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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 754 vom 07.08.1998, Kategorie Kolumne

Wereslaw Einhorn Wertungssieger in Oberwart, Wittmann und Stanec im Siegersextett

Der topgesetzte ukrainische GM Vereslaw Einhorn setzte sich bei der 20. Auflage des traditionsreichsten österreichischen Opens mit 7 Punkten dank der besseren Zweitwertung als Primus inter Pares durch. Erfreulicherweise befanden sich in diesem Siegersextett auch die beiden österreichischen IM's Dr. Walter Wittmann und der dreifache österreichische Staatsmeister Niki Stanec, sowie im unmittelbaren Verfolgerfeld, IM Georg Danner, FM Dr. Heimo Titz und Stefan Brandner (je 6½).

Infolge der notwendig gewordenen zweiwöchigen Verschiebung kam es heuer zum Terminkonflikt mit den Mam-mut-Opens in Pardubize und Biel, sodaß die Teilnehmerzahl sowohl qualitativ als auch quantitativ etwas hinter den Erwartungen zurückblieb.

Wie Bürgermeister Regierungsrat Michael Racz in seiner launigen Schlußansprache betonte, werde man bei der 21. Auflage wieder auf den gewohnten Termin (10.-18.7.1999) zurückkehren und hofft damit, frühere Teilnehmerzahlen wieder erreichen zu können. Nichts desto trotz war Oberwart einmal mehr ein überaus gelungenes Schachturnier. Für den reibungslosen Ablauf sorgten IS Gertrude Wagner (ebenso bei allen 20 Turnieren dabei wie die Spieler Lorenz Karral und Mag. Gottfried Wiater) & IS Werner Stubenvoll, unterstützt von ÖS Mag. Hans Stummer.

Rg. Titel Name ELO Land Pkte. Wtg.
1 GM W. Einhorn 2610 UKR 7 54
2 GM K. Lerner 2580 UKR 7 52½
3 GM O. Cvitan 2525 CRO 7 50½
4 GM Z. Lanka 2515 LAT 7 50
5 IM W. Wittmann 2380 AUT 7 47
6 IM N. Stanec 2495 AUT 7 47
7 IM S. Koutsin 2415 UKR 51½
8 FM G. Kovacs 2340 HUN 50½
9 IM G. Danner 2340 AUT 50
10 IM N. Lakos 2385 HUN 49½
11 FM H. Titz 2305 AUT 46
12 FM S. Brandner 2340 AUT 45
13   A. Ostrowski 2245 POL 42
14 IM R. Ruck 2485 HUN 6 52
15 IM Y. Zilberman 2520 ISR 6 51½
16 IM R. Lendwai 2375 AUT 6 51½
17   M. Sandhu 2190 AUT 6 50
18 FM A. Naiditsch 2390 GER 6 49½
19 FM H. Ebner 2275 AUT 6 48½
20   K. Hansen 2120 AUT 6 48½
21 FM H. Pingitzer 2300 AUT 6 47
22 MK P. Mittelberger 2230 AUT 6 46½
23 FM R. Thoma 2285 AUT 6 46½
24   P. Olle 2160 HUN 6 45½
25 IM Y. Zimmerman 2340 RUS 6 45½
26 IM L. Zsinka 2340 HUN 6 45
27 MK H. Kleissl 2300 AUT 6 44
28 FM P. Kranzl 2280 AUT 6 43
29   G. Fuchs 2180 AUT 6 43
    179 Teilnehmer        

Die gesamte Tabelle und vieler Partien finden Sie hier!


Österreichische Erfolge ...

Nichts zuletzt wegen der heuer etwas dünneren Spitze gelang es heuer den österreichischen Spitzenspielern mit den topgesetzten Großmeistern mitzuhalten und in die obersten Preisränge zu gelangen. Während dies von Niki Stanec, der einmal mehr an der Elomarke "2500" kratzt, durchaus erwartet wurde, ließ Walter Wittmann in einem bemerkenswerten Endspurt an frühere Leistungen anklingen.

Weiß: IM R. Ruck (HUN/2485)

Schwarz: IM W. Wittmann (AUT/2380)

Grünfeldindisch [D76]

Anm. I. Balinov

1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sf3 Lg7 4. g3 d5 5. cxd5 Sxd5 6. Lg2 Sb6 7. 0–0 Sc6 8. Sc3 0–0 9. d5. Die Alternative zur Textfortsetzung ist 9. e3.

9. ... Sa5 10. e4. 10. Dc2 kommt in der modernen Meisterpraxis nur noch selten vor.

10. ... c6 11. Lg5 h6 12. Lf4 cxd5 13. exd5. 13. Sxd5 gibt Schwarz nach 13. ... Sac4 14. Sxb6 Dxb6 15. Dc1 Le6 16. Lxh6 Lxb2 17. Df4 Lxa1 18. Lxf8 Txf8 19. Txa1 Db2 zumindest bequemen Ausgleich.

13. ... Sac4 14. De2 g5 15. Lc1 Lg4 16. h3 Lh5 17. Td1. Etwas ehrgeiziger war 17. g4 Lg6 18. h4 Dd7 19. hxg5 Dxg4.

17. ... Tc8 18. g4 Lg6 19. Sd4. Nach 19. a4 Sxb2 20. Lxb2 Lxc3 21. Se5 Lh7 22. Sc6 bxc6 23. dxc6 Lxb2 24. Txd8 Lxa1 25. Txf8+ Kxf8 26. a5 Sa8 hat Schwarz das etwas bequemere Spiel.

19. ... Sd6 20. a4?!. Hierauf kippt das Spiel. Statt des Textzuges sicherte 20. f4!? gxf4 (Kaum besser ist 20. ... Sbc4 21. fxg5 Db6 22. Df2 hxg5 23. b3 e5 24. Sde2 Dxf2+) 21. Lxf4 Sbc4 22. Tac1 Db6 23. Sa4 Lxd4+ 24. Kh1 Db5 25. Txd4 Dxa4 26. b3 deutliches weißes Übergewicht.

20. ... Sbc4 21. Scb5. 21. b3? scheiterte hier an der hübschen Widerlegung 21. ... Lxd4 22. Txd4 Sa5 23. Db2 Db6.

21. ... a6. Nach dem weniger effizienten 21. ... Sxb5 22. Sxb5 Sxb2 23. Lxb2 Tc2 24. Td2 Lxb2 25. Txc2 Lxa1 26. Tc1 Lf6 27. Sxa7 Db8 steht Schwarz kaum besser.

22. Sxd6 exd6. Nicht 22. ... Dxd6 23. b3 Lxd4 24. Txd4 Df6 25. Le3 Sxe3 26. Dxe3 Tc2 27. Te1 b5 und der schwarze Vorteil hat sich verflüchtigt.

23. Df3?. Weiß verpaßt die Gunst der Stunde, mit 23. Sc6! bxc6 24. Dxc4 cxd5 25. Dxa6 nochmals ins Spiel zurückzufinden.

23. ... Te8 24. Sf5 Se5 25. Db3 Lxf5 26. gxf5 Dd7. Die schwarzen Türme beherrschen die beiden offenen Linien. Darüber hinaus ist der Bf5 nicht "vernünftig" zu verteidigen.

27. Le4. Mit dem Textzug degradiert Weiß seinen Königsläufer zum "Großbauern", doch auch nach dem etwas besseren 27. f4 gxf4 28. Lxf4 Dxf5 29. Tf1 Dg6 30. Tac1 Txc1 31. Lxc1 Sd3 bleibt Weiß ohne Verteidigung.

27. ... Sg6 28. Dd3 Sh4 29. f3. Auch nach 29. f4 Lf6 ist der schwarze Vorteil eklatant.

29. ... De7 30. Ld2 De5 31. Le1 Df4 32. Lxh4 Dxh4 33. Td2 Tc5. Ebenso gewann 33. ... Dxh3 34. Th2 Dg3+ 35. Tg2 Df4. 34. Df1 Tec8 35. De1 Df4 36. Tad1 Le5 37. Df2 Tc4 38. b3 Tc3 39. Tb1?. Zeitnot, doch selbst nach dem besseren 39. Tc2 Txc2 40. Lxc2 Tc3 41. Le4 Txb3 bleibt Weiß a la long ohne Verteidigung.

39. ... Txb3! 40. Tdd1. Der Turm war wegen Matts in wenigen Zügel selbstredend tabu.

40. ... Tcc3 41. Da2 Ta3. Nicht minder hübsch war 41. ... Ld4+ 42. Kh1 (42. Txd4 scheitert an 42. ... Txb1+ nebst 46. ...Tc1+ und Damenverlust) 42. ... Txb1 43. Dxb1 Txf3 44. Lxf3 Dxf3+ 45. Kh2 Df2+ 46. Kh1 Le5.

42. Dd2 Te3 43. Tbc1. Oder 43. Df2 Txe4 44. fxe4 Tg3+ 45. Kf1 Tf3 und Schwarz gewinnt rasch.

43. ... Txe4 44. fxe4 Tg3+ 45. Kh2.

Diagramm (6292 Byte)

45. ... Txh3+! 46. Kxh3 Dg3 matt.


Weiß: IM N. Stanec (AUT/2495)

Schwarz: IM G. Danner (AUT/2340)

Bennoni/Holländisch [A43]

Anm. I. Balinov

1. d4 c5 2. d5 f5. Der Hartberger Routinier Georg "Schorsch" Danner serviert dem 3fachen Staatsmeister Niki Stanec einen Cocktail bestehend aus Elementen der Benoni- und Holländischen Verteidigung.

3. g3 g6 4. Lg2 Lg7 5. Sc3. Zu erwägen war 5. Sh3.

5. ... d6. Möglich war hier oder im nächsten Zug 5. ... Sf6.

6. e4 Lxc3+!?. Eine interessante Neuerung.

7. bxc3 fxe4 8. Lxe4 Sf6 9. Lg2 Da5 10. Se2 Sbd7. Interessant war 10. ... Lf5 11. 0–0 Da4 (11. ... Sbd7) 12. Sf4 Dxc2 13. Dxc2 Lxc2 14. Se6 Sa6 15. Te1, und Weiß besitzt Kompensation für den geopferten Bauern.

11. 0–0 0–0. Spielbar war auch 11. ... Sb6.

12. Sf4. Etwas aktiver war 12. Te1!?.

12. ... Se5. Falls 12. ... Dxc3, so 13. Ld2 (Weniger klar war 13. Tb1!? ) 13. ... Dc4 14. Se6 Tf7 15. Sg5 Tf8 16. Se6 und Weiß muß sich mit Remis durch Zugwiederholung zufriedengeben.

13. Se6 Lxe6 14. dxe6 Tab8. Zu kompliziertem Spiel mit Chancen für beide Seiten führte 14. ... Dxc3 15. Tb1 Tab8.

15. De1 Kg7. Gut war auch 15. ... Da4!?.

16. h3 b5 17. f4 Sc4 18. g4 h6. Vorteilhaft für Weiß war hingegen 18. ... Tbd8 19. f5 gxf5 20. Txf5 d5 21. Lg5.

19. Tf3 Dc7. Möglich war auch 19. ... Da4 20. De2 d5 21. Td3 Tbd8, mit unklaren Verwicklungen.

20. Dh4.

Diagramm (7002 Byte)

20. ... Sg8?!. Zu passiv. Gut und notwendig war 20. ... Th8!?.

21. f5 Se5 22. Tf2 b4. Auf 22. ... g5 erlangt Weiß mit 23. Lxg5! hxg5 24. Dxg5+ Kh8 25. Dh4+ Kg7 26. g5 drohend 27. Le4 entscheidenden Vorteil.

23. g5 hxg5. Zu erwägen war 23. ... Txf5 24. Txf5 gxf5 25. gxh6+ Kh7 26. Dg5 Sg6 27. h4 Dc8 28. h5 Dxe6 29. cxb4 Txb4 30. hxg6+ Dxg6 31. Dxg6+ Kxg6 mit unklaren Verwicklungen.

24. Lxg5 Txf5. Ebenso hoffnungslos war 24. ... bxc3 25. Le4 Tb4 (oder 25. ... gxf5 26. Lxf5 Txf5 27. Txf5) 26. fxg6 Sxg6 27. Txf8 Sxf8 28. Lh6+ Sxh6 29. Dg5+ Kh8 30. Dxh6+ Kg8 31. Tf1.

25. Txf5 gxf5 26. Dg3 Sg6 27. h4 Kh7. Nicht besser ist 27. ... Sf6 28. Lxf6+ Kxf6 29. Dg5+ Kg7 30. h5, oder 27. ... Dc8 28. Te1 bxc3 29. h5 De8 30. hxg6 Dxg6 31. Dxc3+ Sf6 32. Te3, jeweils mit Gewinn für Weiß.

28. Tf1 Tf8 29. h5 Se5 30. Lh3!. Entscheidend!

30. ... Sh6 31. Lxh6 Kxh6 32. Df4+ Kxh5 33. Lxf5 Tg8+ 34. Kf2 Db7 35. Le4 Sg4+ 36. Ke1 und Schwarz strich die Segel.

ÖM Lothar Karrer