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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 878 vom 06.11.1998, Kategorie Kolumne

Igor Glek Alleinsieger in Wien, Günter Miniböck mit IM-Norm bester Österreicher

Die Spitzenplätze bei der von Helmut Myslik vorbildlich organisierten 13. Auflage der "Offenen Wiener Meisterschaft", die vom 25. Oktober bis 2. November im großen Festsaal des Wiener Rathauses zur Austragung gelangte, blieben wie gewohnt den ehemaligen sowjetischen Großmeistern, von denen etliche zwischenzeitlich ihre Zelte in Israel aufgeschlagen haben, vorbehalten. Erfreulicherweise konnten sich im Verfolgerfeld die Österreicher FM Mag. Günter Miniböck und IM Ernst Weinzettl etablieren.

Ein gutes Turnier spielten auch Staatsmeister IM N. Stanec, IM S. Baumegger, IM W. Wittmannn, FM O. Lehner und H. Grabher, die ebenso 6 Punkte erzielten wie etwa GM W. Jepischin, oder der zweifache sowjetischen Landesmeister GM L. Psakhis (nun Israel), um nur die wichtigsten zu nennen.

Rg. Titel Name ELO FED Pkt. Wtg.
1 GM I. Glek 2580 RUS 55½
2 GM I. Ibragimow 2610 RUS 7 57½
3 GM I. Smirin 2610 ISR 7 56
4 GM W. Golod 2555 ISR 7 54
5 GM A. Baburin 2590 IRL 7 54
6 GM M. Ulibin 2555 RUS 54½
7 IM E. Anka 2435 HUN 54
8 GM G. Timoschenko 2595 UKR 52
9 GM W. Einhorn 2610 UKR 51½
10 IM J. Maiwald 2425 GER 50½
11 GM P. Wells 2515 ENG 48½
12 FM G. Miniböck 2350 AUT 48½
13 GM P. Haba 2515 CZE 47½
14 GM P. Popovic 2510 AUT 45½
15 IM E. Weinzettl 2400 AUT 44½
    186 Teilnehmer        

Die vollständige Liste finden Sie auf der Seite vom Wiener Schachverband des Veranstalter


Die Handschrift des Siegers

Weiß: GM P. Wells (ENG/2515)

GM I. Glek (RUS/2580)

Französisch [C11]

Anm. I. Balinov

1. e4 e6. Der Turniersieger gilt als hervorragender Interpret der Französischen Verteidigung.

2. d4 d5 3. Sc3 Sf6 4. e5. Ob dies oder 4. Lg5 ist Geschmacksache.

4. ... Sfd7 5. f4 c5 6. Sf3 Sc6 7. Le3 cxd4. Einige Jahre stand 7. ... Db6 8. Sa4 Da5+ 9. c3 cxd4 10. b4 Sxb4 11. cxb4 Lxb4+ 12. Ld2 Lxd2+ 13. Sxd2 hoch im Kurs.

8. Sxd4 Lc5 9. Dd2 0–0 10. 0–0–0 a6 11. h4 Sxd4 12. Lxd4 b5 13. Th3. Häufig gespielt wird auch 13. h5.

13. ... b4. Spielbar ist auch 13. ... Lb7!?.

14. Sa4 Lxd4 15. Dxd4 a5. Weniger gut ist 15. ... f6 16. Dxb4 fxe5 17. Dd6 und Weiß war in Kasparow-Short Amsterdam 1994, deutlich in Vorteil, doch auch 15. ... Da5 16. b3 Lb7 17. c3 Tfc8 18. Kb1 bxc3 19. Txc3 Txc3 20. Dxc3 Dxc3 21. Sxc3 bietet Schwarz keinen vollen Ausgleich.

16. Lb5 Tb8.

DIA9842.GIF (5433 Byte)

17. Lxd7?. Diese Neuerung erweist sich als entscheidender Fehler. Richtig war es mit 17. Ld3 Dc7 18. Te1 Dc6 19. b3 La6 20. Lxa6 Dxa6 21. Tg3 Tbc8 22. f5 Dc6 23. Te2 Kh8 24. Tf3 Tg8 25. h5 f6 26. exf6 e5 27. fxg7+ Txg7 28. Dd2 und etwas besserem Spiel für Weiß, den Spuren der Partie Arachamja-Matwejewa, Kischinew 1995, zu folgen.

17. ... Lxd7 18. Sc5 Tc8! 19. Td2 Dc7 20. Sxd7 Dxd7 21. h5 Db5! 22. Tf3. Zu erwägen war 22. Df2!?, obgleich Schwarz auch hier über das etwas bessere Spiel verfügt hätte.

22. ... a4 23. h6 Tc4 24. Df2. Auch nach 24. hxg7 Tfc8 25. Df2 b3 entscheidet der Nachziehende das Spiel rasch zu seinen Gunsten.

24. ... Tfc8! 25. f5 b3 26. fxe6. Ebenso verliert 26. axb3 axb3 27. fxe6 fxe6 28. c3 Da4 29. Kd1 Da1+ 30. Ke2 Te4+ 31. Te3 Tf8.

26. ... fxe6 27. axb3 axb3 28. c3 und Weiß streckte die Waffen.

ÖM Lothar Karrer