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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 757 vom 14.08.1998, Kategorie Kolumne

Offene Herrenstaatsmeisterschaft in Tenneck: Niki Stanec zieht vom Start weg davon (14.Aug.98)

Der dreifache und auch regierende österreichische Staatsmeister ließ im salzburgischen Tenneck gleich vom Start weg nichts anbrennen und die Gegner erkennen, daß der Sieg auch heuer nur über ihn führen wird. Nach 4 Runden liegt der favorisierte Wiener mit dem Punktemaximum von 4 Punkten an der Spitze. Von den Kofavoriten hat IM Hölzl durch seine Niederlage gegen IM Stanec (2½) schon etwas Boden verloren, noch schlechter ergeht es IM Mahdy, der nach zwei Niederlagen gegen Außenseiter erst 1 Punkt aufzuweisen hat. Zu den positiven Überraschungen zählen bislang FM Kwatschewski und ÖM Schneider-Zinner.

Stand nach der 4. Runde:

Rg. Titel Name ELO Pkt. Wtg.
1 IM N. Stanec 2495 4
2 FM L. Kwatschewsky 2275
3 FM C. Weiß 2370 3
4 ÖM H. Schneider-Zinner 2300 3
5 IM S. Baumegger 2360 3
6 IM G. Schroll 2400 3 9
7 IM G. Danner 2340 3 9
8 IM M. Wach 2395 3 8
9 IM H. Casagrande 2360 3 8
10   S. Zoister 2105 3
11   C. Hardt 2135 3 6
    52 Teilnehmer      


Zwei Partien aus Tenneck

STANEC.JPG (6250 Byte) 

Bild: Stanec

(Ein blendend aufgelegter Titelverteidiger)

Weiß: FM H. Titz (2310)

Schwarz: IM N. Stanec (2495)

Englisch [A10]

Anm. I. Balinov

1. c4 g6 2. e4 e5 3. Sf3 Lg7 4. d4 exd4 5. Sxd4 Sf6 6. Sc3. Keinen Vorteil ergibt 6. e5 Se4 7. De2 Sc5 8. Sc3 0–0.

6. ... 0–0 7. f3. 7. Ld3 führt nach 7. ... c6 8. 0–0 d5 9. cxd5 cxd5 zu völligem Ausgleich. Versucht wurde auch 7. g3 Te8 8. Lg2 d5 9. cxd5 Sxd5 10. Sde2 Sxc3 11. Dxd8 Txd8 12. Sxc3 c6 13. Lg5 f6 14. Le3 Le6, Miles-Timman Bugojno 1986, mit, wenn überhaupt, geringfügig besserem Spiel für Weiß.

7. ... Te8 8. Le3. In Gross-Stohl, Trnava 1991, geschah statt dessen 8. Le2 c6 9. Sc2 d5 10. cxd5 cxd5 11. Lg5?! (Besser war 11. exd5!? ) 11. ... h6 12. Lxf6 Dxf6 13. Dxd5 Sc6 14. 0–0 Le6 15. Db5 Sd4 16. Sxd4 Dxd4+ 17. Kh1 a6 18. Dd3 Dxd3 19. Lxd3 Tac8 20. Tac1 Lxc3 21. bxc3 Lxa2 mit besserem Spiel für Schwarz.

8. ... c6! 9. Db3. 9. Dd2 gestattet es dem Nachziehenden, mit 9. ... d5 10. cxd5 cxd5 11. Lb5 Ld7 12. Ld3 mühelosen Ausgleich zu erlangen.

9. ... d5 10. cxd5 cxd5. Objektiv besser war 10. ... Sxd5!? mit gleichem Spiel.

11. 0–0–0 Sc6.

DIA9830A.GIF (17820 Byte)

12. Sxc6. Dies verschafft dem Anziehenden eine gedrückte Stellung. Nach 12. Sxd5 Sxd5 13. Sc2 Scb4 14. Sxb4 Dc7+ 15. Kb1 Sxe3 16. Dxe3 Le6 wäre es unklar gewesen, ob Schwarz für den Minusbauern im Läuferpaar ausreichende Kompensation besitzt.

12. ... bxc6 13. Ld4 Dc7. Unklar war 13. ... dxe4 14. Lc4 Dc7 15. Lxf6 Lxf6 16. Sxe4 Txe4 17. fxe4 Tb8.

14. Ld3 Tb8 15. Da3. Zu erwägen war 15. Da4!?.

15. ... Le6 16. Kb1 c5 17. Lxc5. Ausgleich versprach statt dessen 17. Lxf6 Lxf6 18. exd5 Lxc3 19. Dxc3 Lxd5 20. Td2.

17. ... dxe4 18. Ld6. Zu beachten war 18. Lb5!?.

18. ... Db6 19. Lxb8. Klar vorteilhaft für Schwarz ist 19. Lb5 exf3 (Nicht aber 19. ... e3 20. Lxe8 Txe8 21. Lc5 und Weiß dreht den Spieß um) 20. gxf3 Sd5 21. Sxd5 Dxb5 22. Lxb8 Lxd5 23. Lxa7 Lxf3 24. The1 Lxd1.

19. ... Txb8 Für die Qualität besitzt Schwarz etwas Initiative.

20. Sa4. Ebenfalls schwarzen Vorteil ergab 20. Lb5?! Lf8 (20. ... exf3 21. gxf3 Sd5 22. Sxd5 Dxb5 23. Se7+ Kh8 24. Td2 Tb7) 21. Da4 (Nicht besser ist 21. Da6 Lb4 22. Dxb6 Txb6) 21. ... exf3 22. gxf3 Ld7 23. Txd7 Sxd7 24. Td1 Sc5.

20. ... Da5 21. Le2. 21. fxe4 scheitert an 21. ... Lf8! 22. Dc3 Dxa4 23. a3 Lxa3, aber auch 21. Lc2 Sd5 22. fxe4 findet in 22. ... Lxb2 23. Dd6 (bzw. 23. Dxb2 Txb2+ 24. Kxb2 Se3 25. Lb3 Sxd1+ 26. Txd1 De5+) 23. ... Le5+ eine hübsche Widerlegung.

21. ... Sd5 22. fxe4 Sc3+ 23. Sxc3 Dxa3 24. Td8+ Txd8 und Weiß gab auf.


Weiß: IM MMag. G. Schroll (2400)

ÖM Dr. M. Schumi (2260)

Königsindisch [E74]

1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. Le2 0–0 6. Lg5 c5 7. dxc5. Möglich ist auch 7. d5 b5 8. cxb5 a6 (Gut für Weiß ist hingegen 8. ... e5?! 9. g4! a6 10. a4 h6 11. Ld2 Dd7 12. h3 Kh7 13. Sf3 De7 14. a5 Sbd7 15. Le3 Tb8 16. Sd2, mit klarem Vorteil für Weiß, Panno-Hort, Havanna (ol) 1966) 9. a4 h6 10. Ld2 e6 11. dxe6 Lxe6 12. Sf3 axb5 13. Lxb5 Sa6 14. 0–0 Sc7 15. Te1 Sxb5 16. Sxb5 d5 17. exd5 Sxd5 Tukmakow-Kasparow, UdSSR-ch 1981, und nun hätte Weiß nach Kasparow mit 18. Tc1!? etwas Vorteil erlangen können.

7. ... Da5 8. Ld2. Nicht zu empfehlen ist 8. Dd2?! dxc5 9. e5 Td8 10. De3 Sg4 11. Lxg4 Lxg4 12. h3 Le6 13. Lxe7 Te8 14. Dxc5 Dxc5 15. Lxc5 Sd7, mit schwarzer Initiative, Prins-Geller, Amsterdam (ol) 1954.

8. ... Dxc5 9. Sf3 Lg4 10. Le3 Da5 11. 0–0 Sc6 12. a3. Zu erwägen war 12. Tc1!?. 12. ... Lxf3. 12. ... Tfc8 13. b4 Dd8 14. Db3 Df8 15. h3 Lxf3 16. Lxf3 Sd7 17. Tfd1 Sce5, mit unklaren Verwicklungen, Schmidt-Sznapik, Trnava 1984.

13. Lxf3 Sd7 14. b4 De5 15. Tc1 a5 16. Sd5 axb4 17. axb4 Sf6?!. Vorzuziehen war 17. ... e6 18. Lf4 Dd4 19. Sc7 Ta2 20. Lxd6 Tc8 21. Sb5, mit nur geringfügig besserem Spiel für Weiß.

18. Lf4 Db2 19. Tb1 Da2 20. Lg5.

DIA9830B.GIF (17424 Byte)

20. ... Ta3?. Richtig war 20. ... Dxc4 21. Sb6 Db5 22. Sxa8 Dxg5 23. Sb6 Td8 24. Sd5, abermals mit etwas besserem Spiel für Weiß.

21. Lxf6! exf6 22. b5 Se5 23. Le2 Taa8 24. Sb6. Aufgrund der geschwächten Bauernstruktur ist die schwarze Stellung praktisch nicht zu verteidigen.

24. ... Tad8 25. Ta1 Db2. Der Textzug erobert den d-Bauern und damit die Partie.

26. Ta7 Db4 27. Txb7 Tb8 28. Sd5 Db2 29. Tc7 Tfe8 30. f4 und Schwarz gab auf.


Turnierbulletin der ÖM

Das Turnierbulletin (inkl. Diskette in CB7-Format) mit sämtlichen Partien der Offenen Österreichischen Damen- und Herrenmeisterschaft 1989 kann bei Herrn DI G. Herndl gegen Einzahlung von ATS 200,- auf das Konto Nr. 17954 bei der Raika Anif, BLZ 35005, unter Angabe der Adresse bezogen werden.


Morosewitsch Russischer Champion

Morosewitsch.jpg (16372 Byte)

(Sensationssieger Morosewitsch)

Dem 21jährigen Alexander Morosewitsch genügte in der Schlußrunde der in St. Petersburg ausgetragenen 51. Russischen Meisterschaft eine Punkteteilung gegen Sergej Schipow, da auch alle anderen Partien auf den ersten 6 Brettern remis geendet hatten, aufgrund der besten Werungspunkte im Siegerquartett zum Sieg in der Russischen Meisterschaft. Die Entscheidung fiel praktisch in der Vorschlußrunde als der neuer Champion den lange Zeit führenden Rublewski niederrang.

Obwohl einige Spitzenspieler, allen voran Kasparow, Karpow und Salow, um nur die wichtigsten zu nennen, nicht am Start waren, liest sich die Teilnehmerliste dennoch wie ein "Who is who in Chess". Von den 60 Teilnehmern waren 44 Groß- 12 Internationale und 1 FIDE-Meister.

Nach Aufarbeitung der aktuellen österreichsichen Ereignisse werden wir auf dieses Turnier zurückkommen.


ÖM Lothar Karrer