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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 982 vom 29.01.1999, Kategorie Kolumne

Wijk aan Zee: Das Biest meldet sich zurück

Nachdem Kasparow längere Zeit durch Inaktivität geglänzt hatte und vornehmlich die Kronprinzen Anand und Kramnik bereits kräftig am Throne des PCA-Weltmeisters gerüttelt hatten, meldete sich dieser beim Hochofenturnier mit einer Galavorstellung, die ihn nach 8 Runden sogar die Schallmauer von 3000 Elopunkten durchbrechenlies, eindrucksvoll zurück.

Stand nach der 9. Runde, in der er allerdings überraschend dem in den Niederlanden ansässigen Bosnier Sokolov unterlag.

1. GM G. Kasparow RUS 2812
2. GM V. Anand IND 2784
3. GM W. Kramnik RUS 2751
4.-5. GM W. Iwantschuk UKR 2714 5
  GM P. Swidler RUS 2713 5
6.-9. GM J. Piket NED 2609
  GM A. Schirow ESP 2726
  GM V. Topalov BUL 2700
  GM J. Timman NED 2649
10.-11. GM I. Sokolov BIH 2610 4
  GM L. Van Wely NED 2636 4
12.-13. GM R. Kasimdschanow UZB 2595 3
  GM A. Yermolinsky USA 2597 3
14. GM D. Reindermann NED 2542

Im folgenden seine Glanzleistung gegen den bulgarischen Super-GM Veselin Topalov sowie seine bislang einzige Niederlage gegen Sokolov.

Weiß: GM G. Kasparow (2812)

Schwarz: GM V. Topalov (2700)

Pirc-Verteidigung [B07]

Anm.: I. Balinov

1. e4 d6 2. d4 Sf6 3. Sc3 g6 4. Le3 Lg7 5. Dd2 c6 6. f3 b5 7. Sge2 Sbd7 8. Lh6 Lxh6 9. Dxh6 Lb7 10. a3. Bekannt sind an dieser Stelle 10. Sc1 a6 11. Sb3 e5 12. dxe5 dxe5 13. 0–0–0 Dc7 14. Dg7 Tf8 15. g3 0–0–0 16. Lh3 Kb8 17. Lxd7 Sxd7 18. Dxh7 mit Vorteil für Weiß, Moroz-Jurasow, Ukraine 1991, und 10. g4 e5 11. Lg2 Db6 12. dxe5 dxe5 13. Sd1 Dc5 14. Tc1 0–0–0, mit Ausgleich, wenn auch der Anziehende die Partie später zu seinen Gunsten entscheiden konnte, P. Blatny-Belotti, Junioren-EM Groningen 1984 (60).

10. ... e5 11. 0–0–0 De7 12. Kb1 a6 13. Sc1 0–0–0 14. Sb3 exd4 15. Txd4 c5 16. Td1 Sb6 17. g3 Kb8 18. Sa5 La8 19. Lh3 d5!? 20. Df4+ Ka7 21. The1 d4!?. Rückblickend verdiente 21. ... dxe4!? 22. Ld7

A) 22. ... Txd7 23. Txd7+ Dxd7 24. Dxf6 Td8 25. Sxe4 mit Ausgleich (Nicht aber 25. Td1?! Dxd1+ 26. Sxd1 Txd1+ 27. Ka2 exf3 28. De7+ Sd7 29. Dd8 Ld5+ 30. b3 Sb8 31. Dc7+ Ka8 32. Dxc5 Td2 und Schwarz hat das bessere Ende für sich.) bzw.

B) 22. ... Sbd5 mit etwa gleichem Spiel den Vorzug, z.B: 23. Sxd5 Sxd5 24. Txd5 Txd7 25. Dxe4 (Oder 25. Txd7+ Dxd7 26. Sb3 De7 27. fxe4 Td8 mit Ausgleich.) 25. ... Lxd5 26. Dxe7 Txe7 27. Txe7+ Kb6 28. b4 mit völlig gleichem Spiel, den Vorzug. Doch hinterher ist man immer schlauer..

22. Sd5! Sbxd5. Praktisch erzwungen.

23. exd5 Dd6.

DIA9904.GIF (5382 Byte)

24. Txd4!?. Den Textzug hatte Kasparow, wie er im Bulletin zum Besten gab, bereits bei der Ausführung seines 19. Zuges im Auge gehabt. Als Alternative kam jedoch auch 24. Sc6+!? Lxc6 25. dxc6 Dxc6 26. Te7+ Ka8 27. Tc7 Db6 28. Txf7, mit geringfügig besserem Spiel für Weiß in Betracht, nicht aber 24. Dxd6? Txd6 25. Te7+ Kb6 26. Sb3 Lxd5 und Schwarz hat klaren Vorteil.

24. ... cxd4?. Es spricht für den Wagemut des Bulgaren, daß er sich für die Annahme des Opfers entscheidet. Wie spätere Analysen zeigten, wäre Schwarz allerdings besser beraten gewesen, es abzulehnen. So verwies Kasparow in der Post-mortem-Analyse auf:

I) 24. ... Kb6! mit Ausgleich, z.B. 25. Sb3! (Etwas günstiger für Schwarz war hingegen 25. b4 Dxf4 26. Txf4 Sxd5 27. Txf7 cxb4 28. axb4 Sxb4) mit der Folge:

A) 25. ... g5 26. Dxd6+ (26. Dd2 Ka7 27. Sa5 g4 28. Txg4 Sxg4 29. Lxg4 Lxd5) 26. ... Txd6, bzw.

B) 25. ... Lxd5 26. Dxd6+ Txd6 27. Td2 Thd8 (27. ... Te8 28. Ted1 a5 29. f4 a4 30. Sc1) 28. Ted1 a5 mit minimal besserem Spiel für Schwarz.

II) 24. ... The8 25. Txe8 Sxe8 26. Dxd6 Txd6, mit völlig gleichem Spiel.

25. Te7+! Kb6. Erzwungen, da 25. ... Dxe7? 26. Dxd4+ Kb8 27. Db6+ Lb7 28. Sc6+ zum Matt in 2 führt, oder 25. ... Kb8 26. Dxd4 Sd7 27. Lxd7 Lxd5 28. c4!! (Der Schlüsselzug!) 28. ... Dxe7 (Ebenso verliert 28. ... bxc4 29. Sc6+ Dxc6 30. Lxc6) 29. Db6+ Ka8 30. Dxa6+ Kb8 31. Db6+ Ka8 32. Lc6+ Lxc6 33. Sxc6 Td7 (33. ... Td1+ 34. Ka2) 34. Sxe7 Txe7 35. Dc6+ Kb8 36. Dd6+ Tc7 37. cxb5 Kc8 38. a4 Td8.

26. Dxd4+ Kxa5. Klar vorteilhaft für Weiß wäre 26. ... Dc5 27. Dxf6+ Dd6 28. Dxf7 und nun scheitert

A) 28. ... Lxd5 an 29. b4!! Tb8 (29. ... Lxf7?? 30. Tb7 matt) 30. Dg7 Lc6 31. Sxc6, als auch

B) 28. ... Thf8 an 29. Dg7.

27. b4+ Ka4 28. Dc3 Dxd5. Anders ist das Matt nicht zu parieren.

29. Ta7!. Nicht aber 29. Dc7 wegen 29. ... Dd1+ 30. Kb2 Dd4+ 31. Kb1 und Weiß kann dem Dauerschach nicht entgehen.

29. ... Lb7. Abermals erzwungen, falls 29. ... Td6 so 30. Kb2 Dd4 31. Dxd4 Txd4 32. Txa6 matt.

30. Txb7 Dc4?. Geboten war 30. ... The8!! 31. Tb6 (31. Ta7 scheitert an 31. ... Td6) 31. ... Ta8

32. Le6 Txe6 33. Txe6 Dc4!! 34. Dxc4 bxc4 35. Txf6 Kxa3 36. Txf7 Te8 37. Kc1 Kxb4.

31. Dxf6 Kxa3. Kaum besser war 31. ... Td1+!? 32. Kb2 Ta8 33. Db6 Dd4+ (Schwächer ist 33. ... a5 34. Ld7 Txd7 35. Txd7 De6 36. Dd4 Tc8 37. Dd3 Df6+ 38. Td4 axb4 39. axb4 und Weiß gewinnt.) 34. Dxd4 Txd4 35. Txf7 a5 36. Le6 axb4 37. Lb3+ Ka5 38. axb4+ Txb4 (Nicht besser ist 38. ... Kb6 39. Txh7) 39. c3 Txb3+ 40. Kxb3 und Weiß hat deutlichen Vorteil.

32. Dxa6+ Kxb4 33. c3+!!. Nachhaltiger als 33. Ld7 Txd7 34. Txd7 Tc8 35. Dd6+ Tc5 36. Dd2+ Dc3 37. Dxc3+ Kxc3 38. Txf7 h5 und die Verwertung des Mehrbauern bereitet noch Mühe.

33. ... Kxc3 34. Da1+ Kd2. Keine Rettung versprach 34. ... Kb4 35. Db2+ Ka5 (35. ... Db3 36. Txb5+ Kxb5 37. Dxb3+; 35. ... Kc5 36. Tc7+) 36. Da3+ Da4 37. Ta7+ Kb6 38. Txa4.

35. Db2+ Kd1. Erzwungen.

36. Lf1! Td2. 36. ... Dxf1 führt nach 37. Dc2+ Ke1 38. Te7+ geradewegs in den Orkus.

37. Td7! Txd7 38. Lxc4 bxc4 39. Dxh8 Weiß ist nun materiell entscheidend in Vorteil.

39. ... Td3 40. Da8 c3 41. Da4+ Ke1 42. f4 f5 43. Kc1 Td2 44. Da7 und Schwarz gab auf.


Weiß: GM I. Sokolov (2610)

Schwarz: GM G. KasparoW (2812)

Nimzoindisch [E59]

1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sc3 Lb4 4. e3 0-0 5. Ld3 d5 6. Sf3 c5 7. 0-0 Sc6 8. a3 Lxc3 9. bxc3 Dc7 10. Dc2 dxc4 11. Lxc4 e5 12. Ld3 Te8 13. e4 exd4 14. cxd4 Lg4 15. e5 Lxf3 16. exf6 Sxd4 17. Lxh7+ Kh8 18. fxg7+ Kxg7 19. Lb2 Tad8 20. gxf3 Th8 21. Kh1 Txh7 22. Tg1+ Kh8 23. Tg3 De5 24. Tag1 Th4 25. Dc1 Kh7 26. Db1+ Kh8 27. Df1 De6 28. Dg2 und Schwarz gab auf.

ÖM Lothar Karrer