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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 7074 vom 01.06.2018, Kategorie Kolumne

Chess Masters Vienna 2018

Das Chess Masters Vienna 2018, vom 12. bis 20. Mai im Haus des Sports, ist das Resultat einer Kooperation der österreichischen, tschechischen und slowakischen Schachverbände mit der Grundidee jungen aufstrebenden Spielern die Gelegenheit zu geben auf eine internationale Norm (IM oder GM) zu spielen. Während die GM-Norm heuer unerreichbar blieb, wurde die IM-Norm zweimal geknackt und zwar von den beiden talentierten Wienern, dem 13-jährigen Marc Morgunov und dem 16-jährigen Felix Blohberger. Übrigens ist das die dritte IM-Norm für Felix und der IM-Titel wird ihm bald verliehen! Der Nationaltrainer GM David Shengelia konnte leider seine Favoritenrolle nicht bestätigen. Grund dafür ist mehr oder weniger der Verlust gegen IM Gazik, wo er total auf Gewinn stand.

Endtsnd nach 9 Runden:
1.GM Pacher (SVK) 6.
2.GM Shengelia (AUT) 5,5.
3.FM Marc Morgunov (AUT) 5.
4.GM Simacek (CZE) 5.
5.IM Druska (SVK) 4,5.
6.IM Gazik (SVK) 4,5.
7.IMBilek (CZE) 4,5.
8.FM Blohberger (AUT) 4,5.
9.FM Schabeneder (AUT) 3.
10.IM Fröwis (AUT) 2.

Morgunov (2317) – Simacek (2500)

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lg5 e6 7.f4 Db6 8.Dd2 Sc6 Konsequenter ist natürlich die berühmte Fisher-Variante 8...Dxb2. Hier ein aktuelles Beispiel: 9.Tb1 Da3 10.e5 h6 11.Lh4 dxe5 12.fxe5 g5 13.exf6 gxh4 14.Le2 Da5 15.0–0 Sd7 16.Kh1 Dg5 17.De1 Sxf6 18.Sf3 Dg7 19.Se5 Le7 20.Sa4 0–0 21.Sb6 Tb8 22.Tb3 Se4 23.Sed7 Lxd7 24.Sxd7 Dg5 25.Sxb8 Txb8 26.Lh5 Sd2 27.Txf7 Sxb3 28.Dxe6 Kh8 29.Txe7 Tf8 30.Kg1 Dxh5 31.cxb3 Dd1+ 32.De1 Dd4+ 33.De3 Dd1+ 34.De1 Dd4+ 35.De3, remis, Radjabov (2748) -Wojtaszek (2744), Shamkir 2018.

9.Lxf6 gxf6 10.Sb3 Ld7 Entstanden ist eine Struktur, die typisch für die Richter-Rauzer Variante der Sizilianischen Verteidigung ist.

11.0–0–0 h5 12.Sa4N Neuerung. Die gängigen Züge sind 12.Le2 und 12.Kb1.

12...Dc7 Nichts spricht gegen 12...Da7 13.Sac5 Lc8!

13.Df2 0–0–0 Die Alternative war 13...Sa5 14.Sb6 Sxb3+ 15.axb3 Td8 16.Sxd7 Txd7 und der weiße König stünde langfristig sicherer, was bei ungleichfarbigen Läufer eine wichtige Rolle spielt.

14.Sb6+ Kb8 15.Kb1 Le8 16.a4!? Zweischneidige Entscheidung: Einerseits wird den Springer auf b6 mittels a4–a5 unterstützt, anderseits könnte selbst der Bauer Angriffsziel und die Königslage zusätzlich geschwächt werden.

16...h4 Die andere Idee war sofort den lästigen Springer auf b6 zu tauschen: 16...Se7 17.a5 Sc8 18.Td3 Sxb6 19.Tc3 Dd7 20.Dxb6 Tc8 21.Txc8+ (21.Lxa6 Txc3 22.bxc3 Dc7 23.Ld3 Dxb6 24.axb6 Le7) 21...Kxc8 22.h4 Dc7 23.Da7 Db8 24.Df2 (24.Dd4 e5) 24...Dc7 25.Th3 Kb8 26.Tc3 Dd8 27.g3 Ld7 28.Le2 Le7 mit dynamischem Gleichgewicht.

17.Le2 d5?! Zu viele schwarze Figuren verweilen auf der achten Reihe umso ein Vorstoß zu wagen. Der richtige Plan war 17...Se7 nebst Sc8 mit Abtausch.

18.exd5 Sb4 19.Lf3 Ld6 Auf 19...Dxf4 folgt einfach 20.dxe6.

20.The1 20.g3 war natürlich überlegenswert.

20...Lxf4 21.dxe6 Txd1+ 21...fxe6 22.Txd8+ Dxd8 23.Sc5! ähnlich, wie in der Partie.

22.Txd1 fxe6

Diagramm

23.Sc5!! Nach diesem starken Zug ist der weiße Angriff nicht mehr abzuwehren. 23.Sa5 war eine andere Option, aber nicht so effektiv: 23...Lxh2 24.Sxb7 Lg3 25.Dc5 Dxc5 26.Sxc5 Lg6 27.Le4 Lxe4 28.Sxe4 Kc7 29.a5 Td8 30.Txd8 Kxd8 31.Sxf6 Sc6 32.Sc4 Lc7 33.Se4 Sxa5 34.Sxa5 Lxa5 35.Sc5 Kc7 36.b4! und Weiß gewinnt einen Bauern.

23...Ld6 23...Dxb6?? 24.Sd7+ Lxd7 25.Dxb6.

24.Sxb7 Le7 25.Sa5 Lc5 Auf 25...Ld6 folgt 26.Sac4 Lxh2 27.Sa8! Lg3 28.De3 Lf4 29.Dxe6 mit Gewinn.

26.Td8+! Einzig, aber ausreichend.

26...Dxd8 26...Ka7 27.Ta8+ Kxb6 28.Sc4 matt.

27.Dxc5 Sd5 28.Sxd5 exd5 29.Db4+ 29.Lxd5 Dc7 30.Db4+ Ka7 wäre nicht so klar.

29...Kc7 30.Lg4 Lc6 Der natürliche Zug 30...Tg8 scheitert an 31.Sb7 Txg4 32.Da5+ Kxb7 33.Dxd8.

31.Dc5 De8 31...Dd6 verliert sofort: 32.Da7+ Kd8 33.Db6+ Ke8 34.Sxc6.

32.b4 Nun wird der Gewinn ein bisschen komplizierter. Die einfachste Lösung war 32.Lf3 und auf 32...Dd7 33.c4. Oder sogar gleich 32.c4 Dg6+ 33.Ka2 f5 34.Lxf5 Dxf5 35.Dxc6+ Kd8 36.Dd6+ Kc8 37.cxd5 mit Angriff.

32...Tg8 33.Lh3 33.Lf3 war auch hier gut: 33...Tg5 34.Da7+ Kd6 35.Db6 h3 36.gxh3 Tf5 37.Sb7+ Ke7 (37...Kd7 38.Lg4; 37...Ke5 38.De3 matt) 38.Dc5+ Kd7 39.Lg4.

33...Tg5 34.Da7+ Kd6 35.Sb7+! Kc7 35...Lxb7 36.Dc5+ Ke5 37.De3+ Kd6 38.Dxe8 oder 35...Ke7 36.Dc5+ Kf7 37.Sd6+ in beiden Varianten mit Damengewinn.

36.Sc5+ Kd6 37.Se6! f5 38.Sxg5 De1+ 39.Ka2 Dxb4 40.Sf7+ Gewinnt effektvoll! Im Notfall geht auch 40.Dxa6.

40...Ke6 41.Sd8+ Kd6 42.De7+! Mit diesem geometrischen Motiv finalisierte das 13–jährige Talent aus Wien, Marc Morgunov, seine vielleicht beste Partie im Turnier und legte damit den Grundstein für seine IM-Norm! 42.De7+ Kxe7 43.Sxc6+ Kd6 44.Sxb4. 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog