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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 809 vom 18.09.1998, Kategorie Kolumne

Jepischin & Loginow teilen Siegerscheck in Graz (18. Sep. 98)

Siegfried Baumegger bester Österreicher

Ilia Balinov  

Naturgemäß erreichte das "5. Karl Wagner-Gedenkturnier" in der Schluß-runde seinen Höhepunkt. Während Jepischin gegen Staatsmeister Stanec den ganzen Punkt holte, mußte Loginow über die volle Distanz gegen, um gegen Lerner nach schwierigem Kampf das für die Teilung des Siegerschecks erforderliche Remis zu erkämpfen.

Ich selbst konnte mich nach einer Durststrecke in den letzten Turnieren wieder im Spitzenfeld etablieren.

Bester Österreicher wurde Siegi Baumegger, die #1 des Vorjahres, der in der Schlußrunde Seniorenweltmeister GM Jan Klovan mit einer feinen Positionellen Leistung niederrang, und gerade rechtzeitig vor der am 25. September in Elista, Kalmückien (Rußland) beginnenden Schacholypmiade, wo er Österreich*) auf Brett 2 vertreten wird, wieder zu seiner Form zurückgefunden hat.

Epishin1.jpg (6109 Byte) loginov.jpg (5982 Byte) Baumegger.jpg (5356 Byte)
Sieger: W. Jepischin 2.Platz:W. Loginow Bester Österreicher:  S.Baumegger

Ein gutes Turnier spielte auch der Wiener IM Reinhard Lendwai, der in der 9. Runde dem starken Israeli IM Dan Zoler (Co-Sieger mit GM Waleri Beim in Schwarzach!) als Nachziehender den ganzen Punkt abknöpfte.

Tapfer hielt sich auch die österreichische Nachwuchshoffnung Eva Moser, die IM Lendwai besiegte und IM Dr. Walter Wittmann zur Punkteteilung zwang.

Das Grazer Open (das, wie Präsident Jungwirth in seiner Laudatio hervorhob, bestbesetzte des heurigen Jahres in Österreich) bestach einmal mehr durch hervorragende Organisation, für die die Witwe Karl Wagners, Gertrude verantwortlich zeichnete, war eine Reise wert.

*) Schacholympiade

Österreich wird bei der Schacholympiade in Elista mit folgenden Teams vertreten sein:

Damen (Kader): WFM Jutta Borek, WFM Maria Horvath, WIM Helene Mira (2125) & Sonja Sommer (2075).

Herren (Aufstellung): IM Egon Brestian (2430), IM Siegfried Baumegger (2360), IM Georg Danner (2340), FM Norbert Sommerbauer (2400) & FM Christian Weiß (2370).

Rg. Tit. Name FED ELO    
1. GM W. Jepischin RUS 2585 7 51
2. GM W. Loginow RUS 2520 7 49½
3. GM W. Einhorn UKR 2610 54½
4. GM A. Maksimenko UKR 2500 52½
5. GM K. Lerner UKR 2580 52
6. IM T. Polak CZE 2525 49
7. GM W. Burmakin RUS 2560 48
8.   I. Balinov BUL 2450 47½
9. IM S. Baumegger AUT 2360 44
10. IM T. Oral CZE 2510 6 48
11. IM A. Gershon ISR 2460 6 48
12. FM A. Savanovic YUG 2435 6 48
13. IM D. Pavasovic SLO 2505 6 43½
14. IM R. Lendwai AUT 2375 6 43½
17. IM N. Stanec AUT 2495 49
20. IM G. Danner AUT 2340 44
24. IM W. Wittmann AUT 2380 42

Placierung weiterer Österreicher mit zumindest
50% der möglichen Punkte

29. IM M. Freitag   AUT 2400 5 47
30. FM F. Wegerer AUT 2215 5 42½
31. FM M. Bawart AUT 2345 5 41½
32. FM E. Frosch AUT 2280 5 40½
33. MK J. Havlicek AUT 2160 5 40
35. MK H. Grabher AUT 2285 5 39½
36.   W. Höllriegl AUT 2215 5 38
37. MK O. Vodep AUT 2105 5 38
38. ÖM J. Wallner AUT 2240 5 38
39. MK J. Jetztl AUT 2225 5 37
41. MK H. Ganaus AUT 2225 47
42.   K. Leitner AUT 2115 44
43. MK H. Wohlfahrt AUT 2265 44
44. MK E. Moser AUT 2190 43½
45. MK R. Singer AUT 2275 43
46. MK K. Nickl AUT 2180 43
47. MK M. Stuhlik AUT 2240 37½
48.   M. Brunnsteiner AUT 2110 37
49. FM H. Ebner AUT 2275 36½
51. MK M. Brod AUT 2260 35½
52. MK H. Pilaj AUT 2215 35
    93 Teilnehmer        

Die Handschrift des Siegers

Der russische Großmeister, der bekanntlich zum Mitarbeiterstab von FIDE-Weltmeister Anatoli Karpow gehört, besticht durch hervorragende Theoriekenntnisse und stellt auch immer wieder sein großes taktisches Können unter Beweiß, was ihm auch in der nachstehenden Partie gelingt ...

Weiß: GM W. Jepischin (RUS/2585)

Schwarz: FM A. Savanovic (YUG/2435)

Slawisch [D46]

Anm. I. Balinov

1. d4 d5 2. c4 c6 3. Sc3 Sf6 4. e3 e6 5. Sf3 Sbd7 6. Dc2 Ld6 7. Ld3 0–0 8. Ld2. Mit dem Textzug umgeht Weiß die Hauptvariante.

8. ... dxc4. Spielbar ist auch 8. ... De7 9. 0–0 dxc4 10. Lxc4 a6 11. a4 c5 12. dxc5 Lxc5 13. e4 Ld6 14. h3 b6 15. Tfe1 Se5 16. Sxe5 Lxe5 17. Le3 Lb7 18. Ld3 Lc7 19. Tad1 Tfd8 20. Lf1 remis, Zwjaginsew-Fridman, Europamannschaftsmeisterschaft, Pula 1997.

9. Lxc4 e5. Gleiches Spiel ergibt auch 9. ... a6 10. 0–0 c5, Topalow-Kramnik, Dos Hermanos 1997.

10. 0–0 h6. Ein neuer Zug. Üblich ist 10. ... De7 oder 10. ... exd4.

11. h3 Te8 12. Ld3 exd4 13. exd4 Sb6 14. Tad1 Sbd5 15. a3 Sxc3 16. bxc3!? Lxa3 17. Se5 Ld6 18. f4. Für den geopferten Bauern besitzt Weiß einige Initiative.

18. ... c5 19. d5! Te7. Zu erwägen war 19. ... Sxd5 20. Sxf7 Kxf7 21. Lc4 Lc7 22. Lc1 Df6 23. Lxd5+ Le6 24. c4 Lxd5 25. cxd5 mit unklaren, für Schwarz jedoch keinesfalls ungünstigen Verwicklungen.

20. c4 Sd7 21. Sg4 Sf8 22. Sf2 Te8 23. Kh1 Ld7 24. Se4 Lf5!?. Spielbar war auch 24. ... Dc7 obwohl Weiß nach 25. f5 einige Initiative erlangt.

25. Sxc5 Lxh3 26. Sxb7. Die kritische Stellung.

DIA9835A.GIF (5503 Byte)

26. ... Lxg2+?!. Schwarz überschätzt seine Möglichkeiten. Erforderlich war 26. ... Dd7! 27. Sxd6 (27. Tf3? verbietet sich selbstredend wegen 27. ... Lg4) 27. ... Lxg2+ 28. Kxg2 Dg4+ 29. Kf2 Dh4+, wonach Weiß dem Dauerschach nicht hätte entkommen können.

27. Kxg2 Dd7 28. Tf3!. Mit dem Textzug leitet Weiß einen unwiderstehlichen Königsangriff ein.

28. ... Dxb7 29. Tg3 Dc7 30. Lc3 g5. Auch nach 30. ... g6 31. Lxg6 Te2+ 32. Dxe2 fxg6 33. De4 ist Schwarz ohne Verteidigung. 31. Th3. Rascher gewann 31. Th1! Lxf4 32. Txh6 f5 33. Th8+ Kf7 34. Tgh3 usw.

31. ... Lxf4 32. Txh6 Te5?!. Hartnäckigeren, wenn auch vergeblichen Widerstand leistete 32. ... Le5 33. Tdh1! (Keinen Vorteil ergibt 33. Ld2 Lf4 34. Lc3) 33. ... Lxc3 (Rasch verliert auch 33. ... Kg7 34. Dd2! Dd8 35. La5 De7 36. T1h5) 34. Dxc3 De5 35. Th8+ Kg7 36. T1h7+ Sxh7 37. Dxe5+ Txe5 38. Txa8 Te7 39. d6 Td7 40. c5.

33. Df2. Ebenso gewann 33. Lh7+ Kg7 34. Tc6.

33. ... Sg6 34. Lxg6 fxg6 35. Txg6+ Kh7 36. Lxe5 Dxe5 37. Dc2 Lg3 38. Txg5+ und Schwarz gab auf.


Aus eigener Werkstatt

Wie bereits eingangs erwähnt, gelang es mir nach einer Serie relativer Mißerfolge in Graz in einem gut besetzten Turnier wieder in die Preisränge zu kommen. Wenn auch die nachfolgende Partie noch keinesfalls fehlerfrei war, dokumentiert sie doch einen gewissen Formanstieg ...

Weiß: I. Balinov (BUL/2450)

Schwarz: A. Gorbatow (RUS/2420)

Schottisch [C45]

Anm. I. Balinov

1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. d4 exd4 4. Sxd4 Sxd4 5. Dxd4 Se7!?. Ein relativ selten gespielter, jedoch keineswegs neuer Zug.

6. Le3. Andere Möglichkeiten sind:

A) 6. Lg5 Sc6 7. Dd2 Lb4 8. Lxd8 (Keinen Vorteil ergibt 8. c3 Le7) 8. ... Lxd2+ 9. Sxd2 Sxd8 und Schwarz hat Ausgleich, oder

B) 6. Lc4 Sc6 7. Dd5 Df6 8. 0–0 Se5 9. Le2 c6 10. Db3 h5 11. Dc3 g5 12. Lxg5 Dxg5 13. f4 De7 14. Dxe5 Dxe5 15. fxe5 Lc5+ 16. Kh1 Ld4, mit völlig gleichem Spiel, Van dar Wiel-Sokolov Gronningen 1994.

6. ... Sc6 7. Dd2 Lb4 8. c3. Etwas ehrgzeiziger als 8. Sc3 Df6 9. Ld3 b6 10. 0–0 Lxc3 11. bxc3 Lb7 und Schwarz hat bequemes Spiel.

8. ... Le7. Möglich war auch 8. ... La5 9. Sa3 Lb6 10. Sc4 Lxe3 11. Sxe3 d6 12. Ld3 mit, wenn überhaupt, geringfügig besserem Spiel für Weiß, Asmajparaschwili-Godena, Reggio Emilia 1996.

9. Le2 0–0 10. 0–0. Eher etwas günstiger für Schwarz wäre hingegen 10. c4 Lb4 11. Sc3 Dh4 12. 0–0 Lxc3 13. Dxc3 Dxe4.

10. ... Te8 11. f4 Lf8 12. Lf3 b6 13. c4. Zu beachten war 13. Td1!?.

13. ... Lb7 14. Sc3 Sa5 15. Dd3!. Vermeidet die Schwächung von "e4" nach 15. b3 Lb4.

15. ... La6 16. b3 c6 17. Kh1. 17. Tad1!? verwarf ich hier zu unrecht wegen 17. ... d5 z.B. 18. exd5 Txe3 19. Dxe3 Lc5 20. Td4 cxd5 21. Lxd5 Sc6 22. Se2 Sxd4 23. Sxd4 Lb7 24. De5 Dd7 25. Kh1 Te8 26. Df5, wonach Weiß im Besitz eines gesunden Mehrbauers verblieben wäre.

17. ... De7 18. Tfe1 Tad8 19. Dc2 g6 20. Tad1 Lg7 21. Ld4. Stärker war 21. c5! bxc5 22. e5 d5 23. exd6 Txd6 24. Txd6 Dxd6 25. Se4 Dd3 26. Df2 und Weiß hat Vorteil.

21. ... Lxd4 22. Txd4. Weiß hat einen kleinen, jedoch dauerhaften Vorteil.

22. ... f6 23. Ted1. Gut war auch 23. e5! fxe5 24. Txe5 Df7 25. Txe8+ Txe8 26. Dd2 Lc8 27. Se4 Sb7 28. g3.

23. ... Tf8 24. Se2?. Schablonenhaft. Richtig war 24. Dd2 Tf7 25. Lg4 Lc8 26. b4 c5 (26. ... Dxb4 27. Le6) 27. Sd5 Df8 28. bxc5 bxc5 29. Le6!! cxd4 30. Lxf7+ Dxf7 31. Dxa5 mit Gewinn.

24. ... c5! 25. T4d2 Lb7. Etwas genauer war 25. ... Sc6.

26. Dd3 d6. Notwendig, denn sonst folgt 26. ... Tfe8 27. Sc3 Sc6 28. Dd5+ Kh8 29. Sb5 La8 30. Dd6 mit deutlichem weißen Übergewicht.

27. Sc3 Sc6 28. g3?. Dies gibt einen Großteil des weißen Vorteils aus der Hand, den Weiß mit 28. Sb5 La8 29. Sxd6 a6 30. e5 fxe5 31. Ld5+ Kh8 32. Lxc6 Lxc6 33. fxe5 noch verdichten konnte.

28. ... Sd4 29. Lg2 Tfe8 30. Se2 Sc6. Schwarz versäumt es nun, das Spiel mit 30. ... Sxe2 31. Txe2 d5 32. e5 d4 völlig auszugleichen.

31. Sc3. Beiderseitige Zeitnot.

31. ... Kg7 32. Kg1 Sd4 33. Se2 Se6. Schwarz vermeidet bewußt die Ausgleichsfortsetzung 33. ... Sxe2+ 34. Txe2 d5 35. cxd5 Lxd5 36. Dc2 Lb7.

34. Sc3 g5? 35. Tf1. Viel stärker war 35. Sb5! gxf4 36. gxf4 Sxf4 37. Dg3+ Sg6 38. Sxd6 und Weiß gewinnt.

35. ... gxf4 36. Sd5! Lxd5 37. cxd5 Sg5. Vorteilhaft für Weiß ist auch 37. ... Sd4 38. Txf4, zu versuchen war daher 37. ... Sf8!?.

38. Txf4 Tf8 39. Tdf2 Tde8 40. Th4 De5 41. Tg4 Kh8. 41. ... Da1+!? eröffnet Weiß nach 42. Tf1 Dxa2 43. h4 h5 44. Tgf4 Sh7 45. g4 Angriffschancen gegen den etwas entblößten schwarzen König.

42. Tgf4 Kg7 43. Tg4 Kh8 44. Tgf4 Kg7 45. h4! Sf7 46. Df1. Vorteilhaft für Weiß war auch 46. Txf6 Dxf6 47. Txf6 Kxf6 48. Df3+ Kg7 49. Dg4+ Kh8 50. Dd7.

46. ... Sh6. Falls 46. ... Dd4, so 47. e5 Dxe5 48. Txf6 Te7 49. Kh2 und Weiß gewinnt.

47. Lh3.

DIA9835B.GIF (5464 Byte)

47. ... Te7 48. Le6 Kh8 49. g4 Tg7 50. Tg2. Weißen Vorteil versprach auch 50. Txf6 Txf6 51. Txf6 Dg3+ 52. Dg2 Dxh4 53. Tf8+ Sg8.

50. ... Sg8 51. g5 Td8?. Notwendig war 51. ... Tg6 52. Df3 und Schwarz kann noch kämpfen.

52. gxf6 Txg2+ 53. Kxg2 Tf8 54. Lxg8. Entscheidend!

54. ... Txg8+ 55. Kh3 h5? 56. f7 Tf8 57. Df3 Kg7 58. Tf5 und Schwarz srich die Segel.


Vier Sieger im B-Turnier

Im Grazer B-Turnier (85 Teilnehmer) teilten sich Günther Radl (Krieglach), Adolf Huber (Wien), Philipp Enöckl (Linz) und Karl-Heinz Jud (Graz) mit je 7 Punkten den Sieg.

ÖM Lothar Karrer