwarzen Felder. Besser wäre 21...Lxd4 22.Txd4 0–0 23.Lf4 und 23...h6! Zum Beispiel: 24.Txd7 g5 25.Txa7 gxf4 26.Txa6 fxg3 27.fxg3 (27.f4 h5) 27...Sxe5 28.Txh6 Sf3+ 29.Kf2 Sd2 30.Tb2 Sxf1 31.Kxf1 Tc3 32.Kg2 Ta8 und Schwarz sollte das Turmendspiel halten.

22.Lh6 f6?? Schwarz verliert die Nerven!

"Coolness" wäre angebracht: 22...Tg8 23.Tb4 d5 24.exd6 Kd7 25.Sf3 Lb7 26.Sg5 Se5 27.Lb5+ Lc6 28.Lxc6+ Txc6 29.Sxh7 Td8 mit realen Überlebenschancen.

23.Lg7?! Viel stärker wäre 23.exf6 Kf7 24.Sf3 Thd8 und 25.Lg7.

23...fxe5

Diagramm

24.Sxf5! Wichtiger Zwischenzug, der die schwarze Idee widerlegt. Nach 24.Lxh8? Lxd4 bekommt Schwarz ausreichend Kompensation für die Qualität.

24...gxf5 Mehr praktische Chancen bot vielleicht 24...Tg8: 25.Lxc4 Lxc4 26.Sd6+ Ke7 27.Sxc8+ Txc8 28.Lxe5 Lxa2 29.Tb4 Tc6 30.Ld4 Lc4.

25.Lxh8 Tc5? Der letzte Fehler. Notwendig war 25...d6 und wenn 26.Lxc4 Txc4 27.Txd6 Tc2 28.Tdxb6 axb6 29.Txb6 Lc4 30.Lxe5 Ld5 31.g4 fxg4 32.hxg4 Txa2 mit realistischen Aussichten auf Remis.

26.Tdc1 26.Tbc1 ist auch gut.

26...Lc7 Auf 26...d5 folgt 27.Lxe5 und wenn 26...f4 dann 27.Tb3 (27.g4 d6) 27...d6 28.Tbc3 fxg3 29.Txg3!

27.Ld3?! Konkreter und stärker war 27.Tb4: 27...d5 28.Ta4 Tc6 29.Td1 Sb2 30.Lxa6 Tc5 31.Tb1 Sxa4 32.Lb5+ Txb5 33.Txb5 Sb6 34.Ta5 Lb8 35.f4.

27...e4 28.Ld4 Tc6 29.Le2 Lb6? Das Endspiel wird für Schwarz kaum zu halten sein. 29...f4! war die letzte Möglichkeit Widerstand zu leisten: 30.Tb3 fxg3 31.fxg3 Se5! 32.Txc6 Sxc6 33.Lxa6 Sxd4 34.Tb7 (34.Tb4 Lb6 35.Kg2 d5) 34...Lb6 35.Kf1 Ke7.

30.Lxb6 axb6 31.Tb4 d5 31...b5 wäre besser, das Endspiel retten kann es aber kaum: 32.a4 Sd6 33.Ta1 bxa4 34.Lxa6 Txa6 35.Tbxa4 Txa4 (35...Tc6 36.Ta6) 36.Txa4 Ke7 37.f3!

32.Td1! Schwarz verliert noch einen Bauern und damit auch die Partie.

32...Tc5 32...Td6?? 33.Lxc4 Lxc4 34.Txc4.

33.Lxc4 Lxc4 34.Txb6 Le2 Oder 34...Lxa2 35.Tb2 Lc4 36.Tb7 Ta5 37.Txh7.

35.Tdb1 d4 36.Tb7 Ld3? Schwarz verteidigt sich nicht zäh genug: 36...Kd8!

37.T1b6 Tc1+ Auch hier sollte Schwarz 37...Kd8 probieren, obwohl nach 38.Txh7 Kc8 39.Tf6 Tc1+ 40.Kh2 Tc7 41.Tff7 Txf7 42.Txf7 mit dem Gegenspiel wäre es vorbei.

38.Kh2 e3 38...Tc2 39.Txh7 Txf2+ 40.Kg1 Tf1+ 41.Kg2 Tb1 42.Txb1 Lxb1 43.Ta7 Lc2 44.Kf2 Ld1 45.Ke1 Lf3 46.Ta4 d3 47.Kd2 und die schwarzen Bauern sind blockiert.

39.Txh7 Tc8 40.fxe3 dxe3 41.Te6+ 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog