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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 780 vom 21.08.1998, Kategorie Kolumne

Offene Herrenstaatsmeisterschaft in Tenneck: Niki Stanec verteidigt Titel erfolgreich (21.Aug.98)

stanec2.jpg (16898 Byte)

Wie erwartet, wenn auch mit dem knappest möglichen Vorsprung von 2 Buchholz-Punkten, gelang es Titelverteidiger IM Nikolaus Stanec in Tenneck/Werfen (Salzburgrg), seinen Titel trotz einer Niederlage in der Vorschlußrunde gegen seinen schärfsten Konkurrenten IM Siegfried Baumegger erfolgreich zu verteidigen. Ein gutes Turnier spielten auch IM Markus Wach, FM Leo Kwatschewsky und IM Georg Danner, der in der Schlußrunde noch im Titelrennen war.

Auslosungspech hatte FM Helmut Kummer, der mit einem Remis in der Schlußrunde eine IM-Norm erbracht hätte, so aber sogar noch die Qualifikation für die nächstjährige geschlossene Herrenstaatsmeisterschaft verpaßte, während diese Dr. Martin Stichelberger mit der zweitschwächsten Buchholzwertung (insgesamt 35.) unter den ersten 30 schaffte.

Rg. Titel Name Elo Pkte. Wtg.
1 IM N. Stanec 2495 7 50
2 IM S. Baumegger 2360 7 48
3 IM M. Wach 2395 49
4 FM DI. L. Kwatschewsky 2275 6 53
5 IM G. Danner 2340 6 50½
6 FM C. Weiß 2370 6 48
7 IM F. Hölzl 2410 6 47½
8 IM H. Casagrande 2360 6 45
9   K. Hansen   6 40
10   Dr. M. Stichlberger   6 37½
11 FM H. Kummer 2315 45½
12 FM Mag. M. Neubauer 2305 44
13   D. Hiermann 2205 41½
14 FM Dr. H. Herndl 2375 41
15 ÖM W. Posch 2295 5 45½
16 ÖM H. Schneider-Zinner 2300 5 45
17 FM Mag. W. Dür 2310 5 42½
18 FM Dr. H. Titz 2310 5 42
19 MK T. Hebesberger 2195 5 41½
20 ÖM Dr. M. Schumi 2260 5 39
21 FM Doz. Dr. H. Rolletschek 2300 5 38½
22 FM Mag. A. Hellmayr 2240 5 38
23 FM S. Brandner 2340 45
24   C. Hardt 2135 43½
25 FM A. Postl 2295 32
26 IM Dr. W. Wittmann 2380 4 44
27 MK M. Raffalt 2180 4 42½
28   H. Genser 2155 4 42
29 FM Mag. K. Petschar 2260 4 42
30 FM M. Freitag 2400 4 41
31 MK K. Rogetzer 2210 4 40
32 MK M. Sulyok 2270 4 37½
33   G. Waldmann 2175 4 36½
34 FM Mag. G. Moser 2355 4 36
35 MK H. Pilaj 2215 4 36
36   S. Zoister 2105 4 35½
37 MK H. Grabher 2285 4 35
38 MK R. Wiedner 2190 4 35
39   H. Obermayr 2160 4 27½
40 FM P. Roth 2275 39
41   N. Kranewitter 2180 38½
42 IM MMag. G. Schroll 2400 37½
43   T. Steinermayr 2220 31
44   H. Neihs 2180 3 39
45 MK A. Hinteregger 2160 3 34½
46   E. Senoner 2160 3 33
47 MK T. Bürger 2159 3 33
48 MK A. Wersching 2100 3 29½
49   S. Neuschmied 2200 39
50 MK B. Steiner 2185 37½
51   M. Gerhold 2265 2 38
52 IM K. Mahdy 2365 1 20½


Die Entscheidung

Als in der Vorschlußrunde Titelverteidiger Niki Stanec in der nachfolgenden Partie dem Steirer Siegfried Baumegger unterlag, dachten die meisten, daß damit die Würfel gefallen wären ...

Weiß: IM S. Baumegger (2360

Schwarz: IM N. Stanec (2495)

Katalanisch [E04]

Anm. I. Balinov

1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. g3 d5 4. Sf3 dxc4 5. Lg2 Sbd7 6. 0–0. Der Steirer hat seine Hausaufgabe offenbar äußerst gründlich gemacht. Mit dem Textzug versucht er das Spiel des Anziehenden aus der Partie Lehner-Stanec,Oberwart 1996, in der 6. Sbd2 Sb6 7. Sxc4 Sxc4 8. Da4+ Ld7 9. Dxc4 Lc6 10. 0–0 mit Ausgleich folgte, zu verbessern.

6. ... a6. Die Enzyklopädie der Schacheröffnungen (ECO), Band E (E04/7) empfiehlt 6. ... Tb8 7. a4 b6 8. Sfd2 La6 9. Sc3 c5 10. Sb5 Lxb5 11. axb5 cxd4 12. Sxc4, mit etwas besserem Spiel für Weiß.

7. Sbd2. Eine Neuerung. Die ECO erwähnt hier:

A) 7. Dc2 b5 8. Se5 Sxe5 9. Lxa8 Dxd4 10. Le3 Dd7 11. Td1 Ld6 (mit unklaren Verwicklungen) 12. a4 remis, Rajkovic-Velimirovic, Jugoslawien (ch) 1984, und B) 7. a4 c5 8. Sa3 cxd4 9. Sxc4 Lc5 10. Sxd4 Sb6 11. Sxb6 Lxb6 12. Sb3 De7 mit Ausgleich, Kohlweyer-Blatny, Deutschland 1990.

7. ... c5?!. Verfrüht. Angezeigt war 7. ... Sb6 8. Dc2 Ld7 9. Sxc4 Sxc4 10. Dxc4 Lc6 11. Lf4 Ld6 12. Tfc1 0–0 und Schwarz hat Ausgleich.

8. Sxc4 b5? 9. Sce5 Sd5. Selbstredend verbot sich 9. ... Lb7?? wegen 10. Sxf7 und Weiß gewinnt rasch.

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10. Sxd7?.
Nach dem Textzug hält sich der weiße Vorteil in Grenzen. Viel stärker war 10. dxc5! und nun:

A) 10. ... Lxc5 (10. ... Sxc5 scheitert an 11. Sg5) 11. Sxf7 Kxf7 12. Sg5+ Ke7 13. Sxe6 bzw.

B) 10. ... Sxe5 11. Sxe5 Lxc5 12. e4 Dc7 13. exd5 Dxe5 14. dxe6 Ta7 15. Te1 Df5 16. Lf4 fxe6 17. Te5 Df8 18. Dh5+ g6 19. Txc5 gxh5 20. Txc8+ Kf7 21. Txf8+ Txf8 22. Td1 jeweils mit Gewinn für Weiß.

10. ... Lxd7 11. Se5. Zu prüfen war auch 11. Lg5 f6 12. e4 Sb6 13. Le3 (Zu unübersichtlichen, letztendlich aber für Schwarz günstigen Verwicklungen führte 13. Lh4!? Tc8 14. Se5 cxd4 15. Dh5+ Ke7 16. Df7+ Kd6) 13. ... Sc4 14. Lc1 Tc8 15. b3 Sb6, mit kompliziertem Spiel und Chancen für beide Seiten.

11. ... Tc8 12. e4 Sb6. Spielbar war auch 12. ... Sf6 13. Lg5 cxd4 14. Dxd4 Lc5 15. Dd3 h6 16. Lxf6 gxf6 17. Sxd7 Dxd7 18. Df3 mit, wenn überhaupt, nur geringfügig besserem Spiel für Weiß.

13. Dh5!?. Anders verflacht das Spiel rasch.

13. ... g6 14. Df3 De7?. Ein Fehler. Richtig war 14. ... f6 15. Sxd7 Sxd7 16. Lh3 mit etwas weißer Initiative.

15. dxc5 Txc5 16. Le3. Weniger klar war 16. Lg5 Dxg5 17. Sxf7 De7 18. Sxh8 Lg7 19. Sxg6 hxg6 20. De2.

16. ... Txe5 17. Lxb6 Th5. Nach 17. ... Lc6? 18. Dc3 käme Schwarz vom Regen in die Traufe.

18. Dc3. Stärker war 18. e5! f5 19. exf6 Dd6 20. Db7 und Weiß gewinnt rasch.

18. ... f6. 18. ... e5 scheitert an 19. Dc7.

19. Tfd1 Kf7 20. Lf3. Viel rascher gewann 20. Tac1! Lh6 21. Dc7 Le8 22. Dxe7+ Kxe7 23. Tc7+ Kf8 24. La5.

20. ... Te5 21. Ld4. Der Textzug gewinnt zwar auch, doch konnte sich der Anziehende mit 21. Tac1! Lh6 22. Dc7 Le8 23. Dxe7+ Kxe7 24. Tc7+ Kf8 25. Td8 einige Mühe ersparen.

21. ... b4 22. Dc7 Tb5 23. Le2 Le8 24. Dxe7+ Lxe7 25. Lxb5 Lxb5 26. Tac1 Td8 27. Lb6 Txd1+ 28. Txd1 b3 29. axb3. Der Rest ist Sache der Technik. Es folgte noch: 29. ... e5 30. Tc1 Ke6 31. f3 f5 32. Kf2 fxe4 33. fxe4 h5 34. Lc5 Ld8 35. Td1 Lc7 36. Ke3 Kf6 37. Td2 Ke6 38. Kf3 Lc6 39. b4 Lb5 40. Td1 Lc4 41. Ta1 Lb5 42. g4 hxg4+ 43. Kxg4 Ld8 44. Kf3 Lc7 45. Tg1 Kf6 46. Tg2 Kf7 47. Ke3 Ld8 48. Tf2+ Ke6 49. Tf8 Lg5+ 50. Kf3 Lc1 51. b3 Lh6 52. Tb8 Ld2 53. Tb6+ Kf7 54. Td6 Lf4 55. Tb6 Lh6 56. Kg3 Lg5 57. Tb7+ Ke6 58. h4 Ld2 59. Kf3 Le1 60. Th7 Kf6 61. h5 gxh5 62. Txh5 Ld2 63. Th8 Kg7 64. Tb8 Kg6 65. Tb6+ Kf7 66. Td6 Lg5 67. Kg4 Lf6 68. Kf5 Lg7 69. Td2 Lf6 70. Lb6 und Schwarz gab auf.


 ..., sie hatten jedoch nicht mit der Kampfkraft des Wieners gerechnet, der in der nachfolgenden Partie gegen den Tiroler Wach, der sich im Falle eines Sieges selbst noch Chancen auf den Titel hätte ausrechnen können "auf Risiko" spielte und hierfür belohnt wurde. Siegi Baumegger pokerte hingegen, begnügte sich gegen Franz Hölzl mit einer Punkteteilung, und mußte am Schluß zusehen, wie Stanec dank der besseren Buchholzwertung an ihm vorüberzog ...

 

 Weiß: IM N. Stanec (2495)

Schwarz: IM M. Wach (2395)

Caro-Kann [B17]

Anm. I. Balinov

1. e4 c6 2. d4 d5 3. Sc3 dxe4 4. Sxe4 Sd7 5. Sg5 Sgf6 6. Ld3 e6 7. S1f3 Ld6 8. De2 h6 9. Se4 Sxe4 10. Dxe4 Sf6 11. De2 Dc7 12. Ld2 b6 13. 0–0–0 Lb7 14. Kb1. Alternativen zum Textzug waren 14. Se5 und 14. The1. 14. ... c5. An dieser Stelle neu. Üblich ist 14. ... 0–0–0 oder 14. ... Td8.

15. dxc5 Dxc5. Auch nach 15. ... Lxc5 16. Lb5+ Ke7 17. Lc3 Thd8 steht Weiß etwas bequemer.

16. Le3 Dh5. Nach 16. ... Dc7 17. Lb5+ Ke7 18. Ld4 Thd8 19. Se5 Lxg2 20. Thg1 Lb7 21. Ld3 hat Weiß etwas Initiative.

17. La6. 17. Lb5+ Ke7 bereitet Schwarz keinerlei Probleme.

17. ... Lxf3 18. gxf3 Td8 19. Lb5+ Ke7 20. La4 Lb8. Zu erwägen war 20. ... Lc7!?.

 

21. Tde1! Td6 22. Ld2 Sd7. Interessant war 22. ... Td4 23. Lb3 Thd8 24. Lc3 T4d7 mit unklaren Verwicklungen nach 25. Lxe6 fxe6 26. Dxe6+ Kf8 27. Lxf6 gxf6 28. Dxf6+ Df7 29. Dxh6+ Dg7.

23. Lc3 Sc5 24. Lb5 Thd8 25. a3. Unklar war 25. Lxg7 Td2 26. De3 Dg6 27. Dc3 Txf2 28. Thg1 Df5 29. Lxh6 Lf4 30. Lxf4 Dxf4.

25. ... f6. Spielbar war auch 25. ... g6!?.

26. Thg1 Kf8. 26. ... g5?! gibt Weiß nach 27. h4 Lc7 28. hxg5 hxg5 29. f4 Dxe2 30. Lxe2 aufgrund des Läuferpaares und der offenen schwarzen Königsstellung die etwas besseren Chancen.

27. Tg2 e5. Zu erwägen war 27. ... a6 28. Lc4 (Nach 28. Lxa6 Sxa6 29. Dxa6 Dxf3 30. Tgg1 Td1+ 31. Txd1 Txd1+ 32. Txd1 Dxd1+ 33. Ka2 Dd5+ 34. Kb1 Lxh2 ist das schwarze Spiel vorzuziehen.) 28. ... b5 29. La2 e5 mit unklaren, für Schwarz jedoch keineswegs ungünstigen Verwicklungen.

28. Teg1 g5 29. Te1 a5. Nicht aber 29. ... Se6 wegen 30. Lb4 Sf4 31. Df1 Sxg2 32. Dxg2 a5 33. Lxd6+ Lxd6 34. Ld3²; 29. ... Kg7 30. h4 Dxh4 31. Tg4 Dh3 32. f4 Se4 33. fxe5 Sxc3+ 34. bxc3 und Weiß gewinnt.

30. Tgg1 Dh4?. Hierauf kippt das Spiel. Besser, wenn auch ebenfalls vorteilhaft für Weiß war 30. ... Se6 31. De4 Dxh2 32. Th1 Df4 33. Dg6.

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31. f4! Dxf4 32. Dh5 Kg7 33. Le8! Df5. Ebenso verliert 33. ... Dc4 34. f4 Se4 (34. ... e4 35. fxg5) 35. Dg6+ Kf8 36. fxe5 Sxc3+ 37. bxc3.

34. Df7+ Kh8 35. Lxe5! Te6 36. Lc3 Le5. Oder 36. ... Tdd6 37. Txe6 Txe6 38. Df8+ Kh7 39. Lf7 und Weiß gewinnt.

37. Lxe5 Td2 38. Df8+ Kh7 39. Lf7 Dxc2+ 40. Ka1 und Schwarz gab auf.


Offene Damen-Staatsmeistershaft 1998

Die mangels ausreichender Teilnehmerzahl in einem Rundenturnier ausgetragene "Offene Österreichische Damen-Staatsmeisterschaft" endete mit einem etwas glücklichen Sieg der Wienerin Ursula Fraunschiel, die in der Entscheidungspartie gegen Dr. Ulrike Schwaninger aus glatter Verluststellung heraus zum ganzen Punkt kam. Die topgesetzte Sonja Sommer enttäuschte.

Rg. Titel Name EloN 1 2 3 4 5 6 7 8 Pkt. Wtg.
1 WMK U. Fraunschiel 1927 * 1 ½ ½ ½ 1 1 1 16.50
2   Dr. U. Schwaninger 1824 0 * ½ 1 1 ½ 1 1 5 14.00
3   D. Lukan 1786 ½ ½ * 1 ½ ½ 1 ½ 14.75
4 WMK E. Kirchmayr 1767 ½ 0 0 * 1 1 ½ 1 4 10.75
5 WÖM S. Sommer 2039 ½ 0 ½ 0 * ½ 1 1 9.25
6 WMK J. Graf 1762 0 ½ ½ 0 ½ * 0 1 7.50
7   G. Vokroj 1725 0 0 0 ½ 0 1 * ½ 2 5.00
8   S. Kopinits 1565 0 0 ½ 0 0 0 ½ * 1 3.25


ÖM Lothar Karrer