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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 815 vom 25.09.1998, Kategorie Kolumne

51. Russische Meisterschaft in St. Petersburg: Alexander Morosewitsch siegt als Primus inter pares (25.Sep.98)

Wie wir an dieser Stelle bereits einmal kurz darauf hingewiesen haben, ging der Sieg bei der vom 28.7. bis 7.8. in St. Petersburg ausgetragenen 51. Russischen Meisterschaft dank der besseren Buchholz-Wertung an den 21jährigen GM Alexander Morosewitsch mit 7½ Punkten, gefolgt von den punktegleichen GM Peter Swidler, Konstantin Sakajew und Sergei Schipow.

Trotz des Fehlens einiger Top-GM wie Garri Kasparow, Anatoli Karpow und Waleri Salow, um nur die wichtigsten zu nennen, ist die Russische Meisterschaft konkurrenzlos in bezug auf die Stärke im Vergleich zu anderen nationalen Meisterschaften.

Rg. Tit. Name ELO Pkte. Wtg.
1. GM A. Morosewitsch 2625 68
2. GM P. Swidler 2710 66½
3. GM K. Sakajew 2635 65½
4. GM S. Schipow 2635 63
5. GM S. Dolmatow 2575 7 69
6. GM M. Kobalija 2505 7 68½
7. GM A. Kharlow 2575 7 68
8. GM A. Drejew 2645 7 65
9. GM J. Pigusew 2605 7 64
10. GM W. Jepischin 2585 7 62½
11. GM W. Popow 2520 7 59½
12. GM S. Rublewski 2685 67
13. GM J. Barejew 2690 65½
14. GM A. Schtschekatschew 2470 63
15.   D. Jewsejew 2535 62½
16. GM P. Tregubow 2550 62½
    60 Teilnehmer      

Schönheitspreis

GM Konstantin Sakajew, der, wie Sie aus der vorstehenden Tabelle entnehmen können, in St. Petersburg Platz 1 teilte, wurde von einer Jury nicht nur zum besten Spieler des Turniers gewählt, sondern darüber hinaus für die nachstehende Partie mit dem "Schönheitspreis" für die beste Partie des Turniers ausgezeichnet.

GM K. Sakajew (11674 Byte)

GM K. Sakajew


 Weiß: GM K. Sakajew

GM S. Rublewski

Angenommenes Damengambit [D21]

Anm. I. Balinov

1. d4 d5 2. Sf3 e6 3. c4 dxc4 4. Da4+ Sd7. Als Alternative kommt 4. ... Sc6 5. Dxc4 Sf6 6. Lg5 h6 7. Lxf6 Dxf6 8. Sc3 Ld6 9. g3 0–0 10. Lg2 Ld7 11. 0–0 Tfd8 12. Tac1, Kramnik-Iwantschuk, Dortmund 1995, oder 4. ... Ld7 5. Dxc4 Sf6 6. Sc3 a6 7. a4 Sc6 8. e4 Lb4 9. Ld3, jeweils mit geringfügig besserem Spiel für Weiß in Betracht.

5. e4 c5 6. Lxc4 cxd4 7. 0–0!. Stärker als 7. Sxd4 Db6 8. Sb3 Ld6 9. Le3 Dc7 10. Sc3 a6 11. Tc1 Db8 12. Le2 Sgf6 13. g3 0–0 14. 0–0 b5, und Schwarz hatte in Piket-Lautier, 6. Matchpartie,Monaco 1996, keine Mühe, das Spiel rasch auszugleichen.

7. ... Lc5. Versucht wurde auch 7. ... Db6 8. Sa3! Se7 9. Sb5 Sg6 10. Sfxd4 Lc5 11. Sf3 0–0 12. b4 Le7 13. Db3 a6 14. Le3 Dd8 15. Sbd4 Sde5 16. Sxe5 Sxe5 17. Le2 Ld7 18. Tfd1 De8 19. b5 mit etwas besserem Spiel für Weiß, Sakajew-Khalifman, Rußland 1997.

8. b4 Ld6. Etwas aktiver war vielleicht 8. ... Lb6!?.

9. e5 Lb8 10. Lf4 Se7 11. Sbd2 0–0. Zu beachten war 11. ... Sg6 12. Lg3 0–0 13. Tfe1 mit keineswegs schlechterem Spiel für Schwarz.

12. Tfe1 Sb6 13. Db3 Sxc4 14. Sxc4 b5. Auch nach 14. ... Sd5 15. Lg3 Sc3 16. Sd6 Db6 17. Tac1 steht Weiß etwas bequemer.

15. Sd6 Lxd6?!. Den Vorzug verdiente 15. ... Sg6 16. Lg3 Sxe5 17. Sxb5 Sc6 18. Tad1 Lxg3 19. hxg3 Db6 mit keineswegs schlechterem Spiel für Schwarz.

16. exd6 Sf5 17. Tad1 Lb7. In Anbetracht der kommenden Verwicklungen hätte Schwarz wohl besser mit 17. ... Db6!? 18. Le5 Td8 19. Sxd4 Sxd6 20. Lxd6 Txd6 21. Sxb5 Txd1 22. Txd1 Lb7 fortgesetzt.

18. Sxd4 Ld5. Auch nach 18. ... Sxd4 19. Txd4 ist das weiße Spiel etwas vorzuziehen.

Diagramm (5270 Byte) 

 19. Dxd5!!. Ein phantastischer Zug, der alleine für seinen Mut zwei Rufzeichen verdient!

19. ... exd5 20. Sxf5 Te8 21. Se7+ Kf8 22. Txd5 Dd7. Rasch verliert 22. ... Db6 23. Le3 Da6 24. d7 Ted8 25. Lc5.

23. h3 a6?. Hierauf ist der Tag für Weiß entschieden. Nach dem besseren 23. ... Tac8! 24. Th5 Tc4 oder 24. ... Tc2!? konnte Schwarz noch kämpfen.

24. Th5 f6. Auf 24. ... h6 hat Weiß die phantastische Riposte 25. Txh6! f6 26. Th7 in petto.

25. Txh7 Tad8. Keineswegs besser ist 25. ... Da7 26. Tc1, oder 25. ... Tac8 26. Kf1 Tc2 27. Lh6 gxh6 28. Sg6+ Kg8 29. Txd7.

26. Te3!. Entscheidend!

26. ... Tc8 27. Sxc8 Kg8 28. Sb6! Dd8 29. Txe8+ Dxe8 30. d7 Dd8 31. Th5 g5. Ebenso verliert 31. ... Dxb6 32. Td5 Dd8 33. Lc7.

32. Le3 Kg7 33. h4! Kg6 34. Txg5+!. Schwarz gibt auf.


Bester Nachwuchsspieler des Turniers

In Anbetracht, daß der Schönheitspreis für die vorstehende Partie bereits vergeben war, wurde Mihail Kobalija für die nachstehende Partie mit dem Preis "Bester Nachwuchsspieler" des Turniers ausgezeichnet.

Weiß: GM M. Kobalija

Schwarz: GM O. Kornejew

Spanisch [C48]

Anm. I. Balinov

1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Sc3 Sf6 4. Lb5 Sd4 Die sogenannte "Bird-Variante"

5. La4 Lc5 6. Sxe5 0–0 7. Sd3 Lb6 8. e5 Se8 9. Sd5 d6 10. Se3 dxe5 11. Sxe5 Dg5 12. S5c4. Eine zweischneidige Stellung, in der Schwarz den Nachweis erbringen muß, daß er Kompensation für den geopferten Bauern besitzt.

Weniger nachhaltig ist 12. Sd3 Lf5 13. 0–0 Lxd3 14. cxd3 Sf6 und 12. Sf3 Sxf3+ 13. Dxf3 Lxe3 14. Lxe8 (14. fxe3 Dh4+; 14. dxe3 Da5+; 14. Dxe3 Dxg2) 14. ... Lxf2+ 15. Kxf2 Txe8 günstig für Schwarz erschein, kam 12. Sd7 Lxd7 13. Lxd7 als brauchbare Alternative in Betracht.

12. ... f5 13. f4. Nach 13. c3 f4 14. cxd4 fxe3 15. Sxe3 Lxd4 besitzt Schwarz Kompensation für den geopferten Bauern.

13. ... Dxf4. Die einzige plausible Fortsetzung, z.B. 13. ... Dh4+ 14. g3 Dh3 15. c3 g5 16. Sxb6 gxf4 17. cxd4 und Weiß hat klaren Vorteil.

14. c3 Se6 15. d4 Dh4+. Schwach wäre hingegen 15. ... c6? wegen 16. g3 De4 17. Tf1 mit der letalen Drohung 18. Lc2.

16. g3 Dd8. Auch hier verbot sich 16. ... De4? wegen 17. Tf1 f4 18. Lc2 Dc6 19. Se5 mit erdrückendem weißen Stellungsvorteil. In Nunn-Nikolic, Wijk aan Zee, 1993 (op) folgte hier 16. ... Dh3 17. Lb3 Kh8 18. Sxb6 axb6 19. Ld5 Sd6 (Auf 19. ... f4?! folgt 20. Lg2 Dh6 21. Sd5 mit Vorteil für Weiß) 20. Lg2 Dh6 21. Sc4! Df6 22. Sxd6 cxd6 23. 0–0 Sc7 24. Lf4 Td8 25. d5 mit etwas besserem Spiel für Weiß.

17. Sg2. Unergiebig ist 17. 0–0 f4 18. gxf4 Sxf4.

17. ... f4?! . Das geringere Übel bestand vermutlich in 17. ... Sd6 18. Sxb6 axb6 19. 0–0 Ld7 20. Lc2, obwohl das weiße Spiel auch dann etwas vorzuziehen gewesen wäre. 

DIA9836B.GIF (5592 Byte)

18. Lxf4 Sxf4 19. Sxf4 Txf4 20. Gxf4 Dh4+ 21. Kd2 Dxf4+ 22. Se3 Sd6. Falls 22. ... Df2+, so 23. De2 und Schwarz besitzt keine Kompensation für die Minusqualität.

23. Lb3+ Kh8 24. Df1!. Nicht aber 24. De2? Lh3 25. Tae1 c5 und Schwarz erlangt Gegenspiel.

24. ... Se4+ 25. Ke2 Lg4+ 26. Sxg4 Dd2+. Nach 26. ... Dxg4+ 27. Df3 wäre Schwarz mit seinem Latein am Ende.

27. Kf3 Sg5+. Nach 27. ... Tf8+ 28. Kxe4 Txf1 29. Taxf1 wäre der weiße Materialvorteil erdrückend.

28. Kg3 Se4+ 29. Kh3 h5 30. Tg1!. Umschifft die Falle 30. Se5 Sf2+ 31. Kg3 Se4+ und Weiß kann nicht gewinnen.

30. ... hxg4+ 31. Txg4 Sg5+?!. Etwas bessere Verteidigungschancen bot vermutlich 31. ... Sf2+ 32. Dxf2 Dxf2 33. Th4+ Dxh4+ 34. Kxh4.

32. Kh4 Dxh2+ 33. Kxg5 Dh6+ 34. Kf5 Tf8+ 35. Ke4 Dh7+ 36. Ke3 Txf1 37. Txf1 Dh3+ 38. Kd2 g5?. Hartnäckigeren Widerstand leistete 38. ... Kh7.

39. Tgg1. Geradliniger war 39. Tfg1!.

39. ... Kg7. Auf 39. ... Dh2+ folgt 40. Kd3 und nun verbietet sich 40. ... Dxb2 wegen 41. Txg5 Dh2 42. Tg8+ Kh7 43. Tf7+ nebst Damenverlust.

40. Txg5+ Kh6 41. Tgg1 Dh2+ 42. Kc1 und Schwarz gab auf.

ÖM Lothar Karrer