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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 7112 vom 10.08.2018, Kategorie Kolumne

Triumphaler Sieg für Memedyarov in Biel!

Angesichts der Teilnehmerliste des Großmeisterturniers in Biel vom 20. bis 31. Juli sollte man sich als Zuschauer ein kompromissloses, attraktives Schachspektakel erwarten. Und diese Erwartung wurde reichlich erfüllt. Als Vertreter des aktiven Schachstils: Carlsen (Nummer 1 der Welt), Mamedyarov (3), Vachier Lagrave (8), Svidler (16), Navara (20), sorgten dafür. Das Teilnehmerfeld komplementierte als krasser Außenseiter der junge aufstrebende 22 jährige Schweizer GM Nico Georgiadis. Das Tempo wurde gleich vom Start aus mit zwei Siegen gegen Navara und Vachier Lagrave vom Weltmeister Carlsen hochgelegt. Während bei ihm sich die Remisen danach einreihten (6 mal) punktete Shakriyar Mamedyarov wieder und wieder. In der 9 Runde kam es zur Entscheidung: Carlsen lag einen ganzen Punkt zurück und musste mit Schwarz gegen den Führenden punkten um die Chancen auf den Turniersieg zu bewahren. Es unterlief ihm aber eine Ungenauigkeit. In einem schwierigen, vielleicht haltbaren Endspiel stellte der Weltmeister einzügig die Partie ein! Damit stand vorzeitig der Sieger fest. Triumphaler Sieg für den 33-jährigen Shakriyar Memdyarov und sicher einer seiner größten Erfolge!

Endstand nach 10 Doppelrunden:
1. Mamedyarov 7,5 Punkte.
2. Carlsen 6.
3. Vachier Lagrave 5,5.
4. Svidler 5.
5. Navara 4.
6. Georgiadis 1,5.

Mamedyarov (2801) – Georgiadis (2526)

1.c4 Sf6 2.Sf3 e6 3.Sc3 d5 4.e3 a6 5.b3 5.d4 wäre der Übergang in Damengambit-Strukturen.

5...c5 6.Lb2 Sc6 7.cxd5 7.d4 könnte immer gespielt werden.

7...exd5 8.Tc1N Interessante Neuerung-Weiß erzeugt direkt Druck auf c5–Bauern.

8...Lg4 8...b5!? könnte Sc3–a4 verhindern und nach 9.a4 b4 10.Se2 (ähnlich wie in der Partie) wird klar, dass der Läufer von c8 nicht auf g4 gehört.

9.h3 Lh5 10.Sa4 Sd7 11.Le2 b5 12.Sc3 Sf6 Eine Alternative war 12...Sb6: 13.0–0 Le7 14.a4 (14.d4 c4) 14...bxa4 (14...b4 15.Sb1 0–0 16.d4) 15.d4 c4 16.bxc4 a3 17.La1 dxc4 18.Sa4 0–0 19.Sxb6 Dxb6 20.Lxc4 und das Zentrum garantiert dem Weißen Vorteil.

13.0–0 Le7 13...Ld6 war wahrscheinlich genauer.

14.a4 Ein anderer Plan war 14.d4 c4 15.g4 Lg6 16.Se5 Tc8 und 17.f4.

14...Lxf3? Fehler in jeder Hinsicht: Positionell und taktisch. Richtig war 14...b4 15.Sb1 Dd6 16.d4 cxd4 17.Sxd4 Sxd4 18.Lxh5 Se6 (18...Sxb3 19.Lxf6 Sxc1 20.Lxe7 Dxe7 21.Dxc1 0–0 22.Db2) 19.Sd2 mit leichtem Plus für Weiß.

15.Lxf3 Tb8 Auf 15...b4 hat der Springer das schöne Feld e2 Richtung f4: 16.Se2 Tc8 17.Lxf6.

16.axb5 axb5 17.Se2! Verstärkt den Druck mittels Sc3–e2–f4 auf c5 und d5.

17...Dd6 18.Sf4 Es droht schon Lb2–f6 und der d5–Bauer hängt.

18...Sb4 19.La3! Sa6? Der Schweizer verteidigt sich schlecht. Eine praktische Chance wäre 19...Dd7 und nach 20.Lxb4 cxb4 21.Tc2 0–0 22.Da1 wäre die schwarze Lage kritisch, aber nicht hoffnungslos.

20.d4! b4 21.Lb2 0–0

Diagramm

22.Lxd5 Schwarz verliert zumindest Material. 22.dxc5 Sxc5 23.Sxd5 Sxd5 24.Lxd5 Tfd8 25.Dg4 wäre auch sehr verlockend.

22...Sxd5 22...g5 hilft auch nicht: 23.dxc5 Sxc5 24.Lxf6 Dxf6 (24...Lxf6 25.Lxf7+) 25.Sh5.

23.dxc5 Sxc5 24.Sxd5 Tfd8? 24...Tfc8 verliert nicht gleich, aber schön ist es nicht: 25.Tc4 f6 26.Dh5 Sd7 27.Th4 Sf8 28.Te4 Ld8 29.Td1.

25.Dg4 Lf8? Verliert schnell.

26.Sf6+! Kh8 27.Df5 g6 27...gxf6 28.Tcd1 Db6 29.Txd8 Txd8 30.Lxf6+ Lg7 31.Lxd8 Dxd8 32.Dxc5 mit Gewinn.

28.Se4+ 28.Se4+ Kg8 29.Dxc5 mit Figurengewinn. 1–0

Mamedyarov (2801) - Vachier-Lagrave (2779)

1.Sf3 c5 2.c4 Sc6 3.Sc3 e5 4.e3 Bekanntlich weicht GM Vachier Lagrave kaum von seinen Eröffnungen ab. Dieses System spielt er regelmäßig.

4...Sf6 5.d4 e4 6.Se5 g6 7.g4 Modernes Schach! Der g-Bauer wird heutzutage oft in die Schlacht geschickt!

7...h6 8.Lg2 Lg7 9.h3 De7 10.b3!? Eine interessante Idee, die mit großer Wahrscheinlichkeit zuhause vorbereitet wurde! 10.Sxc6 dxc6 wäre unproblematisch für Schwarz.

10...cxd4 Konsequenter wäre 10...Sb4 mit der Drohung d7–d6: 11.a3 Sa6 und nun stellt sich die Frage, wie genau Weiß die Figur opfert? Hier einige Möglichkeiten: 12.f4 (12.Sxe4 Sxe4 13.Lxe4 Lxe5 (13...d6 14.Sxf7 Kxf7 15.Ld5+ Kf8 16.Lb2) 14.dxe5 Dxe5 15.Dc2 Dxa1 16.0–0 Dg7 17.Lb2) oder (12.b4 d6 13.Da4+ Kf8 14.f4 dxe5 15.fxe5) 12...d6 13.0–0 Sc7 (13...dxe5 14.fxe5 Sh7 15.Sxe4 0–0 16.Sd6) 14.b4 cxd4 15.exd4 0–0 16.Le3 (16.g5 hxg5 17.fxg5 Sh7).

11.exd4 Sxe5 12.dxe5 Dxe5 13.Lb2 d5 Eine Alternative war 13...0–0 14.Dd2 De7 und wenn 15.0–0–0 dann 15...b5!? 16.Sxb5 d5 17.La3 De5 18.Lxf8 Da1+ 19.Kc2 Dxa2+ 20.Kc3 Dxd2+ 21.Txd2 Kxf8 22.Kc2 Le6 23.Sc7 Tc8 24.Sxe6+ fxe6 mit unklarem Spiel.

14.De2 De7 Besser war vielleicht den Bauern mittels 14...d4 zurückzugeben: 15.Sxe4 0–0 16.0–0–0 Td8 17.Sxf6+ Dxf6 18.Kb1 (18.Ld5 Le6 19.Lxd4 Dg5+ 20.De3 Lxd5 21.Dxg5 hxg5 22.cxd5 Txd5 23.Le3 Tb5 24.Td7 Lf6) 18...Le6 19.Thf1 mit leichtem Plus für Weiß.

15.cxd5 0–0 16.0–0 Den Bauern darf man nicht gleich kassieren: 16.Sxe4 Sxe4 17.Lxg7 Kxg7 18.Lxe4? (18.Dxe4? Dxe4+ 19.Lxe4 Te8 20.f3 f5) 18...Te8 19.f3 f5 20.gxf5 gxf5.

16...Te8 Schwarz hat einige gleichwertige Fortsetzungen zur Verfügung: 16...b6 17.Tad1 Lb7 18.Tfe1 oder 16...h5 17.g5 (17.Sxe4 Sxe4 18.Lxg7 Kxg7 19.Lxe4 hxg4 20.hxg4 Lxg4 21.Dxg4 f5) 17...Se8 18.Sxe4 Lxb2 19.Dxb2 Lxh3.

17.Tfe1 Ld7 18.Sxe4 Sxe4 Der Franzose entscheidet sich für das Endspiel mit einem Bauern weniger. Die Alternative war 18...Sxd5 19.Dd2 Le6 20.Lxg7 Kxg7 21.Dd4+ Kg8 22.Tad1 (22.Sc5 Tad8 23.Sxe6 fxe6 24.Tad1) 22...Tac8 23.Db2 und Weiß steht klar besser.

19.Lxg7 Kxg7 20.Dxe4 Dxe4 21.Lxe4 h5 21...b6 war vielleicht besser.

22.gxh5 gxh5 23.h4 Nun ist der schwarze h-Bauer auf weiß (die Farbe des Läufers) fixiert und könnte Objekt für einen Angriff werden.

23...Tac8 24.Lf3 Txe1+ Der anderer Verteidigungsplan war 24...Tg8 25.Kh2 Kf6.

25.Txe1 Kf6 26.d6 b6? Nun wird es schwierig für Schwarz. Eine praktische Chance bot 26...Lc6 an.

27.Te7 Td8 27...Lc6 hat hier weniger Wirkung als vorher: 28.Le2 (28.Tc7?? Tg8+) 28...Tg8+ 29.Kf1 a5 30.Tc7 Ld5 31.d7 Td8 32.Lb5.

28.Lxh5 Le6 29.Txa7 Txd6 30.Kg2 Td8 31.Lf3 Ke5 32.Ta4 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog