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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 7119 vom 31.08.2018, Kategorie Kolumne

Drei Sieger bei 6. Sinquefield Cup

Zu einem Kuriosum kam es beim 6. Sinquefield Cup vom 19. bis 28. August in Saint Louis (USA). Eine spannende neunte Runde sollte die Entscheidung um den Turniersieg bringen. Der Führende Fabiano Caruana remisierte schnell mit Schwarz gegen seinen Landsmann GM So und wartete mit einem ganzen Punkt Vorsprung ab. Die Verfolger Aronian und Grischuk (unsere heutige Partie) spielten gegeneinander. Mit einem Sieg konnten sie ihn einholen. Aronian erreichte aus der Eröffnung nicht viel und entschied sich voll auf Risiko zu gehen und opferte, nicht ganz korrekt, einen Turm. Grischuk patzte im kritischen Moment, was der Armenier sofort ausnutzte. Der andere Verfolger, Weltmeister Magnus Carlsen, nahm seinen Gegner Hikaru Nakamura in die Zange und ließ nicht locker. Nach 97 Zügen musste der Amerikaner die Waffen strecken. Damit kam es zum Trippelgleichstand: Aronian, Carlsen und Caruana. Nach dem Reglement sollten die Zusatzwertungen entscheiden. Die waren aber auch gleich. Ein Stichkampf war aber nur bei 2 Spielern vorgehen. Im Endeffekt kam die Turnierleitung zum Entschluss: Alle drei sind Sieger der heurigen Auflage des Sinquefield Cups. Ein Stichkampf wurde dann doch noch gespielt und zwar um den vierten Platz für das Finale der Grand Chess Tour in London. Da setzte sich Fabiano Caruana gegen Wesley So im Aktivschach mit 1,5-0,5 durch.

Endstand nach 9 Runden:

Rg.SnrNameLandEloPkt. Wtg1  Wtg2  Wtg3 
12GMAronian LevonARM27945,51,020
3GMCarlsen MagnusNOR28665,51,020
4GMCaruana FabianoUSA27855,51,020
47GMMamedyarov ShakhriyarAZE27825,00,010
55GMGrischuk AlexanderRUS27824,51,011
61GMAnand ViswanathanIND27714,51,000
10GMVachier-Lagrave MaximeFRA27964,51,000
89GMSo WesleyUSA27944,00,000
96GMKarjakin SergeyRUS27913,00,500
8GMNakamura HikaruUSA28123,00,500

Anmerkung:
Wtg1: das/die Ergebnis(se) der betroffenen Spieler gegeneinander
Wtg2: Die größere Anzahl von Siegen (variabel)
Wtg3: Händische Eingabe (nach Stichkampf)

Aronian (2767) - Grischuk (2766)

1.d4 Sf6 2.Sf3 d6 Interessante Reihenfolge, GM Grischuk, deklariert sich noch nicht.

3.g3 Sbd7 3...g6 geht in Richtung Königsindisch.

4.Lg2 e5 5.c4 c6 Altindische Verteidigung.

6.Sc3 e4 7.Sh4 Rarität. Verbreiteter ist 7.Sg5 d5 8.cxd5 cxd5 9.f3 h6 10.Sh3 exf3 11.exf3 Lb4 12.0–0 0–0 13.Sf4 Sb6 14.Db3 a5 15.Sd3 Le7 16.a4 Sc4 17.Sb5 Ld7 18.Lf4 Tc8 19.Sa7 Ta8 20.Sb5 Tc8 21.Sa7 Ta8 22.Sb5, remis, Grachev (2628) - Morozevich (2683), Moskau 2016.

7...d5 Beachtung verdient 7...Sb6!? 8.b3 d5 9.c5 Sbd7 (Interessant ist auch 9...h6!? und auf 10.cxb6 dann 10...g5).

8.0–0 Eine andere Idee ist 8.cxd5 cxd5 und 9.Da4 mit der Intention Lg5, Lh3 oder Sh4–f5.

8...Lb4 9.cxd5 Schwarz steht nach 9.Db3 Lxc3 10.bxc3 Sb6 11.cxd5 Dxd5 ok.

9...cxd5 10.f3 Lxc3 In Frage kam auch den Punkt e4 gleich aufzugeben: 10...exf3 gefolgt von der Frage, wie nimmt Weiß zurück? Eine klare Antwort gibt es wahrscheinlich nicht. Es wäre reine Geschmackssache.

11.bxc3 0–0 12.La3 Te8 13.Sf5 Sb6 14.Sd6 Sc4!? Beachtung verdient 14...Te6!? 15.fxe4 dxe4 16.c4 Txd6 17.Lxd6 Sxc4 18.Lf4 Dd5 19.Db3 Le6 20.Tfd1 Tc8 mit Kompensation.

15.Sxc4 Die Idee von Schwarz war das Qualitätsopfer: 15.Sxe8 Dxe8 16.Lc1 (16.Dc1 e3) 16...e3 mit positioneller Kompensation für die Qualität.

15...dxc4 16.fxe4 Sxe4 17.Dc2 Dd5 18.Txf7?!

Diagramm

Mutig und riskant im Stile von Michael Tal!

18...Kxf7 18...Dxf7 19.Lxe4 Dh5 20.Te1 wäre nur Ausgleich.

19.Tf1+ Lf5 19...Kg8?? 20.Lxe4 Dxe4 21.Dxe4 Txe4 22.Tf8 matt.

20.g4 g6 21.Dc1 21.gxf5 gxf5 22.Ld6 Tg8 23.Lg3 Tae8 scheint zu wenig für Weiß zu sein.

21...Kg7 21...Te6 wäre ein guter Konsolidierungszug: 22.Dg5 (22.gxf5 gxf5 23.Dg5 Dxd4+ 24.cxd4 Sxg5 25.Ld5 Kf6 26.Lxe6 Kxe6 27.d5+ Kf6 28.Lb2+ Kg6 mit einem Bauern mehr und besserem Endspiel für Schwarz.) 22...Dxd4+! (22...Tf6!?) 23.cxd4 Sxg5 24.Ld5 Td8 25.Lxc4 Txd4 26.Lxe6+ Kxe6 27.gxf5+ gxf5 mit klarem Vorteil für Schwarz.

22.gxf5 gxf5 23.Lxe4 Es geht nicht anders. Weiß muss den starken Springer entfernen.

23...fxe4 23...Dxe4 24.Dg5+ Kh8 25.Df6+ Kg8 26.Txf5 Dg4+ 27.Kh1 De4+ 28.Kg1 Dg4+ wäre Dauerschach.

24.Df4 h6! Nun kann sich der König auf h7 verstecken und zwischendurch droht der Damentausch mit Dg5+.

25.Dc7+?! Auf 25.Df6+ einfach 25...Kh7. Aber 25.Kf2!? Tg8 26.Ke3 Tae8 27.Ld6 Dg5 28.Dxg5+ hxg5 29.Le5+ könnte die Balance halten.

25...Kh8?! Nun ist Weiß wieder im Geschäft! Die richtige Verteidigung war 25...Kg6! 26.Kf2 Tad8 27.Tg1+ Kh5 28.Ke3 Tg8 29.Tf1 Td7.

26.Ld6! Tg8+ 27.Kf2! Tg6! 28.Le5+ Kg8 29.Ke3! Td8? Der Verlustzug! Nach 29...Te8 herrscht Gleichgewicht.

30.De7! Plötzlich ist Schwarz in Zugzwang!

30...b5 Das Drama für Grischuk ist, dass 30...Dd7 31.Tf8+ Txf8 32.Dxd7 gewinnt.

31.h4 Weiß möchte den Turm von g6 vertreiben, wo er eine wichtige Abwehrfunktionen erfüllt.

31...a5 Auf 31...h5 folgt 32.Tf5

32.h5 Tg5 33.Tf6 Txe5 34.Tg6+ 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog