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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 7149 vom 29.03.2019, Kategorie Kolumne

Bundestrainer GM David Shengelia im Gespräch mit Ilia Balinov


Liebe Schachfreunde, heute ist ein trauriger Tag! Es ist die letzte Schachkolumne, die erscheinen wird, da sie aus budgetären Gründen nach etwa 30 Jahren eingestellt wird.

Weit über 1.000 Kolumnen haben wir veröffentlicht.

Bleiben Sie dem Schach treu, Schach ist ein schöner Sport!

Es verabschieden sich Ilia Balinov und Heinz Herzog.


Ilia: David, wir kennen uns schon eine ganze Weile, noch bevor Du nach Wien umgezogen bist. Wir haben zusammen beim Neckar Open in Deizisau gespielt.

David: Ja, wenn ich mich nicht irre, war es im Jahr 2003. Und wir sind zusammen nach Wien gefahren, wo ich meine Schwester, die dort als Ärztin arbeitete, besuchen wollte.

Ilia: Ja stimmt. Es war eine mühsame Reise in einem überfüllten Nachtzug. Wien hat scheinbar starke Eindrücke bei Dir hinterlassen?

David: Sieht so aus! Auf jeden Fall ein Jahr später bin ich nach Wien umgezogen. Ich inskribierte BWL an der WU und wollte natürlich parallel meine Schachkarriere vorantreiben.

Ilia: Wie hast Du Dich in Wien integriert, vor allem in der Schachszene?

David: Ich hatte damals keine Deutschkenntnisse, aber English und Schach sind universale Sprachen. In der Schachszene schloss ich schnell neue Freundschaften, wie mit IM Reinhard Lendwai und Marco Neuberger, die mir am Anfang sehr geholfen haben.

Ilia: Aber zurück zu Deinen Wurzeln in Tiflis, der Hauptstadt Georgiens - wie waren Deine ersten Schachschritte?

David: Ich wurde dort 1980 geboren und Schach lernte ich, wie viele andere Kinder, vom Vater und Großvater. In der Grundschule hatte ich einen Klassenkameraden dessen Vater ein begeisterter Hobbyspieler war, uns quasi den ersten Schachunterricht gab. Meine Stärke und Faszination für das Spiel sind dabei gewachsen und die Konsequenz war die Teilnahme bei den Gruppentrainings in Schachpalast "Nona Gaprindaschwili". Es folgten die ersten Jugendturniere, wo ich oft auf dem Stockerl war, aber leider nie Erster! Unvergesslich bleibt für mich der Erfolg unseres U16-Teams bei der WM in Gran Canaria: Dritter Platz! Gewonnen hat Ungarn mit Peter Leko und Peter Acs, übrigens ein Mannschaftskollege beim SK Jenbach. Zu meiner Generation gehören die schon etablierten Großmeister Micheil Mtschedlischwili, Swiad Isoria (spielt für die USA) und der ein paar Jahre jüngere und bekannteste von uns Baadur Jobava.

Ilia: Welche Rolle spielte und spielt immer noch die Schachtradition in Georgien?

David: Die Tradition beschreibt sehr gut der Spruch: Ein Schachbrett (mit Figuren) gehört zur Mitgift einer georgischen Braut! Und die georgischen Schachspielerinnen gehörten und gehören zur Weltspitze: Beginnend mit Weltmeisterinnen Nona Gaprindaschwili und Maia Tschiburdanidse bis Nana Dsagnidse. Das stärkere Geschlecht ist eher bescheiden: Da muss man GM Bukhuti Gurgenidze (in den 50-er, 60-er Jahren) und danach GM Surab Asmaiparaschwili (der jetzige Europaschachpräsident) erwähnen.

Ilia: Und wie ging es schachlich bei Dir weiter?

David: Nach der Matura fing ich unter Einfluss meiner Familie ein Medizinstudium an, wechselte aber nach ein paar Semestern die Studienrichtung: Akademie für Leibeserziehung und Sport - Fachrichtung Schach. Nach dem Studium eröffnete ich mit einem Freund eine Schachschule. Es war eine spannende Zeit! Neben Unterrichten organisierten wir auch Schachturniere. Zum Beispiel zum 60-er Jubiläum von Nona Gaprindaschwili veranstalten wir ein internationales Turnier: Gewonnen hatte ein gewisser Shakhriyar Mamedyarov! Zu diesem Zeitpunkt spürte ich, dass mein Wissen und Können stieg, nur hatte ich leider wenig internationale Praxis. Das zeichnete sich in den letzten beiden Runden bei der Europameisterschaft in Batumi 2002 ab. Ich teilte nach 11 Runden den dritten Platz, verlor aber tragisch die restlichen zwei Partien. In der zwölften Runde stand ich sogar klar besser.

Ilia: Und wie hast Du Dich weiter in Wien entwickelt?

David: 2005 wurde ich Großmeister! Das war sehr wichtig, erleichtert enorm das Leben als Schachprofi. Mit der Praxis kamen auch die Erfolge und die ersten Plätze.

Ilia: Welches sind die wichtigsten Erfolge für dich?

David: Bestimmt das große Open in Capelle und Graz 2005, Oberwart und Graz 2006, die österreichische Meisterschaft 2012 und 2015. Und natürlich die Mannschaftstiteln der Bundesliga mit Styria Graz, Baden und mehrmals mit Jenbach.

Ilia: In den letzten Jahren widmest Du Dich immer mehr Deiner Trainertätigkeit.

David: Richtig. Seit Schach in Österreich als Sport anerkannt wurde, fließen viel mehr Förderungen in die Schachentwicklung. Das hat mich gereizt und als diplomierter Schachtrainer bekam ich einen Vertrag als Damen-Bundestrainer beim österreichischen Schachbund (ÖSB) und seit 2016 auch bei den Herren. Ich bin sehr stolz, dass ich Teil des Erfolgs unserer Teams bei den großen Schachveranstaltungen 2015 und 2018 war. 2015 wurden unsere Damen 9-te bei der Europameisterschaft in Reykjavík und die Herren 14-te bei der Olympiade 2018 in Batumi!

Ilia: Wie gestaltet sich Deine Arbeit mit unseren besten Spielern?

David: Wir trainieren regelmäßig sowohl in Gruppen als auch einzeln mit dem A-Kader (GM Ragger, GM Dragnev, GM Diermair und GM Schreiner) und dem B-Kader (IM Blohberger, IM Horvath, IM Mesaros, IM Gajek und FM M. Morgunov). Heutzutage kann man es auch gemütlich von zuhause per Skype machen. Sehr gute Erfahrung haben wir mit dem bosnischen Großmeister Borki Predojevic. Den laden wir ein paarmal im Jahr für theoretische Einheiten ein und unterstützend für die großen Veranstaltungen.

Ilia: David, ich bedanke mich herzlich für das Gespräch und wünsche Dir weiter große Erfolge als Bundestrainer, aber natürlich auch als Spieler!

Shengelia, David - Sutovsky, Emil

Tschechische Liga 2016

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sf3 Lg7 4.g3 c5 5.d5 b5 6.cxb5 Da5+ Im Geiste vom Wolga-Gambit wäre 6...a6.

7.Ld2 Dxb5 8.Sc3 Db6 Die Alternative ist 8...Db7 mit sofortigem Druck auf d5.

9.Lg2 d6 10.0–0 0–0 11.Te1 Sfd7 12.Tb1 Sa6 13.Dc1 Te8 14.Lh6 Lh8 15.a3 Se5 16.Sxe5 Lxe5 17.h4 Beachtung verdient 17.Sd1 mit der Idee Sd1–e3–c4.

17...c4 18.h5 18.Le3!?

18...Sc5 19.hxg6 hxg6 20.Le3 Vielleicht ist 20.Se4 sofort genauer: 20...Lf5 21.Sxc5 Dxc5 (Unklar wäre 21...Lxb1!? 22.Sd7 Dxb2 23.Sxe5 Dxe5 24.Dxb1 Tab8 25.Dc2 Tec8) 22.e4 Ld7 23.Le3 Dc7 24.Dd2 mit dynamischem Gleichgewicht.

20...Da5 Das Endspiel nach 20...Sb3 21.Lxb6 Sxc1 22.Le3 Sb3 wäre auch eine gute Option für Schwarz.

21.Se4 Sa4 22.Ld2 Interessant war 22.Td1!? Lf5 und 23.Ld4 Wenn 23...c3? dann 24.Lxe5 dxe5 25.Dh6! Lxe4 26.Lxe4 Sxb2 27.Kg2! mit Mattangriff.

22...Da6 23.Lf4 Lh8?! 23...Lg7 sollte besser sein.

24.Lf3 Lf5 25.Kg2! Signal für den Angriff auf der h-Linie!

25...c3 26.Th1 26.bxc3!? kam auch in Betracht: 26...Lxe4 27.Lxe4 Sxc3 28.Dc2 Sxb1 29.Lxg6! Lg7 und nun zum Beispiel: 30.Lxf7+ Kxf7 31.Df5+ Kg8 32.De6+ Kf8 33.Th1 (Mit 33.Df5+ Kg8 34.De6+ hätte Weiß zumindest Dauerschach.) 33...Dc8 34.Dg6 Dc3 35.Th5 Df6 36.Tf5 Sc3 37.Txf6+ exf6 38.Lxd6+ Kg8 39.Dd3 mit klarem Vorteil für Weiß.

26...Lxe4 27.Lxe4 Lg7 Sonst kommt Th1–h8.

28.Dg1!? Offensichtlich war David auf der Suche nach mehr als nur ein Dauerschach (28.Dc2). Auf 28.Dc2 folgt 28...Sc5! und 29.Lxg6 führt nur zum Dauerschach. 29...fxg6 30.Dxg6 Dxe2 31.Dh7+ Kf8 32.Df5+.

28...Dc4 29.Lf3 cxb2 29...c2 erwidert Weiß einfach mit 30.Tc1.

30.Dh2

Diagramm

30...f5?? Grober Fehler! Beim begnadeten Angriffsspieler und Ex-Europameister GM Sutovsky mangelt es manchmal an der Verteidigung. Richtig war 30...Dc3! 31.Dh7+ Kf8 und es ist unklar, wie Weiß weiter kommt. Zum Beispiel: 32.Th4 Sc5 33.Lg5 mit der Idee Th4–f4. 33...De5 34.Lf4 Df6 und das Endspiel nach 35.Lh6 Lxh6 36.Dxh6+ Dg7 37.Dh8+ Dxh8 38.Txh8+ Kg7 39.Txe8 Txe8 40.Txb2 Kf6 ist ausgeglichen, aber nicht ungefährlich für Weiß.

31.Dh7+ Kf8 31...Kf7 32.Th6!

32.Dxg6 Dd4 33.Th5 1–0