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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 783 vom 28.08.1998, Kategorie Kolumne

Herrenstaatsmeisterschaft in Werfen/Tenneck: Partiennachlese (28.Aug.98)

Die Herrenstaatsmeisterschaft, die zwar qualitativ mit wenigen Ausnahmen die österreichische Spitze am Start sah, konnte in bezug auf die Teilnehmerzahl, die heuer gegenüber früheren "Offenen Staatsmeisterschaften" deutlich zurückblieb, überraschend nicht mithalten.

Im folgenden zwei weitere Partien von der Herrenstaatsmeisterschaft.

Tiroler Duell

Im Kampf um die "Tiroler Vorherrschaft" und auch im Bestreben, im Titelrennen zu bleiben, traf Markus Wach in der Vorschlußrunde auf Werner Dür, womit für einen spannenden Kampf gesorgt war ...

Weiß: IM M. Wach (2395)

Schwarz: FM Mag. W. Dür (2310)

Caro-Kann [B14]

Anm. I. Balinov

1. e4 c6 2. d4 d5 3. exd5 cxd5 4. c4 Sf6 5. Sc3 e6 6. Sf3 Lb4 7. cxd5 exd5. Spielbar ist auch 7. ... Sxd5

8. Ld3 0–0 9. 0–0 Sc6. Versucht wurde auch 9. ... Lg4 10. Lg5 Lxc3 11. bxc3 Sbd7 12. Dd2 Lxf3 13. gxf3 Tc8 14. Kh1 Tc6 15. Tg1 Kh8 16. Tab1 Dc8, mit etwas besserem Spiel für Weiß, Benjamin-Douven, Wijk aan Zee 1989; doch kam auch 9. ... h6!? mit der Idee, die nachfolgende Fesselung zu unterbinden, in Betracht.

10. Lg5 Lxc3. [Oder 10. ... Le7 11. h3 h6 12. Lf4 mit etwa gleichem Spiel.

11. bxc3 Lg4 12. Db3!?. Ein neuer Zug. Die ECO führt hier 12. Dd2, und 12. Te1 Dd6 13. h3 Lh5 14. Lf5 Tfe8 15. Dd3 Lg6 16. Sh4 Se7 17. Df3 Sxf5 18. Sxf5 Lxf5 19. Dxf5 Se4 mit Ausgleich, Adams-Schandorf, Oakham 1986, an.

12. ... Sa5. 12. ... Lxf3 13. gxf3 Sa5 14. Lxf6 Dxf6 (14. ... gxf6 führt zur Partiefortsetzung) 15. Dxd5 Sc6 16. Tfe1 wäre klar vorteilhaft für Weiß.

13. Lxf6 gxf6. Nicht aber 13. ... Sxb3 14. Lxd8 Sxa1 15. Lg5 und Weiß verbleibt mit dem Läuferpaar gegen einen Turm, da der Rappe auf "a1" nicht zu entrinnen vermag.

14. Dc2 Lh5. Auf 14. ... Lxf3 folgt sehr stark 15. gxf3! (Weniger effizient ist 15. Lxh7+ Kg7 16. gxf3 Th8 17. Lf5 Dc7 18. h3 Df4 mit unklaren Verwicklungen) 15. ... f5 16. Lxf5 Dh4 17. Kh1 Kh8 18. Tg1 Tg8 19. Tg3 mit klarem Vorteil für Weiß.

15. Sh4 Lg6 16. f4.  

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16. ... Lxd3?. Ein grober Bock. Unbedingt erforderlich war 16. ... Dc7! mit etwas besserem Spiel für Weiß.

17. Dxd3 Kh8 18. Sf5 Dd7? 19. Tf3 Tg8. Es gibt keine Verteidigung: 19. ... Tfe8 verbietet sich wegen 20. Th3 Te4 21. Txh7+ Kxh7 22. Dh3+ Kg6 (22. ... Kg8 23. Sh6+) 23. Dg4+ Kh7 24. Dg7 matt.

20. Th3 Tg6 21. Txh7+! Kxh7 22. Dh3+ Kg8 23. Sh6+ und Schwarz gibt auf.


 David gegen Goliath

Nachdem der frühere Grazer "Theorieprofessor" Walter Wittmann in Oberwart noch als bestplacierter Österreicher geglänzt hatte, zeigte er sich knapp danach in Tenneck völlig außer Form. Obwohl der Elo-Schnitt seiner Gegner (darunter 1 FM und 1 ÖM) nur knapp über 2200 lag, mußte er sich, als #6 gesetzt, in der Endabrechnung mit 4 Punkten und Rang 26 begnügen, während Außenseiter Kay Hansen über sich hinauswuchs und mit Platz 9 die Qualifikation für die nächstjährige geschlossene Herrenstaatsmeisterschaft schaffte.

 Weiß: IM Dr. W. Wittmann (2380)

Schwarz: Mag. K. Hansen (2120)

Caro-Kann [B18]

1. e4 c6 2. d4 d5 3. Sd2 dxe4 4. Sxe4 Lf5 5. Sc5 Dc8 6. Sf3 Sf6. Möglich ist auch 6. ... Sd7 7. Sxd7 Lxd7 8. Se5 Sf6 9. Lc4 Le6 10. Lxe6 Dxe6 11. 0–0 Dc8 12. Te1 e6 13. Df3 Le7 14. Dg3
0–0 15. Lh6 Se8 16. Tad1 Dd8 17. Lf4 Sf6 18. Lh6 Se8, remis, Rublewski-Charitonow, Elista 1994.

7. Le2. Oder 7. Se5 e6 8. Lf4 Sbd7 9. g4 Lg6 10. Scxd7 Sxd7 11. Sxg6 hxg6 12. Df3 Dd8 13. 0–0–0 g5 14. Lg3 Sf6 15. Lc4 Ld6 16. h4 Lxg3 remis, Rublewski-Burmakin, Elista 1995.

7. ... e6 8. Sd3. In Kengis-Jangawa, Moskau 1994, erlangte der Anziehende nach 8. Lf4 Lg4 9. Se5 Lxe2 10. Dxe2 Le7 11. 0–0–0 0–0 12. g4 etwas Initiative, doch bedarf diese Fortsetzung weiterer Überprüfung.

8. ... Ld6 9. 0–0 Sbd7. Spielbar war auch 9. ... Dc7 10. c4 0–0 11. c5 Le7 12. Lf4 Dd8 13. Db3. 10. c4 c5 11. b3. Auch nach 11. dxc5 Sxc5 12. Sxc5 Dxc5 (12. ... Lxc5!) 13. Le3 Dc7 (13. ... Db4 14. Sd4 Td8 15. Db3 Dxb3 16. axb3 Lg4 17. f3 Lh5 18. Sb5 a6 19. Sxd6+ Txd6, mit etwas besserem Spiel für Weiß.) 14. c5 Le7 15. Da4+ Kf8 16. Tac1 verbleibt das Spiel im Gleichgewicht.

11. ... 0–0 12. Lb2 Td8 13. Dc1?a6. Möglich war auch 13. ... cxd4 14. Sxd4 (nicht aber 14. Lxd4?? wegen 14. ... Lxd3 15. Lxd3 e5 und Schwarz gewinnt.) 14. ... Lxd3 15. Lxd3 Sc5 16. Lc2 Le5 mit etwa gleichen Chancen.

14. Td1. Spielbar war auch 14. dxc5 und nun:

A) Spielbar war auch 14. ... Lxd3 15. Lxd3 Lxc5 (15. ... Sxc5?! gibt Weiß nach 16. Lxf6 gxf6 17. Lc2 Angriffschancen gegen die geschwächte schwarze Königsstellung.) 16. Dg5, oder

B) 14. ... Sxc5 oder 15. Sxc5 Dxc5 16. Lxf6 gxf6 17. Dh6 Lg6 18. Tad1 Dh5.

14. ... Dc7. Gut war auch 14. ... cxd4!?.

15. h3. Auch nach 15. dxc5 Sxc5 16. Lxf6 gxf6 17. Sxc5 Dxc5 kann Weiß kaum auf Vorteil hoffen.

15. ... Tac8 16. dxc5 Sxc5 17. Sxc5 Lxc5 18. Ld4. Nach 18. Lxf6 Txd1+ 19. Dxd1 gxf6 steht eher Schwarz bequemer.

18. ... Se4. Auch nach 18. ... Lxd4 19. Txd4 Txd4 20. Sxd4 Le4 hat Schwarz keinerlei Probleme.

19. Db2?. Ausgleich ergab 19. De3!.  

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19. ... Txd4!. Hübsch, wenn auch naheliegend.

20. Sxd4. Nicht aber 20. Txd4 Sxf2! 21. Kxf2 e5 22. Tad1 exd4 23. Ld3 Df4 und Schwarz hat klaren Vorteil.

20. ... Sxf2!!. Die Pointe des Qualitätsopfers.

21. Kxf2 Df4+!. Keinen Vorteil verspricht 21. ... e5 22. Kf1 Lxd4 23. Txd4 exd4 24. Dxd4 Td8 25. De3.

22. Ke1?. In etwas unübersichtlicher Lage wirft Weiß die Nerven weg: Richtig war 22. Lf3 e5 23. g3 Dh6 24. g4 Ld7 25. Kg2 (Günstig für Schwarz wäre hingegen 25. Lxb7?! Dxh3 26. Th1 Dxg4 27. Tad1 Tc7 28. Lf3 Lxd4+ 29. Txd4 Dxd4+ 30. Dxd4 exd4 31. Td1) 25. ... Lxd4 26. Txd4 exd4 27. Dxd4 Lc6 28. Tf1 mit, wenn überhaupt, minimal besserem Spiel für Schwarz.

22. ... Td8!. Entscheidend!

23. b4. Keine Rettung versprach auch 23. Dc3 Lxd4 24. Df3 Dh4+ 25. g3 De7 26. Tac1 Db4+ 27. Td2 Lb2 28. Tcd1 Lc3.

23. ... Lxd4 24. Txd4 Txd4 25. Td1 Dg3+ 26. Kf1 Txd1+ 27. Lxd1 Ld3+ 28. Le2 Df4+ 29. Ke1 De3 30. c5 Dg1+. Auch die Abwicklung ins Bauernendspiel mittels 30. ... Lxe2 31. Dxe2 Dxe2+ 32. Kxe2 hätte den Tag mühelos für Schwarz entschieden, z.B. 32. ... Kf8 33. a4 Ke7 usw.

31. Kd2 Lxe2 32. De5 Dd1+ 33. Ke3 h6 34. Db8+ Kh7 35. Dxb7 Lb5 36. Dxf7 Dd3+ 37. Kf4 Df1+ und Weiß gab auf.


Damenstaatsmeisterschaft:

Die Entscheidung

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Staatsmeisterin Ursula Frauenschiel
(Foto: Dr. M. Stichelberger)

Im Kampf um den begehrten Titel hielten die Nerven der namhaften Wiener Psychologin, die abgesehen von dieser Partie im Damenbewerb das beste Schach spielte, nicht ganz mit und so strauchelte sie bei der Realisierung ihres eklatanten Vorteils ...

Weiß: Dr. U. Schwaninger (2045)

Schwarz: U. Fraunschiel (1927)

Englisch [A25]

1. c4 e5 2. Sc3 Sc6 3. g3 f5 4. d3 Sf6 5. Lg2 Lb4 6. Ld2 0-0 7. a3 Lxc3 8. Lxc3 d6 9. e3 De8 10. b4 Tb8 11. b5 Sd8 12. Se2 Ld7 13. 0-0 Kh8 14. a4 Se6 15. h3 Dg6 16. Dd2 Sh5 17. d4 e4 18. Sf4 Shxf4 19. exf4 h5 20. De3 Tfe8 21. Kh2 Sf8 22. d5 a6 23. Tfb1 Tec8 24. Tb2 Le8 25. f3 exf3 26. Lxf3 Sd7 27. g4 hxg4 28. hxg4 Sf6 29. g5 Sg4+ 30. Lxg4 fxg4 31. Th1 Kg8 32. De6+ Lf7 33. Dxg4 Dd3 34. g6 Lxg6 35. Tg2 Dxc3 36. Dxg6 Te8 37. Thg1 Te7 38. Dc2 Dd4 39. Tg4 Tbe8 40. T1g2 Df6 41. Dg6 Dxg6 42. Txg6 Tf8 43. T6g4 Tff7 44. Tc2 Te4 45. Kg3 a5 46. Kf3 Tfe7 47. f5 Te3+ 48. Kf4 Kf7 49. Kg5 T7e5 50. Tf4 Tg3+ 51. Tg4 Tf3 52. Tf4 Txf4 53. Kxf4 Kf6 54. b6 Txf5+ 55. Kg4 cxb6 56. Tb2 g5 57. Txb6 Tf4+ 58. Kg3 Ke5 59. c5 dxc5 60. d6 Td4 61. Tb5 Kxd6 62. Txa5 Kc6 63. Ta8 Kc7 64. a5 Td8 0-1

ÖM Lothar Karrer