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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 7133 vom 07.12.2018, Kategorie Kolumne

Auftakt zur 1. Bundesliga 2018/19

Im Schatten der Weltmeisterschaft in London startete vom 15. bis 18. November in St. Veit die Saison 2018/19 der 1. österreichischen Bundesliga, ausnahmsweise mit elf Mannschaften. SK Wulkaprodersdorf zog die Teilnahme zurück. Im Kampf um den Titel wird sich zu früheren Meisterschaften nicht viel ändern: Die Favoriten sind wie üblich Jenbach und Maria Saal. Umso entscheidender war die direkte Begegnung in der 3. Runde. Die Tiroler (in Wirklichkeit ist das Team Tirolerfrei!) konnten sich knapp durchsetzen und es schien, dass die Meisterschaft damit praktisch entschieden wurde. Aber gleich in der 4. Runde sorgten die Wiener aus Ottakring für eine Überraschung. Sie fügten dem mächtigen Gegner aus Jenbach eine bittere Niederlage zu. Aber Maria Saal ließ auch Punkte liegen: Unentschieden im Derby gegen Feffernitz. Die angekratzte Dominanz der Favoriten macht es nun doch etwas spannender, aber die Wahrscheinlichkeit, dass eines der beiden Teams (Jenbach, Maria Saal) Gold gewinnt bleibt immer noch hoch.

Schlosser, Philipp (2507) - Halvax, Georg (2424)

1.g3 d5 2.Sf3 Sf6 3.Lg2 e6 4.0–0 Le7 5.b3 0–0 6.Lb2 c5 7.e3 b6 7...Sc6 ist hier der natürlichste Zug.

8.d4 Lb7 9.dxc5 bxc5 10.c4 Sc6 Schwarz hat viele gleichwertige Fortsetzungen: 10...Sbd7, 10...Db6 oder 10...dxc4 11.bxc4 Sbd7.

11.cxd5 exd5 Die Lage im Zentrum klärt sich: Es entsteht eine Bauernstruktur mit "hängenden Bauern" (c5 und d5). Weiß übt Druck auf die Bauern aus und provoziert den Übergang in eine "Isolani"-Struktur. Fast jedes Endspiel wäre für Weiß willkommen. Schwarz seinerseits will das alles vermeiden und versucht dynamisch und taktisch das Spiel zu gestalten.

12.Sc3 Dd7 13.Tc1 Tad8 Schwarz hat es viel schwieriger mit dem Postieren der Türme: auf c- und d-Linie hätte man die Bauern unterstützt, aber die halboffenen b und e Linien sind auch interessant.

14.Sa4 Da hängt schon der erste Bauer!

14...La6? Damit fangen die Probleme an!

15.Lxf6! Starker Zwischenzug!

15...gxf6 15...Lxf1 kostet einen Bauern: 16.Lxe7 Lxg2 17.Lxf8 Lxf3 18.Dxf3 Kxf8 19.Sxc5.

16.Te1 Sb4? Konsequent, aber falsch! Objektiv das Beste war 16...c4.

17.Sxc5! Lxc5 18.Txc5 Sd3 19.Ta5 Sxe1 20.Dxe1 Weiß hat nur einen Springer und einen Bauern für den Turm, aber die vielen positionellen Vorteile kommen noch dazu: 1. schwacher schwarzer König (der weiße König ist sicher). 2. Eine Menge Bauerninseln (4). 3. Das Feld d4 für den Springer. 4. Der aktive Turm auf a5 übt schon Druck auf a7 und d5 aus. Beachtung verdient 20.Sxe1!? um den Läufer nicht auf d3 zu lassen: 20...Lc8 21.Sc2.

20...Ld3 21.Dc3 Le4 Sofort 21...Lg6 wäre vielleicht genauer. Es könnte 22.Dxf6 Dc7 23.Ta4 darauf folgen.

22.Dxf6 Dc7 23.Dg5+ Lg6 24.Ta6 Dc1+ Wenn 24...Td6 dann 25.Txd6 Dxd6 26.Sd4 Td8 27.h4 mit Angriff.

25.Lf1 Dd1? Mit dem Bauernopfer: 25...d4!? 26.exd4 Dxg5 27.Sxg5 Txd4 28.Txa7 Tfd8 könnte sich Schwarz zumindest befreien und aktive Figuren bekommen. Psychologisch ist das aber nicht leicht: Weiß hätte schon drei Bauern Plus Springer für den Turm.

26.Sd4 Stärker war 26.Se5! Tc8 27.Sg4 Da1 (27...Tc1 28.Sh6+ Kg7 29.Sf5+ Kg8 30.Se7+ Kg7 31.Df6+ Kh6 32.Sf5+ Kh5 33.Dh4 matt) 28.Kg2 Kh8 (28...Tc1 29.Lb5) 29.Dxd5 mit klarer Überlegenheit für Weiß.

26...Tc8 26...Td7 27.Kg2

27.Tc6 27.Sf5!? wäre viel direkter: 27...f6 (27...Tc1?? 28.Se7+) 28.Txf6 Txf6 29.Dxf6 Lxf5 30.Dxf5 Tc1 31.De6+ Kg7 32.Da6 und Weiß sollte technisch auf Gewinn stehen.

27...Txc6 28.Sxc6 f6 29.Dxd5+ Dxd5 30.Se7+ Kg7 31.Sxd5 Td8 32.Sf4 Lf7 In Betracht kam 32...Td1 33.Sxg6 hxg6 34.Kg2 f5 35.a4 Kf6 36.Lc4 Ke5 und es wäre nicht leicht für Weiß freie Bauern zu bekommen.

33.Ld3! Tc8 34.Se2! Td8 Um den Turm Zugang zu der ersten und zweiten Reihe zu verschaffen sollte Schwarz wieder zurück: 34...Lg6 35.Lc4 Lf7 36.Lxf7 Kxf7 37.Sd4 Tc1+ 38.Kg2 Tb1.

35.Sd4 Tc8 36.Kf1? Damit erschwert sich GM Schlosser die Arbeit. Natürlicher wäre 36.Kg2 Tc1 (36...Ld5+ 37.f3 Tc1 38.g4) 37.Kf3.

36...Tc1+ 37.Ke2 Lh5+ 38.Kd2 Th1 39.h4 Th2 40.Le2 Lg6 40...Le8 sollte genauer sein.

41.Ke1 Th1+ 42.Kd2 Th2 43.f3 Th3 44.e4 h5! 44...Txg3?? 45.h5 Lxh5 46.Sf5+.

45.Sc6 Txg3 Der schwarze Turm leistet gute Arbeit und das nächste Ziel wäre der h-Bauer.

46.Sxa7 f5 47.exf5 47.e5!? wäre keine leichte Entscheidung, aber objektiv vielleicht die stärkere.

47...Lxf5 Riskanter Zug, der vielleicht noch die Partie hält!? Präziser war allerdings 47...Lf7! wodurch der Läufer die Bewegung der Bauern erschweren könnte.

48.b4 Th3 49.b5 Txh4 50.b6 Td4+ 50...Tb4 sofort, war wahrscheinlich am einfachsten: 51.Lb5 Lc8 52.a3 (52.a4 Lb7) 52...Tb1 53.Sxc8 Txb5 54.a4 Tb2+ 55.Kc3 Tb1 56.Kc2 Tb4 57.Kc3 Tb1 mit Zugwiederholung.

51.Ke3

Diagramm

51...Td6?? Fataler Fehler! 51...Tb4 ging immer noch: 52.Lb5 Lc8 53.a4 (53.Sxc8 Txb5 54.a4 Tb2 55.Kf4 Tb4+ 56.Kg3 Txa4) 53...Lb7 54.a5 h4 55.a6 Lxa6 56.Lxa6 h3 57.Kf2 Txb6 58.Lc8 Tb2+ 59.Kg1 Tg2+ 60.Kh1 Tf2 61.Lg4 Kf6 mit Remis-Ausgang.

52.b7 Tb6 53.La6! Möglicherweise übersah Georg diesen giftigen Zug.

53...Ld7 Es drohte Sa7–c6.

54.Kd4! Nun wird der Turm vertrieben.

54...h4 55.Kc5 h3 55...Tb1 56.Lb5.

56.Kxb6 h2 57.b8D h1D 58.De5+ Kf8 59.Kc7 Dxf3 60.Dd6+ Kg8 61.Lc4+ Kh8 62.Dh6 matt. 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog